Glasfaser-Ausbau: Telekom verzweifelt an den Kunden.
Fünf von sechs sagen NeinTelekom baut Glasfaser aus, doch die meisten Kunden winken ab

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Glasfaser-Kabel an einem Berliner Wohnhaus.
Der Glasfaser-Ausbau der Telekom ist ein Milliarden-Projekt, doch die Deutschen machen nicht mit. Ein Riesen-Problem für den Bonner Konzern: Obwohl die Technik als das Nonplusultra für schnelles Internet gilt, ist die Begeisterung verhalten. Ende März hatten deutschlandweit nur rund 2,2 Millionen Menschen einen aktiven Anschluss, bekannt als „Fiber to the Home“ (FTTH).
Und jetzt kommt der eigentliche Hammer, der die Chefs in Bonn zur Verzweiflung treiben dürfte: Die Leitungen liegen bereits bei gut 13 Millionen Haushalten. Die sogenannte Aufnahmerate stagniert aber bei mickrigen 17,1 Prozent. Das heißt für Köln und den Rest der Republik: Fünf von sechs Haushalten, die sofort lossurfen könnten, winken ab und haben keinen Vertrag unterschrieben.
Die Konkurrenz macht es vor
Die Wettbewerber schlafen nicht und pumpen ebenfalls gewaltige Summen in ihre Netze. Vodafone meldet über seine Tochter OXG 0,6 Millionen versorgte Haushalte. Rivale Deutsche Glasfaser ist schon bei 2,8 Millionen Haushalten und hat eine deutlich bessere Quote: Dort nutzen fast 30 Prozent der möglichen Kunden den schnellen Anschluss. Vodafone gibt zur tatsächlichen Nutzung keine Zahlen preis.
Der Vergleich ist aber mit Vorsicht zu genießen. Die Deutsche Glasfaser ist vor allem auf dem Land aktiv, wo der Wunsch nach stabilem Netz viel größer ist als in Großstädten. In Metropolen wie Köln gibt es mit dem Internet aus der TV-Buchse eine starke Alternative. Hinzu kommt ein typisches Problem in Mehrfamilienhäusern: Vermieter, die sich gegen neue Kabel vom Keller bis in die Wohnungen sträuben.

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Die Magenta-Manager Tim Höttges (links) und Christian Illek.
Telekom-Bosse unzufrieden mit der Lage
Telekom-Finanzchef Christian Illek gibt sich zwar optimistisch, dass der Kundenzuwachs bald anzieht. Das Ziel: 0,75 Millionen neue FTTH-Kunden in diesem Jahr und eine Million im Jahr 2027. Konzernchef Tim Höttges redet Klartext: Man sei mit der aktuellen Auslastung nicht zufrieden. Er sieht das Problem ebenfalls bei den Mehrfamilienhäusern, wo Vermieter oft feste Deals mit Kabelanbietern haben.
Deshalb ändert die Telekom jetzt die Taktik und konzentriert sich stärker auf den ländlichen Raum und Stadtränder mit vielen Einfamilienhäusern. „Dieser Ausbau in den ländlichen Gebieten ist sehr, sehr teuer, aber dafür ist die Akzeptanz in diesen Gebieten viel höher“, sagt Höttges. Ein starkes Argument für Hausbesitzer: Ein Glasfaser-Anschluss steigert den Wert der eigenen Immobilie.
An der Börse läuft's trotzdem rund
Trotz der Sorgen beim Glasfaser-Ausbau konnte die Telekom solide Quartalszahlen präsentieren. Der Umsatz wuchs leicht auf 29,9 Milliarden Euro. Der Gewinn des Konzerns landete bei 2 Milliarden Euro. Das ist zwar ein Minus von rund einem Viertel gegenüber dem Vorjahr, was aber an teuren Restrukturierungen in den USA und anderen negativen Effekten liegt. Die Anleger waren zufrieden: Die Aktie kletterte bis zum Mittag um zwei Prozent. (dpa/red)
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