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+++ Rosenmontag in Kölle +++ Alle Infos live Üble Aussichten! Zugleitung trifft wichtige Entscheidung

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Prinz Niklas I. kann nicht anders„Ich muss immer wieder weinen“

Aktualisiert

Das Wetter meinte es nicht immer gut mit den 11.500 Teilnehmenden beim Kölner Rosenmontagszug. Immer wieder standen die Jecken im Regen. Der Zoch punktete mit bissigen Motiven.

Es war sein absoluter Lebenstraum. Einmal als Prinz Karneval durch Köln zu fahren – nichts hatte sich Niklas Jüngling sehnlicher gewünscht. Um 15.14 Uhr war es so weit. Da fuhr Prinz Niklas I. durch den Konfettiregen an der Severinstorburg.

Der letzte große Moment wurde noch zu einer Geduldsprobe. Weil der Zoch stockte, musste der 33-Jährige eine Viertelstunde vor der Durchfahrt warten. Immer wieder flossen bei ihm die Tränen. Glücklich nahm er Prinzenführer Marcus Heller und Adjutant Michael Palm in den Arm.

Prinz Niklas I.: „Seit Samstag muss ich immer wieder weinen“

„Seit Samstag muss ich immer wieder weinen. Nicht, weil ich traurig bin, weil es vorbei ist. Es ist einfach ein totaler Gefühls-Overkill“, sagte Niklas zu EXPRESS.de. „Ich freue mich so, denke aber nicht, dass ich im Hellen im Ziel ankomme.“

Wenige Minuten zuvor waren auch schon Bauer Clemens und Jungfrau Aenne auf die Strecke gegangen. Das Kölner Dreigestirn krönte seine tolle Session mit der umjubelten Fahrt durch die Stadt. Und das Wetter meinte es verhältnismäßig gut mit den Tollitäten.

Blaue Funken grüßen Christoph Kuckelkorn.

Copyright: Daniela Decker

Die Blauen Funken stoppten den Zug kurz hinter der Severinstorburg, um Christoph Kuckelkorn zu grüßen.

Was hat Petrus mit den Kölschen vor? Immer wieder ging am Montag (16. Februar 2026) ein banger Blick zum Himmel. Denn das Wetter fuhr mit den Jecken Achterbahn. Schneefall am Sonntagabend, Regen am Montagmorgen. Mal schaute das Sönnchen raus, dann kam wieder ein kräftiger Schauer.

Da der Wind zwischenzeitlich stärker wurde, wurden erste Planen an Bauzäunen und Absperrgittern vorsorglich zusammengerollt. Probleme bereitete eine Bimmelbahn der Luftflotte, die in der Schildergasse den Dienst versagte. Sie wurde Richtung Neumarkt geschoben und ausgetauscht.

Die Präsidenten der Traditionskorps gratulierten Björn Griesemann.

Copyright: Daniela Decker

Blaue-Funken-Präsident Björn Griesemann (2.v.r.) wurde zum 50. Geburtstag gratuliert: Markus Simonian (Treuer Husar), Markus Wallpott (Bürgergarde), Dirk Wissmann (Rote Funken), Björn Braun (Altstädter) und Michael Gerhold (Nippeser Bürgerwehr, v.l.) gratulierten.

Der Traktor der Schwazze Kääls gab den Geist auf. Auch ein Wagen vom Kölsche Huhadel verursachte Probleme und sorgte zwischenzeitlich für ein Loch im Zoch. Schließlich stockte auch der Wagen der Goldenen Jungs. Immer wieder gab es etwas Stillstand. Aber nach gut viereinhalb Stunden waren die ersten Wagen im Ziel.

Für Zugleiter Marc Michelske hatte der Tag bereits um 3 Uhr nachts begonnen. Am Tag zuvor hatte er noch ein Kerzchen im Dom aufgestellt. „Die Freude ist riesengroß, die Aufregung hält sich in Grenzen“, sagte er zu EXPRESS.de. Zwei Trecker wollten aufgrund der Kälte nicht anspringen und benötigten Starthilfe.

Volker Weininger auf dem Wagen der Roten Funken.

Copyright: Daniela Decker

Volker Weininger (r.) feierte den Zoch bei den Roten Funken.

Aber ansonsten lief alles glatt. Bis zur letzten Sekunde hatte Michelske einen Überraschungswagen geheim gehalten. „Mer dun et für den Gottesstaat“, lautete das Motto. Es zeigte Irans Religionsführer Ali Chamenei, der blutrünstig seinem Volk sogar den Kopf abbeißt. An den Händen des Regimes klebt das Blut mutiger Demonstrantinnen und Demonstranten, die für Selbstbestimmung und Würde auf die Straße gehen.

Christoph Kuckelkorn auf seinem Festwagen.

Copyright: Daniela Decker

Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn (r.) bei seinem letzten Zoch in verantwortlicher Position.

„Der Wagen ist aus dem Thema ‚Die Revolution frisst ihre Kinder‘ entstanden. Chamenei wird bald kein Volk mehr haben, das er regieren kann, wenn er es weiter so auf den Straßen abschlachtet. Die Welt schaut leider nicht so auf den Iran, daher wollten wir das mit diesem Wagen tun“, sagte Michelske.

Der Kölner Rosenmontagszug zeigte sich bissig wie lange nicht mehr. US-Präsident Trump war zu sehen, dessen Gesäß mit Küssen etwa von „Merz“, „Macron“ und „NATO“ übersät war. Auf einem anderen Wagen sah man eine blaue AfD-Schlange, die im Stil der Python Kaa aus dem „Dschungelbuch“ einen deutschen Michel umschlingt.

Lutz Schade mit Martin Schopps.

Copyright: Daniela Decker

Festkomitee-Vizepräsident Lutz Schade (l.) neben dem Närrischer-Oscar-Gewinner Martin Schopps.

Kanzler Friedrich Merz lieferte ein Motiv, bei dem er sich mit seinem Vize Lars Klingbeil wie im Sado-Maso-Club versohlt. „Wir haben 21 Persiflagen und vielleicht zwei, die nicht ganz zu einem Familienfest passen. Aber zweimal dürfen wir auch mal überspitzen“, sagte der Zugleiter.

Im letzten Moment hatte er auch noch den ukrainischen Hilfsverein Blau-Gelbes Kreuz einladen können. Die Fußgruppe zeigte frühere Satiremotive von Jacques Tilly und der Kölner Kritzelköpp auf Schildern. Damit sollten die karnevalistische Meinungsfreiheit und die Verbundenheit mit Jacques Tilly, der wegen seiner satirischen Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug in Russland angeklagt wurde, ausgedrückt werden.

Geheimwagen zum Thema Iran im Rosenmontagszug.

Copyright: Daniela Decker

Der Geheimwagen „Freiheit für Iran“ war bis zuletzt vom Festkomitee versteckt worden.

Direkt dahinter fuhr Christoph Kuckelkorn mit seinem Wagen. „Mer all sin Tilly“ lautete die Aussage an seinem Wagen. „Was ihm da widerfahren ist, ist unsagbar, für uns nicht aushaltbar, und da ist natürlich auch ganz klar, dass wir zusammenstehen wie eine Wand“, sagte Kuckelkorn.

Ingrid Kühne neben Joachim Wüst.

Copyright: Daniela Decker

Ingrid Kühne zusammen mit dem Präsidenten der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft, Joachim Wüst.

Die Blauen Funken hatten auch noch eine Überraschung für den scheidenden Festkomitee-Präsidenten. Sechs Funken stellten sich an der Severinstorburg mit einem Banner und der Aufschrift „Chris, mer freuen uns op Dich“ in den Weg. Dazu gab es Konfettiregen in Blau.

Für einen weiteren Blauen Funk lief der Rosenmontag ganz besonders ab. Präsident Björn Griesemann feierte seinen 50. Geburtstag. Um 7.30 Uhr wurde er bereits musikalisch geweckt. Zudem gab es für ihn ein Ständchen durch seine Lieblingsband Bohei. Außerdem bekam er die „Schlofmütz“ verliehen. Die Präsidenten der Traditionskorps kamen zum Gratulieren.

Sven Welter auf einem Wagen.

Copyright: Daniela Decker

Sven Welter von den Paveiern war bei der Luftflotte an Bord.

Bei den Blauen Funken erlebte Redner Martin Schopps das Zoch-Spektakel neben Festkomitee-Vize Lutz Schade. Direkt dahinter hatte Zugleiter Michelske DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig, Rapper Mo-Torres, Schauspielerin Liz Baffoe und Schauspieler Max von der Groeben an Bord. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul war dabei.

Marita Köllner bei den Roten Funken.

Copyright: Daniela Decker

Marita Köllner erlebte den Zoch ebenfalls bei den Roten Funken.

Ingrid Kühne, die letztmals im Karneval aufgetreten war, erlebte den Zoch neben Joachim Wüst vom Wagen der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft. Paveier-Frontmann Sven Welter stand bei der Luftflotte auf dem Wagen. „Sitzungspräsident“ Volker Weininger bei den Roten Funken.

Die Band Kasalla im Rosenmontagszug.

Copyright: Daniela Decker

Die Band Kasalla feierte ihr 15. Jubiläum auf einem Doppeldecker-Bus. Die Musiker hatten sich passend zu ihren Songs verkleidet.

Auch Marita Köllner, die Siegerin beim Närrischen Oscar, erlebte den Zoch auf dem Wagen der Roten Funken. Voller Rührung flossen bei der Sängerin die Tränen. 300 Tonnen Süßigkeiten und etwa 300.000 Strüßjer wurden von den 11.500 Teilnehmenden verteilt.

Torsten Burmester geht beim Zoch mit.

Copyright: Daniela Decker

Oberbürgermeister Torsten Burmester ging mit den Gewinnern des Goldenen Lappenclowns von den Schull- un Veedelszöch auf die Strecke.

Auch mit im Zoch war die Band Kasalla, die 15. Jubiläum feiert. Die Musiker und ihre Crew trugen Kostüme, die jeweils einen Song darstellen sollten. Sänger Bastian Campmann fuhr passend zum Song „Jröne Papajeie“ verkleidet mit. Selbst ein Foto ihres vor einem Jahr verstorbenen Technikers Tom war mit an Bord.

Jungfrau Aenne und Bauer Clemens auf ihrem Wagen.

Copyright: Daniela Decker

Jungfrau Aenne und Bauer Clemens vor dem großen Moment.

Besonders farbenfroh, musikalisch und artistisch präsentierte sich der Circus Roncalli zum 50. Jubiläum. Auf dem Musikwagen sorgten schließlich Chanterella, Stadtjeföhl und Rotznas für fröhliche Stimmung.

Am Dienstagabend ist die Mission für Prinz Niklas, Bauer Clemens und Jungfrau Aenne beendet. Dann müssen sie ihre Insignien wieder an Oberbürgermeister Torsten Burmester zurückgeben.

Bild des neuen Kölner Sessionsmottos.

„Arsch huh und anpacken“

Geheimnis um Sessionsmotto für 2027 gelüftet