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ARD-„Tatort“ Lohnt Einschalten bei Fall aus München? Es gibt nur eine Antwort

HANDOUT - 19.06.2022, ---, -: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l-r), Ivo Batic (Miroslav Nemec), Laura Lechner (Anna Grisebach) und Prof. Ralph Vonderheiden (Andre Jung) in einer Szene des "Tatort: Flash", der am Sonntag, 19.06.2022 im Ersten ausgestrahlt wird.

Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, l-r), Ivo Batic (Miroslav Nemec), Laura Lechner (Anna Grisebach) und Prof. Ralph Vonderheiden (Andre Jung) in einer Szene des „Tatort: Flash“, der am Sonntag, 19.06.2022 im Ersten ausgestrahlt wird.

Ein verurteilter Frauenmörder wurde nach über 30 Jahren entlassen. Offenbar hat er einen neuen Mord begangen und ist danach untergetaucht. Einzige Hoffnung der Münchener Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ist der mittlerweile demente Psychotherapeut des Verbrechers.

Mit Reminiszenztherapie versucht man, demente Patienten in Welten der Vergangenheit zu führen, um im Langzeitgedächtnis gespeicherte Erinnerungen zu „triggern“.

Auch die Münchener Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) setzen in ihrem neuen „Tatort: Flash“ auf das Verfahren, weil ihr einziger Zeuge in einem Mordfall an Demenz leidet. Es ist der ehemalige Psychotherapeut Norbert Prinz (Peter Franke), der während der 80er-Jahre den später als Frauenmörder verurteilten Alois Meininger (Martin Leutgeb) behandelte. Nun ist Meininger nach über 30 Jahren Sicherheitsverwahrung entlassen worden und hat offenbar einen neuen Mord begangen.

ARD-„Tatort“: Darum geht es im Fall „Flash“ aus München

Danach ist der Täter in einer geheimen Kellerwohnung untergetaucht. Von diesem „Bunker“ sprach Meininger schon während der 80er in den Therapiesitzungen mit seinem Therapeuten Dr. Prinz. Die Ermittler glauben gar, dass Norbert Prinz seinen Patienten in jenem „Bunker“ damals aufsuchte und behandelte.

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An dieser Stelle kommt das „Institut für dementielle Erkrankungen und Reminiszenztherapie“ von Professor Ralph Vonderheiden (André Jung) ins Spiel. Dort baut der renommierte Wissenschaftler mit seiner Mitarbeiterin Dr. Laura Lechner (Anna Grisebach) Erinnerungsräume für Demente, in denen diese bis ins letzte Detail originalgetreue „Settings“ aus ihrem früheren Leben wiederfinden.

Im Falle von Norbert Prinz, der zu Hause von seiner Tochter (Jenny Schily) gepflegt wird, baute man dessen Praxiszimmer der 80er nach, wo er einst den späteren mutmaßlichen Mörder Meininger behandelte. Batic und Leitmayr beginnen mit dem Verhör des dementen Zeugen in dessen „alter Welt“. Dabei werden sie mit Knopf im Ohr von den Demenzspezialisten des Instituts beraten. Ob die Polizisten mit ihrem „therapeutischen Verhör“ Erfolg haben?

ARD-„Tatort“: Lohnt Einschalten bei Fall aus München? Es gibt nur eine Antwort

Ein dementer Zeuge, dessen Erinnerung „wiederbelebt“ werden muss – es ist eine überaus reizvolle Krimi-Idee, die sich das renommierte Autorenduo Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser („Tatort: Der Mann, der lügt“) hier ausgedacht hat. Regisseur Andreas Kleinert, der mit „Die letzte Welle“ oder dem Franken-Beitrag „Wo ist Mike?“ für einige der besten BR-„Tatorte“ der letzten Jahre verantwortlich ist und mit seinem neuen Kinowerk „Lieber Thomas“ als Top-Favorit beim Deutschen Filmpreis gilt, hat den Stoff zudem äußerst stimmungsvoll umgesetzt.

Inklusive gelungener Flashback-Szenen aus den 80ern, die den wilden Tanzclub „Flash“ bebildern, wo der Mörder wohl sein Opfer fand. Ein Schuppen, an den sich auch Leitmayr durchaus schwärmerisch erinnert und in dem die grau gewordenen Polizisten ebenfalls Jugenderinnerungen nachhängen. Klar, dass der Vergnügungstempel längst dicht gemacht hat, aber die Polizisten in dessen alten Rest-Interieur herumspazieren können.

Wie trügerisch Erinnerungen und scheinbare Fakten selbst für nicht-demente Personen sind, diese Frage hängt durchaus subtil inszeniert über der neuen Ermittlung des Münchener Qualitätskrimis. Im Lauf der 90 Minuten wird eben nicht nur der demente Zeuge dank der Scheinwelt seiner alten Praxis alten Erinnerungen zugeführt, auch die Zuschauenden des exzellenten „Tatorts“ sollen wohl ein wenig verführt und zu Urteilen herausgefordert werden.

Das Resultat ist einer der cleversten und besten „Tatorte“ der ausgehenden Saison 2021/22. Verantwortlich dafür ist auch das brillante Spiel des 80-jährigen Peter Franke, den man aus vielen markanten Rollen kennt.

„Tatort Gehirn“: Begleitende Doku zum Krimi

Auch der Rest des Ensembles liefert facettenreiche und mit subtilem Humor gewürzte Vorstellungen ab: André Jung als Demenzforscher, Jenny Schily als von der Pflege des Vaters genervte Tochter und Anna Grisebach als Midlife Crisis-Wissenschaftlerin mit viel Lebenshunger. Grisebach war erst neulich im starken Verena Altenberger-„Polizeiruf 110: Das Licht, das die Toten sehen“ als derangierte Mutter einer verschwundenen Jugendlichen zu sehen. Mit diesem Doppel-Auftritt empfiehlt sich die 48-Jährige für den ein oder anderen Darsteller-Preis.

Wer tiefer in das Thema des „Tatort: Flash“ einsteigen möchte, hat am Sonntag, 19. Juni, ab 20.15 Uhr, in der ARD Mediathek online sowie am Samstag, 2. Juli, um 19.00 Uhr, auch im BR-Fernsehen die Gelegenheit dazu. In der Dokumentation „Tatort Gehirn: Wie funktioniert Erinnern und Vergessen?“ aus der Sendereihe „Gut zu wissen“ wird gezeigt, wie realistisch die Ermittlungsmethoden der Kommissare in diesem Fall sind und wie die im „Tatort“ gezeigte Reminiszenztherapie wirklich angewandt wird. (tsch)

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