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Markus Lanz SPD-Politiker konsterniert Moderator: „Ich verteidige doch gar nicht Putin“

SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, 93 Jahre alt, wurde bei Markus Lanz von den schrecklichen Bildern aus Mariupol an seine eigenen Kriegserfahrungen erinnert.

SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, 93 Jahre alt, wurde bei Markus Lanz von den schrecklichen Bildern aus Mariupol an seine eigenen Kriegserfahrungen erinnert.

Ein Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs hat möglicherweise einen anderen Blickwinkel auf den Ukraine-Krieg: SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi sprach sich bei Markus Lanz für eine diplomatische Russland-Politik aus.

Der Einspieler bei „Markus Lanz“ zeigte den ganzen Schrecken des Krieges: Schaukelnde Kinder auf einem Spielplatz vor einem zerstörten Wohnhaus, verzweifelte Zivilistinnen und Zivilisten, die für ihre verstorbenen Liebsten Gräber auf Grünflächen ausheben.

Am Donnerstag saß ein Gast in der Runde, dem die verstörenden Bilder aus dem ukrainischen Mariupol bekannt vorkamen: „Na klar, haben wir doch auch gemacht!“, berichtete Klaus von Dohnanyi, der den Zweiten Weltkrieg miterlebte. „Wir sind in die Keller gegangen und haben die Bomben pfeifen hören“, sagte der 93-jährige SPD-Politiker, der sich an das Hamburg des Jahres 1943 erinnert fühlte.

Markus Lanz: Krieg „eine Erfahrung, die einen niemals verlässt“

Was der Beginn der russischen Invasion auf die Ukraine am 24. Februar mit dem ehemaligen Bürgermeister Hamburgs gemacht habe, wollte Markus Lanz wissen. „Als ich zum ersten Mal wieder Sirenen gehört habe – und zwar mit der Folge, dass Leute gelaufen sind, um Schutzbunker aufzusuchen -, das alles ist eine Erfahrung, die einen nie verlässt“, antwortete von Dohnanyi. Das letzte lebende Mitglied aus dem Kabinett Willy Brandt setzte sich im ZDF-Talk vehement für Diplomatie ein. „Wir müssen auch darauf zurückschauen, was ein großer Krieg möglicherweise bringt.“

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Mit seiner Erfahrung denke man vielleicht in diesen Fragen anders als „mancher, der nur die Gegenwart und diesen ersten Krieg erlebt“. Diese Worte waren auch gemünzt auf die Aussagen des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg nach dem Gipfeltreffen des Verteidigungsbündnisses mit den G7-Staaten und der EU wenige Stunden zuvor.

„Ich glaube, worüber man nachdenken muss, ist, dass wir beides brauchen“, erklärte Klaus von Dohnanyi. Man brauche Verteidigung, „auch die Nato“, aber man dürfe auf Waffen alleine nicht vertrauen. „Nach meiner Meinung hatte die Nato in der Vergangenheit eine zu geringe diplomatische Komponente.“ Dem Verteidigungsbündnis mangele es an Verständnis für die Entstehung der Krisen. Es werde zu wenig für „andere“ – gemeint waren nicht-militärische – Lösungen getan.

Allerdings stellte der SPD-Politiker auch klar: „Alles das, was jetzt geschieht, ist unter den Bedingungen, wie sie jetzt bestehen, notwendig.“ Darüber zu spekulieren, ob dieser Zustand hätte entstehen müssen, sei nun zu spät. „Die Sache ist gelaufen, wir haben Krieg.“

Doch von Dohnanyi richtete den Blick auch in die Zukunft und unterstrich: „Russland wird aus der Geografie auch durch Sanktionen nicht verschwinden.“ Und wenn Russland weiterhin unser naher Nachbar ist und möglicherweise ein gefährlicher, dann bräuchte man mehr als nur Waffen. „Wir brauchen den Versuch eines Ausgleichs mit Russland – auch nach Putin -, der uns nicht in die Gefahr eines wirklich großen Krieges bringt.“ Für Diplomatie sei es zwar „jetzt zu spät“, aber er sei „strategisch besorgt“, sollte man die diplomatische Seite weiterhin vernachlässigen.

Markus Lanz: Sicherheitsexpertin widerspricht SPD-Politiker

Widerspruch zu dieser Haltung kam bei „Markus Lanz“ von Sicherheitsexpertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Sicherheitsexpertin wies darauf hin, dass man hier einem russischen Narrativ aufsitze.

Ihr war wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sehr wohl diplomatische Anstrengungen gab, „dass eher im Gegenteil bis 2014 in Europa an der Verteidigung grundlegend gespart wurde“.

Diese Sparpolitik, der Abbau der Verteidigungsfähigkeiten, bezeichnete sie als „dunkle Seite der Friedensdividende“. Wenn Westeuropa eines mit „besonderer Begeisterung“ gemacht habe, dann sich auf die Suche nach einem Ausgleich mit Russland zu begeben.

Zeitzeuge bei Lanz: „Bin kein Freund von Putin und kein Freund von Assad“

Laut Major habe es mehrere Zugeständnisse der Nato aus Rücksichtnahme auf Russland gegeben. Unter anderem ein Verzicht auf permanente militärische Nato-Installationen in den Oststaaten. Auch Bundeskanzler Scholz hätte – ohne, dass dies zwingend gewesen sei – bei seinem Moskau-Besuch angeboten, die Nato-Eintrittsbemühungen der Ukraine hintanzustellen.

Als die Sprache auf den Bürgerkrieg in Syrien kam, verlor auch Markus Lanz das Verständnis für die Position des SPD-Urgesteins. Auf von Dohnanyis Hinweis, Putin habe sich im Zusammenhang mit Völkerrechtsbrüchen der USA für eine Unterstützung des syrischen Machthabers Baschar al Assad entschieden, entgegnete der ZDF-Talker konsterniert: „Sie haben gerade so emotional die Erfahrungen aus Hamburg 1943 geschildert. Dann können Sie doch nicht die Geschehnisse von Aleppo 2015 rein juristisch argumentieren!“

Klaus von Dohnanyi beharrte: „Ich bin kein Freund von Putin und kein Freund von Assad. Ich bin nur der Überzeugung, dass es der Diplomatie und des Verständnisses auch der anderen Seite bedarf.“ Wiederholt betonte er: „Ich verteidige doch gar nicht Putin.“ Die Blicke der Talk-Teilnehmer ließen erahnen, dass ihm an der Stelle nicht jeder folgen konnte. (tsch)

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