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„Bares für Rares”Für dieses Nashorn landete der Besitzer beinahe im Knast

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Sieht supersüß aus: Das Nashorn wurde von der Künstlerin Renate Müller (* 1945) aus Sonneberg entworfen und ist ziemlich wertvoll.

von Martin Gätke (mg)

Köln – Für dieses Spielzeug hat Karlheinz Pallapies (81) ein großes Risiko auf sich genommen!

Der Verkaufsleiter aus Castrop-Rauxel zeigt Horst Lichter ein besonderes Stück: ein sogenanntes Rupfentier. 

Das mit Holzwolle gefüllte Stück besteht aus Rupfen, einem grob geflochtenem Jutestoff sowie aus buntem Leder. Mit dieser Art therapeuthischer Spielzeuge sollten bei Kindern verschiedene Sinne gefördert und weiter ausgeprägt werden.

Alles zum Thema Horst Lichter

Das Besondere: Die Stücke waren nicht frei verkäuflich, sondern nur für Therapiezentren sowie Kindergärten und Kinderkliniken bestimmt. Das Rupfentier „Nashorn” ist eine außergewöhnliche Rarität, das sogar im MoMA, im Museum of Modern Art in New York, ausgestellt ist.

Ein Gerät „zum Wolken vermessen“ hat es den „Bares für Rares“-Händlern angetan (hier mehr lesen).

Und genau hier hatte Karlheinz Pallapies ein ähnliches Rupfentier gesehen und dachte: „Donnerwetter, so ein Teil hast du doch im Keller”, erklärt er Horst Lichter. Und wo hat er das gute Stück her?

Nashorn stand 1967 auf Messe in Leipzig

„Aus der DDR”, erklärt Pallapies. „Ich habe damals internationale Messen organisiert, in Leipzig, in Hannover, in Moskau, überall. Und habe dann in Leipzig dieses Teil gefunden. Das war 1967, es wurde damals ausgestellt.” Und obwohl das Spielzeug nicht zum Verkauf gedacht war, hat Pallapies eins bekommen.

Weil es damals in der DDR noch kein Farbfernsehen gab, tauschte der Messeveranstalter einfach einen Farbdekoder gegen das Nashorn. Und den Farbdekoder, den hatte Pallapies eingeschmuggelt.

Gibt es bald Konkurrenz für Horst Lichters Trödelshow? Erfahren Sie es hier.

„Und das Nashorn, das musstest du doch dann wieder herausschmuggeln”, fragt Lichter. „Sicher”, erklärt Pallapies.

„Ich habe es herausgeschmuggelt, indem ich sagte, das wäre ein Ausstellungsstück. Das wusste der Zöllner ja nicht.”

Experte: „Das ist echt gefährlich gewesen”

Glück gehabt, meint Lichter gleich.

„Ja, das ist ja echt gefährlich gewesen”, stellt  der Experte Sven Deutschmanek fest.

Tatsächlich lag der Mauerbau zu der Zeit, als Pallapies die Grenze überquerte, gerade einmal sechs Jahre zurück. Und die DDR-Führung meinte es todernst mit ihrer Grenze: Bis zum Jahr 1989 gibt es insgesamt 371 Tote nur an der innerdeutschen Grenze.

Bei Schmuggelversuchen gab es vereinzelt Haft

Und auch Westdeutsche waren gefährdet: Im Jahr des Mauerbaus wurde etwa  ein Dortmunder Journalist von Grenztruppen erschossen, nur weil er mit Bauern sprechen wollte. Die Zollbeamten waren nervös, wenn es um ihre Grenze ging. Und bei Schmuggelversuchen gab es vereinzelt auch Haft. 

Aber bei Pallies ging alles gut, jetzt will er Geld für das Nashorn sehen: 1000 Euro wünscht er sich für das besondere Teil. Der Experte geht sogar einen Schritt weiter: bis zu 1500 Euro ist das Spielzeug wert.

Und tatsächlich: Für 1200 Euro geht das geschmuggelte Nashorn an Händler Fabian Kahl. 

Kunstschätze und ihre Liebhaber sind hier herzlich willkommen!

„Bares für Rares“ wird seit 2013 im ZDF ausgestrahlt. Moderator Horst Lichter ist der Gastgeber der Trödelsendung, bei der Teilnehmer ihre Antiquitäten, Raritäten und auch Kuriositäten vorstellen und im Idealfall durch einen Verkauf eine schöne Summe mit nach Hause nehmen.

Seit 2013 wird die Sendung, die in Köln produziert wird, im Nachmittagsprogramm des ZDF ausgestrahlt und hat sich zu einem echten Quoten-Garant entwickelt. Von Montag bis Freitag schalten im Durchschnitt drei Millionen TV-Zuschauer ein, wenn es ums Feilschen und Handeln geht.

So läuft die Sendung „Bares für Rares“ ab

Die Kandidaten werden samt ihren Verkaufsobjekten zu einem Experten geschickt, der die Ware überprüft, etwas zur Geschichte erzählen kann und dann einen Schätzwert abgibt, in welchem preislichen Rahmen sich der Verkaufswert befindet. Liegt diese Summe nah an der preislichen Erwartung der Teilnehmer, bekommen sie von Moderator Lichter die Händlerkarte überreicht. Diese ist die Eintrittskarte in den Raum, in dem sich die Antiquitätenhändler befinden.

Dort stellen sich die Kandidaten samt Gegenstand vor. Ähnlich wie bei einer Versteigerung versuchen die fünf Händler dann, das jeweilige Exponat für sich zu sichern. Das kann dazu führen, dass die Summe unverhofft in die Höhe steigt. Dann liegt es am Anbieter, ob er die Summe der Händler akzeptiert oder noch feilschen will. Erhält der Höchstbietende den Zuschlag, bezahlt er die Summe in bar an den Verkäufer aus. 

Das bisher höchste Gebot

Neben der klassischen Ausgabe wurden auch schon zahlreiche Spezial-Ausgaben produziert. So gab es schon Promi-Ausgaben, Händlerduelle, eine Prime-Time-Show im ZDF, die unter dem Namen „Deutschlands größte Trödelshow lief“.

Das bisher höchste Gebot lag übrigens bei 35.000 Euro, Im Jahr 2014 wechselte ein Borgward Isabella Cabriolet den Besitzer. 

(mg)