Brutaler Widerspruch: Mehr Umsatz, aber 127.000 Jobs weg
Mehr Umsatz, weniger JobsDeutsche Industrie baut 127.000 Stellen ab – Experte warnt

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Der Jahresauftakt lief überraschend gut für die Industrie. (Archivbild)
Ein Hoffnungsschimmer für Deutschlands Wirtschaft? Nach langer Durststrecke steigen die Umsätze der Industrie wieder. Doch die Freude wird getrübt: Gleichzeitig fallen Zehntausende Jobs weg – ein brutaler Widerspruch.
Deutschlands Industrie verzeichnete im ersten Jahresviertel zwar wieder ein Umsatzplus, gleichzeitig werden aber massenhaft Stellen gestrichen. Diese Entwicklung belegt eine Analyse des Beratungsunternehmens EY, welche auf Informationen des Statistischen Bundesamts fußt und der dpa-Nachrichtenagentur zur Verfügung steht.
Die Zahl der Angestellten im Industriesektor ist laut der Auswertung zum Quartalsende auf 5,3 Millionen Personen gesunken. Das stellt eine Abnahme von 2,3 Prozent dar, was 127.300 Stellen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet. Eine schockierende Entwicklung, die für unzählige Familien eine Katastrophe ist.
Autoindustrie und Maschinenbau bauen massiv Stellen ab
Besonders hart trifft es die Kernbranchen des Landes: Die Automobilindustrie verlor netto etwa 32.000 Arbeitsplätze. Knapp dahinter liegt der Maschinenbau mit 22.000 gestrichenen Positionen, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung mit 8.800.
Trotzdem gibt es einen Funken Hoffnung für den angeschlagenen Industriesektor, der mit teurer Energie, hohen Lohnkosten sowie Wettbewerb aus China und US-Abgaben kämpft. Die Untersuchung zeigt, dass der Umsatz im ersten Vierteljahr um 1,7 Prozent auf über 531 Milliarden Euro kletterte. Das ist der erste Zuwachs seit einem Jahr, nachdem es zehn Quartale lang abwärtsging.
Metallbranche als überraschender Lichtblick
Verantwortlich für diese positive Wendung ist vor allem ein sattes Umsatzwachstum von 18 Prozent im Metallsektor. Die Ausfuhren in diesem Bereich legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 28 Prozent zu. Auch die Automobilbranche (2,1 Prozent) und die Elektroindustrie (1,4 Prozent) konnten leichte Zuwächse verbuchen. Ganz anders die Lage in der Papier- und Textilbranche: Hier brachen die Umsätze um etwa 6 beziehungsweise 8 Prozent ein.
„Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich beim Wachstum einiger weniger Branchen nur um ein Strohfeuer handelt oder um eine Trendwende“, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY Deutschland.
Sowohl das Inlandgeschäft als auch die Exporte gaben der Industrie im ersten Vierteljahr Auftrieb. Die gesamte deutsche Volkswirtschaft legte in diesem Zeitraum unerwartet kräftig zu. Laut Statistischem Bundesamt erhöhte sich der Auftragsbestand der Industrie im März um mehr als 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Jedoch trübt der Konflikt im Iran die Zukunftsaussichten: Für 2026 hat die Bundesregierung ihre Wachstumserwartung auf 0,5 Prozent gesenkt.
Experte: „Solche Situation hat es sehr lange nicht gegeben“
Brorhilker rechnet mit zusätzlichen Arbeitsplatzverlusten, weil es in zahlreichen Sektoren massive Überkapazitäten gebe. Die Befürchtung eines Fachkräftemangels rücke damit immer mehr in den Hintergrund. Zwar habe die Bundesregierung mit dem Industriestrompreis und der Reduzierung der Körperschaftssteuer bedeutende Schritte unternommen, doch deren Effekte zeigen sich erst später.
Die Lage ist ernst. Laut Brorhilker wird bei vielen Firmen nicht mehr bloß über Einsparungen nachgedacht, sondern sogar über die Stilllegung kompletter Standorte. Sein alarmierendes Fazit: „Eine solche Situation hat es in der deutschen Industrie sehr lange nicht gegeben.“ (dpa/red)
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