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Forscher mit KlartextDarum sind wir wirklich so oft krank – es ist nicht die eAU

Grippe (Symbolbild)

Copyright: Bernd Weißbrod/dpa

Das DIW geht davon aus, dass ein Teil der Beschäftigten wegen ansteckender Krankheiten heute eher zu Hause bleibt als früher. (Symbolfoto)

Krankenstand so hoch wie nie: Das sind die wahren Gründe

Die Zahl der Krankmeldungen in der Bundesrepublik schießt in die Höhe, und häufig wird die digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dafür verantwortlich gemacht. Doch Experten vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) präsentieren nun eine andere Sichtweise. Ihrer Analyse zufolge sind zwei ganz andere Ursachen von größerer Bedeutung.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: Seit dem Jahr 2022 erreichen die Ausfallzeiten ein Rekordniveau. Für 2024 meldete das Statistische Bundesamt im Durchschnitt 14,8 Krankheitstage pro Kopf, was fast drei vollen Arbeitswochen gleichkommt. Das ist ein Anstieg von 3,6 Tagen im Vergleich zur Zeit vor der digitalen Krankmeldung. Die bisherige Annahme von Ämtern und Krankenkassen war, dass die eAU nur zu einer besseren Erfassung kurzer Ausfälle führt – also ein reiner Statistik-Effekt.

Neue DIW-Analyse: Was wirklich hinter den Fehltagen steckt

Dieser These tritt das DIW nun jedoch energisch entgegen. Die Basis für die neue Einschätzung liefern die eigene Langzeitbefragung des Instituts, bekannt als Sozio-oekonomisches Panel, sowie Auswertungen von AOK-Diagnosedaten. Das Resultat stellt die bisherige Interpretation komplett infrage.

Studienautor Markus Grabka bringt es auf den Punkt: „Der sprunghafte Anstieg an Fehltagen erklärte sich demnach vor allem aus dem häufigeren Auftreten von Atemwegserkrankungen“. Doch das ist nur ein Teil der Erklärung. „Gleichzeitig hat sich nach der Corona-Pandemie wohl das Verhalten im Krankheitsfall geändert.“

Corona-Effekt: Mehr Vorsicht bei ansteckenden Krankheiten

Die Corona-Jahre haben anscheinend ein Umdenken bewirkt. Aus der Untersuchung geht hervor: Bei ansteckenden Leiden entscheiden sich heute mehr Leute dafür, zu Hause zu bleiben, als es früher der Fall war. Vor allem ältere Angestellte und Personen, die sich ohnehin viele Gedanken um ihre Gesundheit machen, zeigen dieses veränderte Verhalten.

Um die hohe Zahl an Fehltagen zu reduzieren, unterbreitet das DIW einen bemerkenswerten Vorschlag: die Einführung der sogenannten Teilkrankschreibung. Mit diesem Konzept wäre es Angestellten mit milden Krankheitssymptomen gestattet, in einem gewissen Rahmen weiterzuarbeiten, anstatt sich komplett arbeitsunfähig melden zu müssen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Hildegard Müller

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