Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Nun ist die Warenhauskette Galeria schon wieder in finanzielle Not geraten.
Schon wieder InsolvenzKölns OB: „Sehr schlechte Nachricht“

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Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beantragt. Für Kölns OB Torsten Brumester eine „sehr schlechte Nachricht“. (Archivbild)
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Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.
Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, erklärte Galeria in einer Mitteilung. Zu den Hintergründen machte das Unternehmen auf Nachfrage zunächst keine weiteren Angaben.
Kölns OB über erneute Insolvenz: „Sehr schlechte Nachricht“
Die rund 12.000 Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob sie Insolvenzgeld erhalten und ob beziehungsweise welche Standorte schließen müssen, ist bislang unklar.
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester erklärt: „Die erneute Insolvenz von Galeria ist eine sehr schlechte Nachricht – vor allem für die Beschäftigten und ihre Familien, die nun schon wieder um ihre Zukunft bangen müssen. Ihnen gilt meine größte Sorge.“ Galeria und insbesondere der Kaufhof gehörten seit Generationen zu Köln. „Deshalb haben wir als Stadt ein großes Interesse daran, dass es für die Kölner Häuser eine tragfähige Perspektive gibt.“
Man müsse nach inzwischen vier Insolvenzen in nur sechs Jahren „sehr deutlich“ fragen, wie nachhaltig die bisherigen Sanierungskonzepte tatsächlich waren, so Burmester weiter. „Beschäftigte, Städte und auch die Öffentlichkeit brauchen jetzt mehr als kurzfristige Rettungsversprechen. Sie brauchen Klarheit und ein überzeugendes Konzept, das dauerhaft trägt.“
„Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet“
Gegenüber EXPRESS.de äußert sich Silke Zimmer, für den Handel zuständiges Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi): „Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet: Galeria hat heute das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von nur sechs Jahren eröffnet, ganz ohne eine Erklärung zu den Umständen. Das bedeutet eine völlige Ungewissheit für die 12.000 Kolleginnen und Kollegen in den 83 verbliebenen Filialen.“
Weiter heißt es: „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Es braucht jetzt eine schnelle Aufklärung, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergeht. Eine Einbeziehung der Beschäftigten und des Gesamtbetriebsrates ist unumgänglich. Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen!“
Vierter Insolvenzantrag für Galeria
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen.
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa.
Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte seinen Sitz von Essen nach Düsseldorf.
Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen
Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.
Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Darunter auch die Kölner Filialen: Breite Straße, Hohe Straße und Nippes. Für NRW stehen auch die Filialen in Euskirchen, Kleve, Mülheim (Rhein-Ruhr-Zentrum) und Münster (Salzstraße) auf der Liste.
Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus.
In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. (dpa/mg/mt)

