Abo

Lage in russischer Sendung eskaliertPutin-Reporter steht auf, kurz danach passiert es

Der Kriegsberichterstatter für den russischen Staatssender RT, Andrei Filatov, prügelt auf Roman Nosikov ein.

Copyright: Telegram/filatovcorr

Der Kriegsberichterstatter für den russischen Staatssender RT, Andrei Filatov, prügelt auf Roman Nosikov ein.

Aktualisiert:

Ein russischer Kriegsberichterstatter geht in der Sendung „Aurora“ plötzlich auf einen Gast los, prügelt auf ihn ein. Die Szene sagt viel darüber aus, wie gespalten die russischen „Z-Blogger“ sind.

Inmitten der Sendung steht RT-Kriegsberichterstatter Andrei Filatov auf und prügelt auf einen Gast im Studio ein. „Was zum Teufel ist falsch mit dir?“, ruft der Gast laut. Mehrere Fausthiebe prasseln auf ihn nieder. Dann setzt sich Filatov wieder seelenruhig auf seinen Platz und erklärt: „Ich werde deine Nase brechen und dafür die Geldstrafe bezahlen.“ Und er fügt an: „So sollte man mit Betrügern sprechen.“

Im staatlichen russischen Rundfunksender „Aurora“ ist es zu der Prügel-Szene gekommen. „Aurora“ (Name bezieht sich auf den gleichnamigen Panzerkreuzer, dem Symbol der Oktoberrevolution 1917) verbreitet, wie andere Staatssender auch, vor allem russische Propaganda. Er richtet sich vor allen Dingen an Exil-Russen, es geht um Nachrichten und politische Kommentare.

„Nach den Neujahrsferien werden wir ihm vergelten, was er verdient“

In der jüngsten Sendung war neben dem Kriegsberichterstatter Andrei Filatov, der Putins Narrative für den staatlichen Medienkonzerns RT verbreitet, auch Roman Nosikov zu Gast.

Nosikov ist Mitarbeiter des bekannten russischen Duma-Abgeordneten Anatoli Wasserman und ebenfalls ein aktiver Blogger, er ist vor allen Dingen auf Telegram aktiv. Er gilt unter den Kriegsberichterstattern als unbequem – auch, weil er offen andere pro-russische Blogger und Akteure kritisiert. Und genau das hat ihn zur Zielscheibe des Angriffs bei „Aurora“ gemacht. 

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) neben dem RT-Kriegsberichterstatter Andrei Filatov (Archivbild).

Copyright: IMAGO/SNA

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) neben dem RT-Kriegsberichterstatter Andrei Filatov (Archivbild).

Dass Filatov auf sein Gegenüber einprügelt, hat eine Vorgeschichte: Nosikov hatte sich zuvor öffentlich mit Apti Alaudinov angelegt, dem Kommandeur der tschetschenischen „Ahmat“-Einheit. Er ist einer der einflussreichsten russischen Militärführer im Ukraine-Krieg und eng mit Ramsan Kadyrow verbunden.  

Nosikov hat gegen die „Bande aggressiver Blogger“ geschossen, die im Umfeld der „Ahmat“-Einheit aktiv sind. Auch der Duma-Abgeordnete Wasserman forderte Alaudinov dazu auf, dass der unnötige Lärm, den die Blogger verursachten, aufhören soll. Alaudinov reagierte wiederum aggressiv und erklärte, dass der Abgeordnete zwar Immunität genieße – nicht aber sein Mitarbeiter, Nosikov. „Nach den Neujahrsferien werden wir ihm vergelten, was er verdient“, schrieb er.

Hat Filatov die Drohung wahr gemacht?

Und nun, Monate später, schlug dann Filatov im „Aurora“-Studio zu. Viele Russen interpretieren das als die „Einlösung“ dieser Drohung. Aus dem Umfeld von „Ahmat“ kam dann nach dem Studiovorfall ein zynischer Kommentar: „Während Alaudinov mit dem Krieg beschäftigt ist, hat Filatov den Wink verstanden – und hat Nosikov das Gesicht abgewischt.“

Auch auf X wurde eine Szene von der Attacke geteilt, vom ukrainischen Berater und ehemaligen stellvertretenden Minister im Innenministerium, Anton Gerashchenko.

Nach der Sendung erklärte Nosikov, er habe sich gefühlt, als sei er in eine Falle gelockt worden. „Bei Aurora erwartete mich keine Sendung. Ich wurde dort nur aus einem einzigen Grund eindringlich eingeladen – um mich Filatovs Fäusten auszusetzen. Und genau das geschah leider.“ Später entschuldigte sich der Geschäftsführer von „Aurora“ bei Nosikov dafür, die Sendung organisiert zu haben, ohne Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Die Prügel-Szene zeigt, wie tief die Grabenkämpfe innerhalb der pro-russischen Kriegsberichterstatter sind.

Seit dem Beginn von Putins Ukraine-Krieg kämpfen verschiedene Gruppen erbittert um Einfluss, Deutungshoheit und Aufmerksamkeit. Während Filatov fest im staatlichen Mediensystem verankert ist, ist Nosikov eher ein unabhängiger Blogger. Er unterstützt den Krieg zwar grundsätzlich, aber er scheut sich nicht, auch die eigene Seite scharf zu kritisieren. (mg)

Mehrwertsteuer

Steuer-Schock

Wird jetzt alles noch teurer? Zoff um die Mehrwertsteuer