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Eklat in VenedigMinister bitter: „Bei der Biennale hat Putin gewonnen“

Kunstbiennale 2026 Venedig

Copyright: Felix Hörhager/dpa

2022 und 2024 wurde der Pavillon von Russland nicht genutzt. Nun wird er wieder genutzt - wenn auch unter besonderen Bedingungen.

Biennale-Eklat in Venedig: Streit um Russland und Israel

Venedig im Zoff-Modus! Statt Glanz und Gloria gab's zum Start der 61. Kunstbiennale nur Ärger. Die Türen öffneten sich um 11 Uhr ganz ohne Feierlichkeiten, denn die Teilnahme von Russland und Israel sorgt für mächtig Stunk. Die Jury hat hingeschmissen. Die Folge: Auszeichnungen gibt es erst im November, und zwar vom Publikum selbst.

Aber die Leute wollen es sehen! Trotz – oder vielleicht gerade wegen – des ganzen Theaters war der Ansturm gewaltig. Die Organisatoren meldeten zufrieden: Rund 10.000 Besucher kamen gleich am ersten Tag. Das ist ein Plus von 10 Prozent im Vergleich zur letzten Ausgabe vor zwei Jahren.

Bittere Abrechnung vom Minister: „Putin hat gewonnen“

Italiens Kulturminister Alessandro Giuli rechnet knallhart ab. In der Zeitung „Corriere della Sera“ fällte er ein bitteres Urteil: „Bei der Biennale hat Putin gewonnen“. Eine Ansicht, die nicht jeder teilt. So stattete der rechte Vize-Regierungschef Italiens, Matteo Salvini, am Abend vor dem Start dem russischen Pavillon einen Besuch ab. Er positionierte sich klar neben Biennale-Chef Pietrangelo Buttafuoco und sprach eine Warnung vor Zensur aus.

Kunstbiennale 2026 Venedig

Copyright: Mirco Toniolo / Agf/AGF via ZUMA Press/dpa

Von Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini (links) bekommt Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco (rechts) Zuspruch.

Auch Buttafuoco selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er beklagt eine Atmosphäre der Intoleranz und weist Zensur-Anschuldigungen zurück. Für ihn sei die Biennale kein Tribunal. Er erklärte: „Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört“.

Russen-Pavillon sorgt für Zündstoff

Für Russland, das am Samstag den Sieg im Zweiten Weltkrieg zelebrierte, ist die erste Präsenz seit dem Start der Invasion in die Ukraine ein Triumph. Man betrachtet es als das Ende der kulturellen Ausgrenzung durch den Westen. Etwa 50 vom Kreml auserwählte Kunstschaffende, zu denen Musiker, Dichter und Philosophen zählen, haben an dem Musik- und Performanceprojekt „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“ gearbeitet.

Der Pavillon selbst, der dem russischen Staat gehört, bleibt für die Öffentlichkeit zwar zu. Doch die Installation können Besucher draußen auf einer großen Leinwand verfolgen. Laut der kontroversen Kuratorin Anastassija Karnejewa sei dies von Beginn an der Plan gewesen. Ein Detail mit Sprengkraft: Sie ist die Tochter eines Rüstungsmanagers, der für den Staatskonzern Rostec arbeitet und den Rang eines Geheimdienstgenerals innehat.

Ukraine schlägt Alarm: „Hybride Kriegsführung“

Die Gegenseite sieht das komplett anders. Kritiker brandmarken die russische Kultur-Aktion als einen Baustein in Moskaus „hybrider Kriegsführung“. Nadja Tolokonnikowa, das Gesicht der in Russland illegalen Punkband Pussy Riot, wirft vor: Während Russland mordet, würde die Biennale ihre Pforten für Funktionäre und Propagandisten von Kreml-Herrscher Wladimir Putin öffnen. Proteste gab es auch am Eröffnungstag selbst. Auf einem Video der Agentur Ansa aus Venedig ist zu sehen, wie Aktivisten mit ukrainischen sowie europäischen Fahnen „russische Mörder“ rufen.

Die Ukraine erhebt offiziell Einspruch gegen die Wiederkehr Russlands zur Biennale. Der Grund ist bitter: Laut offiziellen Angaben aus Kiew sind durch den Moskauer Angriffskrieg inzwischen Tausende von Kulturdenkmälern sowie weitere kulturelle Stätten vernichtet oder in Mitleidenschaft gezogen worden. Das vom Krieg gezeichnete Land präsentiert in Venedig das Projekt „Sicherheitsgarantien“. Dafür hat die Künstlerin Schanna Kadyrowa aus der Ukraine ihre Skulptur „Origami-Hirsch“ aus Papier neu erschaffen. Das Original-Kunstwerk konnte 2024 aus dem Chaos des Krieges in der Stadt Pokrowsk (Region Donezk) gerettet werden.

Auch Israel im Fokus: Künstler „völlig isoliert“

Und was ist mit Israel? Die zurückgetretene Jury hatte immerhin vor, das Land zusammen mit Russland von den Auszeichnungen auszuschließen. Der rumänisch-israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru sagte der Zeitung „Welt“, dass er über diesen Rücktritt froh sei. Der Künstler, der den israelischen Pavillon gestaltet hat, berichtete jedoch, er fühle sich in Venedig „völlig isoliert“. Er fügte hinzu: „Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion.“

Kunstbiennale 2026 - Israelischer Pavillon

Copyright: Luca Bruno/AP/dpa

Auch der Umgang mit Israel wurde zum Streitpunkt.

Trotzdem mobilisiert die Anwesenheit Israels Demonstranten: Am Freitagabend versammelten sich in Venedig circa 2.000 Personen auf den Straßen. Die Polizei setzte Schilder und Schlagstöcke ein, um die Menge zurückzudrängen. Italienische Medien meldeten, dass am Freitag 20 nationale Pavillons ihre Türen geschlossen hielten, da die Belegschaft aus Protest gegen die Teilnahme Israels streikte. Für Pressevertreter sowie Fachbesucher war die Kunstschau schon einige Tage vor dem offiziellen Start geöffnet.

Tragische Schicksale überschatten die Kunstschau

Aber nicht nur die politischen Auseinandersetzungen werfen einen Schatten auf die Biennale, sondern auch tragische Todesfälle. Im vergangenen Jahr verstarb die Kuratorin der Schau, Koyo Kouoh, im Alter von 57 Jahren an einer Krebserkrankung. Im Februar verlor auch die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die für Deutschland antreten sollte, mit nur 41 Jahren den Kampf gegen den Krebs. Dennoch wurde der Pavillon Deutschlands nach den Konzepten von Naumann und der deutsch-vietnamesischen Künstlerin Sung Tieu realisiert.

Kuratorin Kathleen Reinhardt erläuterte, dass man mit den beiden Künstlerinnen zum ersten Mal ostdeutsche und ostdeutsch-migrantische Perspektiven mit dieser Intensität und Deutlichkeit im Pavillon präsentiere. Tieu verhüllt den Bau aus dem Jahr 1938 – „die faschistische Architektur, an der sich ja schon sehr viele abgearbeitet haben“ – mit der Abbildung eines Berliner Plattenbaus. Dort hatte sie in den 1990er-Jahren als Kind gewohnt. Für diese Verwandlung kamen über drei Millionen Mosaiksteinchen zum Einsatz. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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