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„Hier zählen keine Meinungen, nur Messungen“Harald Lesch rückt im ZDF die Klima-Debatte zurecht

In seiner „Terra X“-Sendung informiert Harald Lesch zum Stand des Klimawandels. (Bild: ZDF)

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In seiner „Terra X“-Sendung informiert Harald Lesch zum Stand des Klimawandels. (Bild: ZDF)

In seinem ZDF-Wissenschaftsmagazin zeigt Harald Lesch auf, was die Deutschen beim Klimaschutz von den Dänen lernen könnten. Kopfschüttelnd blickt der Physik-Professor auf die „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“ Donald Trumps.

„Wir müssen die Treibhausgas-Emissionen so schnell und effizient wie nur möglich verringern“, sagt Harald Lesch in der neuen Ausgabe seines ZDF-Magazins. „Dieses Ziel haben einige schon aus den Augen verloren. Sie sind der Meinung, wir haben da keine Chance mehr.“

Dass der Physik-Professor und Wissenschaftsmoderator selbst gänzlich anderer Meinung ist, muss er eigentlich nicht betonen, so oft, wie er Sendungen, Interviews und Vorträge dem Klimawandel gewidmet hat. Gleich dem Sisyphos hat er nun eine weitere „Terra X“-Ausgabe der Schicksalsfrage der Menschheit gewidmet. Dabei richtet er den Blick unter anderem nach Norden.

Hinter dem Kürzel CCPI verbirgt sich ein internationaler Vergleichs-Index, der die Klimaschutz-Anstrengungen einzelner Länder bewertet. „Sehr gut“ macht es aktuell kein Land, deshalb sind die ersten drei Plätze des Rankings leer. Die Dänen führen es an. Deutschland ist von Platz 16 auf Platz 22 abgerutscht, informiert Lesch. „Da könnte man ja mal auf die Idee kommen, unsere Nachbarn im Norden zu fragen: Ihr Dänen, was macht ihr eigentlich anders?“

„Nicht dieses Hin und Her“: Was die dänische Klima-Politik der deutschen voraus hat

Ein kleiner Geschichtsexkurs legt dar: Noch 1972 deckte Dänemark 92 seines Energiebedarfs mit importiertem Erdöl. Die sogenannte Öl-Krise ein Jahr später brachte ein radikales Umdenken in Gang. Es entstanden Fernwärmenetze, Wind- und Solar-Energie wurde konsequent ausgebaut. Heute stammt der Strom aus dänischen Steckdosen zu 60 Prozent aus Wind- und zu 10 Prozent aus Solarkraft. Während in Deutschland erbittert über Heizgesetze gestritten wird, sind Öl- und Gasheizungen im dänischen Neubau schon seit 2013 nicht mehr erlaubt. Dafür sind heute zwei Drittel aller dänischen Haushalte ans Fernwärmenetz angeschlossen.

„In Dänemark hat man sehr früh angefangen, das Energiesystem zu transformieren“, sagt die Klimaforscherin Julia Pongratz von der Münchner LMU im Gespräch mit Harald Lesch. Die Politik habe Planungssicherheit geschaffen, „nicht dieses Hin und Her, wie wir es in Deutschland mit dem Heizungsgesetz sehen“. Ein weiteres dänisches Erfolgsmodell: Bürgerbeteiligung. Gewinne aus Windparks gingen direkt an die Gemeinden außen herum, erklärt die Forscherin. „So hat man soziale Akzeptanz geschaffen.“

In Deutschland hingegen sei man „in eine ganz falsche Erzählung reingerutscht“, wie Pongratz klagt. „Es begann mit diesem: 'Ihr müsst verzichten auf ...' Es heißt: 'Man nimmt mir das Auto weg', anstatt dass man sagt: 'Ich muss nicht mehr im Stau stehen.'“ Vorteile aus klimapolitischen Maßnahmen würden übersehen. Auch weil man „sehr viel auf Lobbys“ höre und „träge im System“ sei. Pongratz deutlich: „Das hat zur Folge, dass wir uns an eine Gegenwart klammern, die sowieso nicht mehr zu halten ist.“

Harald Lesch wundert sich über amerikanische „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“

Auch einen Blick auf den amerikanischen „Sunshine State“ wirft die aktuelle „Terra X Harald Lesch“-Ausgabe. „Verrückt“ nennt es Lesch, dass der auf dem fossilen Retro-Kurs befindliche US-Präsident Trump zunehmende Katastrophen vor der Haustür seines Golfclubs in Florida hinnimmt. Die Hurrikans werden stärker, der Meeresspiegel steigt - und der Bau-Boom hält an. Auch wenn immer mehr Häuser und Straßen auf meterhohen Pfeilern gebaut werden. Lesch hält es kopfschüttelnd für eine „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“.

Donald Trump und viele andere Menschen scheinen da eine andere Meinung zu haben. Aber die hält Lesch in seinem Fachgebiet für überbewertet, wie er am Ende erklärt: „Physik ist ehrlich und gnadenlos. Hier zählen keine Meinungen, nur Messungen.“ Es ist begreiflich: Nach einem allzu konzilianten Ton steht dem Sisyphos der Wissenschaftsvermittlung nicht mehr der Sinn. (tsch)

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