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„Wenn wir es können“ Baltische Staaten setzen EU mit drastischer Russland-Kante unter Druck

Es ist die Verdichterstation in Mallnow nahe der deutsch-polnischen Grenze zu sehen. Von der Quelle bis zum Einsatzort legt das Erdgas in der Pipeline «Jagal» mehrere tausend Kilometer zurück. Um einen konstanten Druck für den Transport in der Pipeline aufrecht zu erhalten sind solche Verdichterstationen nötig.

Der Ukraine-Krieg führt Deutschland vor Augen, dass die Gasabhängigkeit von Russland gefährlich ist. Auch die Verdichterstation in Mallnow nahe der deutsch-polnischen Grenze übernimmt beispielsweise vorwiegend russisches Erdgas. Das Foto entstand im März 2022.

Seit Wochen tobt Putins Angriffskrieg in der Ukraine. Die EU reagiert mit Sanktionen gegen Russland. Auf russisches Gas kann und möchte Deutschland aber erstmal nicht verzichten.

Es ist ein Dilemma: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine wird nun schon darüber diskutiert, ob Deutschland weiterhin Gas aus dem von Wladimir Putin geführten Russland beziehen sollte und wie sich ein mögliches Gas-Embargo hierzulande bewältigen ließe.

Während sich Deutschland und viele weitere Staaten der Europäischen Union bei dieser Frage schwertun, haben die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen jetzt kurzen Prozess gemacht: Sie haben den Import von Erdgas aus Russland eingestellt.

Ukraine-Krieg: Baltische Staaten beziehen kein Erdgas mehr aus Russland

„Seit dem 1. April fließt kein russisches Erdgas mehr nach Lettland, Estland und Litauen“, sagte Uldis Bariss, Chef des lettischen Erdgasspeicher-Betreibers Conexus Baltic Grid, am Samstag (3. April 2022) dem lettischen Rundfunk.

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Der litauische Präsident Gitanas Nauseda rief die restlichen EU-Staaten auf Twitter auf, dem Beispiel zu folgen: „Wenn wir es können, kann es der Rest Europas auch!“ Um den eigenen Gasbedarf zu decken, nutze Litauen ein Flüssiggas-Terminal in der Ostsee-Hafenstadt Klaipeda.

Sein Land habe vor Jahren Entscheidungen getroffen, „die es uns heute ermöglichen, ohne Schmerzen die Energie-Beziehungen mit dem Aggressor zu beenden“, fügte Nauseda hinzu. Bariss zufolge wird der baltische Markt derzeit durch Gasreserven versorgt, die unterirdisch in Lettland gelagert werden.

Die EU bezog 2021 rund 40 Prozent ihrer Gaslieferungen aus Russland

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag (31. März 2022) vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und westlicher Sanktionen angekündigt, dass für Gaslieferungen in EU-Länder nun Rubel-Konten bei der russischen Gazprom-Bank notwendig seien.

Im Jahr 2021 bezog die EU rund 40 Prozent ihrer Gaslieferungen aus Russland – und diese Abhängigkeit stellt ein massives Problem dar. Denn: Fielen die Gaslieferungen Russlands von jetzt auf gleich weg und könnte dieser Ausfall nicht entsprechend kompensiert werden, würde die schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen – nicht nur für die deutsche Volkswirtschaft.

Deutschland: Was würde ein Leben mit weniger Gas bedeuten?

Welche konkreten Auswirkungen hätte ein Gasausfall von etwa 40 oder 50 Prozent für Deutschland?

Eine Simulation des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zeigt, dass ein Domino-Effekt eintreten kann: Firmen könnten nicht mehr wie gewohnt produzieren, Produktionsausfälle beispielsweise in der Lebensmittelproduktion wären zu erwarten. Viele Menschen würden ihre Jobs verlieren. Krankenhäuser und Seniorenheime hätten keine ausreichende Wärmeversorgung, auch Schulen und Kindergärten müssten dann womöglich schließen.

Auch Privatwohnungen und -häuser könnten nicht mehr richtig beheizt werden, was dazu führen könnte, dass mehr Menschen in kalten Monaten erkranken. Die Folge: Überfüllte Krankenhäuser bei zu wenig ausgebildetem Pflegepersonal. Denkbar wäre dann die vermehrte Bildung extremistischer Organisationen und Parteien ... (jm/afp/dpa)

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