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Wie bei einem IT-KonzernPistorius über Drohnen-Krieg So modern kämpft die Ukraine

Verteidigungsminister Pistorius besucht Ukraine

Copyright: -/Verteidigungsministerium der Ukraine/dpa

Verteidigungsminister Pistorius in einem ukrainischen Gefechtsstand

Pistorius an der Ukraine-Front: So geht Drohnen-Krieg

Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will von der Ukraine lernen, wie man den Krieg mit Drohnen führt. Der SPD-Politiker reiste dafür direkt an die Ostfront des Landes, um sich dort Gefechtsstände anzusehen. Von diesen Orten aus wird der Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren mit Erfolg koordiniert.

„Es kommt auf Tempo an, es kommt auf Produktion an, die fährt bereits hoch“, lautete das Fazit des Ministers im Anschluss an seine Reise. Ihm wurde in den Kommandozentralen in den Regionen um Saporischschja und Dnipro demonstriert, wie unbemannte Fluggeräte zur Erkundung und zum Angriff auf russische Stellungen genutzt werden. Pistorius war sogar in der Lage, aktuelle Operationen live am Bildschirm zu beobachten.

Pistorius im Herzen des Drohnenkriegs

Von einem geheimen Kommandoposten des 475. Sturmregiments aus werden Ziele weit hinter der Frontlinie attackiert. Der Zutritt ist stark eingeschränkt und das Fotografieren absolut tabu. Die Erklärung dafür ist simpel und lebensgefährlich: Der Kommandostand selbst ist ein potenzielles Angriffsziel für den Gegner.

„Von hier werden aktive Einsätze gesteuert. Und aktive Einsätze bedeutet, es werden Russen getötet“, erläuterte Iwan Fedorow, der Leiter der regionalen Militärverwaltung in Saporischschja, die rigorose Geheimhaltung. Im Inneren des Postens sitzen dutzende Militärs vor gewaltigen Monitoren. Darauf laufen in einer Vielzahl kleiner Fenster Live-Übertragungen von Spionage- und Kamikaze-Drohnen. Sie durchsuchen Felder und Waldstücke nach feindlichen Kräften, während über dem Gebiet die bewaffneten Fluggeräte ihre Runden ziehen.

Die Strategie: Eine 20-Kilometer-„Todeszone“

Ein ukrainischer Offizier schildert die Taktik so: „Wir müssen zunächst die feindlichen Drohnenpiloten bekämpfen und in einem zweiten Schritt die Artillerie vernichten. Es geht in einem dritten Schritt darum, eine 20 Kilometer breite Todeszone zu errichten und zu halten, in der sich niemand frei bewegen kann.“

Der Zweck dieser Methode ist es, die feindlichen Positionen derart zu zermürben, dass die eigenen Bodentruppen unter dem Schutz gepanzerter Fahrzeuge vorstoßen können. Diese Vorgehensweise war für die Ukrainer in letzter Zeit zunehmend erfolgreich, nachdem sie im vorherigen Jahr oft zur Defensive gezwungen waren.

Eine wachsende Bedeutung kommt dabei den Drohnen für den „middle strike“ zu. Das sind Attacken in einer Distanz von 20 bis mehr als 100 Kilometern hinter der Kampflinie. Auf diese Weise sollen die russische Versorgung, Kommandostrukturen und die Logistik zerschlagen werden. Die Frontlinie wird dadurch förmlich „aufgeweicht“, wie man dem Minister berichtete.

Kriegsführung wie aus dem Videospiel

Die Experten für diese Aufgabe sind in den Kommandozentralen der 414. Brigade für unbemannte Systeme stationiert, die von Robert „Madyar“ Brovdi geleitet wird. Die Ukraine hat diese Verbände zu einem eigenständigen Truppenteil formiert. Der Erfolg wird durch Punktesysteme und grafische Darstellungen visualisiert, was die Assoziation mit einem Videospiel noch deutlicher macht.

Diese Einheiten sind ein entscheidender Faktor für die jüngsten Erfolge, bei denen russische Truppen zum Rückzug gezwungen wurden. Nach ukrainischen Informationen, die nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden können, steht das Verlustverhältnis bei 40 Russen für jeden getöteten oder verletzten Ukrainer.

Pistorius sieht Wendepunkt: „Russland hat eine Phase der Schwäche“

Für den deutschen Ressortchef, der sich schon zum siebten Mal in der Ukraine aufhält, sind dies deutliche Indizien für einen Umschwung. „Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche, sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch, als auch auf dem Gefechtsfeld“, äußerte Pistorius.

Er ergänzte: „Die Ukrainer machen riesige Fortschritte. Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland werden empfindlicher und hinterlassen Wirkung.“ Das könnte eine Erklärung dafür sein, weshalb der russische Präsident Wladimir Putin unerwartet von einem baldigen Ende des Krieges redet. Pistorius erfuhr die Gefahr am eigenen Leib – während einer Nacht mit wiederholtem Fliegeralarm aufgrund russischer Drohnenattacken.

Sein Resümee der Visite ist die gewaltige Relevanz von Drohnen jeglicher Bauart. Er zeigte sich tief beeindruckt von der technologischen Entwicklung und der Leichtigkeit, mit der die ukrainischen Kräfte modernste Ausrüstung anwenden. „Die Zentralen erinnern bisweilen eher an die Kommandozentralen von großen IT-Unternehmen. Das ist schon sehr, sehr beeindruckend“, konstatierte Pistorius.

Er unterstrich die Geschwindigkeit und die Effektivität, aber auch einen wesentlichen Vorzug: „Wie weit diese Gefechtsführung dazu führt, dass die eigenen Soldatinnen und Soldaten geschützt werden, weil sie nicht mehr immer in die erste Reihe müssen.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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