Die erhoffte Traumreise entwickelt sich zu einer Schreckensfahrt mitten im Kriegsgebiet.
Kriegs-Albtraum im UrlaubEhepaar aus NRW harrt auf Kreuzfahrtschiff aus: Nerven-Zerreißprobe
Aktualisiert
Für unzählige Reisende wurde die ersehnte Kreuzfahrt zur reinsten Hölle. Die Schiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ des Anbieters TUI Cruises sitzen seit dem Wochenende in den Hafenanlagen von Doha und Abu Dhabi fest.
Die Ursache ist der Krieg im Iran, der den Luftverkehr zum Erliegen brachte. Eine Passage durch die Straße von Hormus kommt nicht infrage.
Abwehrraketen statt Feuerwerk
Auch Reisende aus der Region Euskirchen sind unter den festsitzenden Passagieren. Obwohl sie sich auf dem Schiff in Sicherheit wähnen, ist die Atmosphäre zum Zerreißen gespannt. Die dramatische Situation beschreibt der Mann aus Euskirchen so: „Es ist ein beklemmendes Gefühl, festzusitzen und ständig Explosionen in der Ferne zu hören“, schildert er im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Ein plötzlicher Handy-Alarm unterbrach eine Radtour in Doha; die Nachricht kam auf Englisch und Arabisch. Panik machte sich breit, Leute liefen durcheinander, während im Hintergrund Detonationen zu vernehmen waren. „Zuerst dachten wir an einen Probealarm. Ich habe aber sofort gesagt: Der Trump hat vielleicht gerade den Krieg angefangen.“ Anfänglich glaubten einige noch an ein Feuerwerk, aber die erschütternde Wahrheit war: Es handelte sich um Abwehrraketen.
Von TUI gab es Anweisungen, sofort zum Schiff zurückzukehren und sich ausschließlich im Innenbereich aufzuhalten. Außendecks und Bereiche mit Glasfronten, darunter auch die Restaurants, Sauna oder der Spa-Bereich, wurden gesperrt. Einige dieser Maßnahmen sind inzwischen gelockert. Verboten ist der Aufenthalt weiterhin in offenen Bereichen, wo Trümmerteile herunterfallen könnten.
In Abu Dhabi spitzte sich die Lage für die Reisenden dann noch einmal dramatisch zu. Iranische Drohnen, die auf nahegelegene US-Basen zielten, wurden gestartet, wobei eine dem Kreuzfahrtschiff gefährlich nahekam. Zwar wurde der Großteil der Projektile neutralisiert, aber ein Geschoss schlug in einer Marinebasis ein und soll dort zwei Container entzündet haben. Wegen des Risikos durch herabstürzende Wrackteile ist es inzwischen untersagt, sich an Deck aufzuhalten.
Eine gespenstische Stimmung macht sich auf den Schiffen breit. Trotz der vielen Freizeitangebote, die es nach wie vor gibt, denkt niemand mehr an einen entspannten Urlaub. Ein Paar aus der Eifel mit viel Kreuzfahrt-Erfahrung, das bereits zig Reisen unternommen hat, sagt, dass sie so etwas noch nie mitgemacht haben. Sogar die Zeit, als sie zu Beginn der Corona-Krise auf einem Schiff feststeckten, sei dagegen „gar nichts gewesen“.
Zerreißprobe für die Nerven
Das Warten ins Ungewisse ist eine Zerreißprobe für die Nerven. Niemand weiß, wann oder auf welchem Weg die Rückkehr nach Hause möglich sein wird. Für das Paar war der Heimflug ursprünglich für Sonntag geplant, aber bereits am Samstag stand fest, dass dieser Plan ins Wasser fällt. Ein wichtiger Termin am Freitag, den der Mann aus Euskirchen wahrnehmen muss, rückt in weite Ferne. Sein Witz von vor ein paar Tagen an seine Frau, man solle doch noch eine Woche verlängern, klingt jetzt wie blanker Zynismus.
Obwohl Außenminister Johann Wadephul eine umfangreiche Evakuierung am Wochenende erst einmal ablehnte, gab es am Montag neue Entwicklungen. Von TUI Cruises, dem Reiseveranstalter, hieß es: „Unser Fokus liegt aktuell darauf, gemeinsam mit unseren Airline-Partnern tragfähige Lösungen für die Rückreise unserer Gäste zu entwickeln.“ Alternative Flugstrecken und Airports würden geprüft. Ein organisatorisches Durcheinander entstand auf der „Mein Schiff 5“ in Doha: Neue Urlauber betraten das Schiff, doch die abreisenden Gäste konnten aufgrund der Situation nicht von Bord gehen. Shuttlebusse zum Airport wurden zurückbeordert, das Gepäck war aber schon auf dem Weg. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

