Forscher warnen: Ein neues nukleares Wettrüsten läuft.
Es ist bereits so weitFriedensforscher warnen vor neuem globalen Atom-Wettrüsten

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Russland zeigt in Sachen Atomwaffen die Muskeln: Hier rollt eine strategische Atomrakete vom Typ Topol-M bei einer Militärparade durch Moskau. (Archivbild)
Weltweite Auseinandersetzungen, Krisen und politische Machtkämpfe schieben die neun atomar bewaffneten Nationen in einen brandgefährlichen Rüstungswettlauf. Diese alarmierende Erkenntnis stammt aus einer aktuellen Analyse des Friedensforschungsinstituts Sipri aus Stockholm. „Wir stecken bereits mitten in einem neuen nuklearen Wettrüsten“, macht Sipri-Fachmann Matt Korda gegenüber der Deutschen Presse-Agentur klar. „Jeder Nuklearstaat baut sein Atomwaffenarsenal entweder quantitativ oder qualitativ aus – und manche tun beides.“
Diese Erneuerung der Waffenarsenale startet einen gefährlichen Dominoeffekt. Die Aufrüstungs-Aktionen einer Nation zwingen andere Atommächte dazu, mitzuziehen. „Dieser Kreislauf ist extrem schwer zu durchbrechen“, erklärt Korda.
Fehlende Verträge befeuern die Gefahr
Die Friedensbeobachter stellen fest, dass die Nuklearmächte ihre Waffenlager wieder vermehrt zur Einschüchterung verwenden. So hat Moskau im Krieg gegen die Ukraine mit dem eigenen Atompotenzial gedroht. Das Ziel: Westliche Staaten sollten davon abgehalten werden, Kiew zu helfen.
Zusätzlich ist der bedeutende Rüstungskontrollpakt „New Start“ zwischen den USA und Russland im Februar ausgelaufen – eine Nachfolgeregelung gibt es nicht. Das bedeutet, die zwei größten Atommächte könnten nun theoretisch Hunderte zusätzliche Sprengköpfe auf ihre Raketen packen, ohne dafür ein einziges neues System zu konstruieren, erläutert Sipri-Forscher Korda. Ohne solche Abkommen, so die Warnung, würden die Staaten auch immer weniger Informationen über ihre atomaren Kapazitäten veröffentlichen.
Auch Europa rüstet auf – was bedeutet das für Deutschland?
„Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass die Atomwaffenstaaten ihre Abrüstungsverpflichtungen vernachlässigen oder sogar ganz aufgeben und stattdessen ihre nukleare Stärke zur Schau stellen“, sagt Sipri-Forscher Hans Kristensen. „Indem sie nach nuklearen Lösungen greifen, schaffen Staaten neue Risiken und schüren die Dynamik des Wettrüstens.“

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Friedensorganisationen demonstrieren im April in Berlin für eine Welt ohne Atomwaffen - und gegen ein Wettrüsten zwischen den USA und Russland. (Archivbild)
Und in diesem gefährlichen Spiel mischt auch Europa immer stärker mit. „Allein im vergangenen Jahr haben wir die Anfänge einer Ausweitung der Partnerschaft zur Lastenteilung im Nuklearbereich beobachtet, an der Frankreich, das Vereinigte Königreich und mehrere andere Länder, darunter Deutschland, beteiligt sind“, erklärt Experte Korda. Ein Grund dafür: wachsendes Misstrauen in die Verlässlichkeit der USA als Schutzmacht.
China baut Arsenal schneller aus als jedes andere Land
Laut den Schätzungen von Sipri halten die USA und Russland gemeinsam etwa 83 Prozent sämtlicher eingelagerter Atomsprengköpfe (Russland: 5420, USA: 5042). Eigentlich hatten die beiden Nationen nach dem Kalten Krieg damit begonnen, alte Sprengköpfe Stück für Stück zu demontieren. Die globale Menge an Atomwaffen hatte sich deshalb kontinuierlich verringert.
Doch dieser positive Kurs dürfte sich nun umkehren. Währenddessen baut China sein nukleares Arsenal rasanter aus als jede andere Nation der Welt. Auf einer Militärschau im Jahr 2025 zeigte das Land bereits diverse neue Waffensysteme und besitzt laut Sipri-Schätzungen inzwischen ungefähr 620 atomare Sprengköpfe.
Tausende Sprengköpfe in höchster Alarmbereitschaft
Insgesamt besaßen die neun Nuklearmächte (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel) im Januar 2026 schätzungsweise 12.187 atomare Sprengköpfe. Davon waren rund 9745 in militärischen Lagern für einen potenziellen Einsatz.
Eine größere Anzahl als im Vorjahr – geschätzt 4012 Stück – war bereits auf Raketen und Flugzeugen montiert. Zwischen 2100 und 2200 dieser Sprengköpfe wurden auf ballistischen Raketen in maximaler Alarmstufe gehalten. Nahezu alle davon gehören Russland oder den USA, und zu einem kleineren Teil auch Großbritannien und Frankreich. Innerhalb der EU ist Frankreich nach dem Austritt Großbritanniens die einzige Atommacht. (dpa/red)
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