Die Konzertabsagen einiger Künstler wegen zu wenig verkaufter Tickets haben eine Diskussion losgetreten. Die Fans beklagen die teuren Kartenpreise. Veranstalter Markus Krampe gibt den Stars eine Teilschuld.
Debatte um KonzertabsagenVeranstalter gibt Stars Mitschuld am großen Event-Dilemma

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Event-Profi Markus Krampe (r.) veranstaltet mit Lukas Podolski das Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring.

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Ausverkaufte Stadien bei den Top-Bands, dürftig besuchte Hallen oder Open-Airs bei kleineren Künstlern, abgesagte Auftritte und kurzfristig ausfallende Festivals. Die Konzertbranche steckt in der Krise.
Wincent Weiss, Max Giesinger, Ronan Keating, Gabriel Kelly – etliche Musiker mussten in den vergangenen Tagen Auftritte streichen, weil zu wenig Karten verkauft wurden. Der EXPRESS.de-Report zum Thema wühlte die Branche mächtig auf. Die Verantwortlichen diskutieren seitdem eifrig die Gründe für die Entwicklung.
Fans mit klarer Meinung zu den Konzertabsagen: Tickets zu teuer
Die Meinungen der Fans, die unserer Redaktion zugegangen sind, fallen eindeutig aus: Die Tickets seien inzwischen zu teuer, die Preise stellenweise unverschämt hoch. Die Frucht sei irgendwann ausgequetscht, schreiben die Musikliebhaber.
Zu den in die Höhe schießenden Ticketkosten kämen noch die nicht mehr vertretbaren Getränkepreise. „Ich kann es mir schlicht nicht mehr leisten“, schreibt eine Anhängerin.
Die Künstler tragen auch eine Teilschuld am Dilemma, sagt Markus Krampe zu EXPRESS.de. Der Event-Profi veranstaltet seit Jahren große Festivals (Glücksgefühle, 80er Live, Inselfieber, Rainbow) und kennt die Probleme ebenfalls. Einige Musiker und ihre Managements seien zu gierig geworden.
Er nennt Wincent Weiss als Beispiel. Der war 2023 bei der Premiere des Glücksgefühle-Festivals. „Seitdem ist die Gagenforderung für ihn um 40 Prozent gestiegen. Doch jetzt hat er ein Problem. Durch die Konzertabsage ist sein Marktwert erheblich gesunken. Nun habe ich die Karten in der Hand und würde 2027 nicht mehr die Gage wie vor zwei, drei Jahren zahlen.“

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Wincent Weiss musste ein Konzert seiner Tour absagen, weil zu wenig Karten dafür verkauft worden waren.
Zudem würde oft die allgemeine Preissteigerung nach der Coronapandemie angeführt. „Technik, Dienstleister, Arenen – alle Kosten sind exorbitant und stellenweise nicht gerechtfertigt gestiegen. Die Leidtragenden sind am Ende die Kunden und Kundinnen, die sich die Tickets nicht mehr leisten können. Amerikanische Stars haben schon immer unverschämte Preise aufgerufen. Aber jetzt wollen auch deutsche Pop-Künstler, die vor wenigen Jahren 60 Euro pro Karte kosteten, 100 Euro haben. Das macht keiner mit.“
Krampe wehrt sich dagegen, den schwarzen Peter in der Hand zu haben. „Es wird immer auf die geldgierigen Veranstalter geschimpft. Aber wenn die Kosten für Konzertinfrastruktur und Gagen fast verdoppelt wurden, was will man da machen?“
Bei seinem Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring spürt er die Probleme bisher nicht. Das Vier-Tage-Event wird wieder von 250.000 Menschen besucht werden. Auf der Strecke würden aus seiner Sicht eines Tages die mittelgroßen Events bleiben.
„Die Leute gehen zu den Megastars, weil sie die einmal sehen wollen, oder sie feiern beim Straßenfest mit Gratisauftritten. Die Probleme des deutschen Mittelstands ziehen sich jetzt auch ins Entertainment-Geschäft. Ich habe immer befürchtet, dass der große Knall kommen wird. Jetzt ist es so weit.“
