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Krieg dauert länger als Erster WeltkriegEs wird immer deutlicher: Die Uhr tickt gegen Putin

Der Krieg von Wladimir Putin in der Ukraine (hier ist er am 5. Juni in St. Petersburg zu sehen) dauert bereits länger als damals der Erste Weltkrieg.

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Der Krieg von Russlands Präsident Wladimir Putin in der Ukraine (hier ist er am 5. Juni in St. Petersburg zu sehen) dauert bereits länger als damals der Erste Weltkrieg.

Der russische Angriffskrieg dauert nun länger als der Erste Weltkrieg. Geländegewinne schrumpfen, die Heimatfront gerät unter Beschuss – und Russland gehen die Optionen aus.

1569 Tage. So lange dauert Russlands Invasion in der Ukraine schon an. Wladimir Putin hatte geglaubt, das Land würde in wenigen Tagen fallen. Stattdessen hat sein Krieg nun die Dauer des Ersten Weltkriegs überschritten. 

Die Ukraine hat noch nicht gewonnen. Russland ist ebenfalls nicht zusammengebrochen. Aber die Lage entwickelt sich in eine Richtung, die für Moskau zunehmend unbequem wird.

Die Zeit arbeitet gegen Putin

Russland setzte anfangs auf Schnelligkeit, nicht auf Geduld. Dass der Krieg jetzt länger dauert als der Erste Weltkrieg, zeigt, wie weit sich die Realität vom ursprünglichen Plan entfernt hat.

Zwar galt eine längere Dauer gemeinhin als Vorteil für Putin – Russland hat eine größere Bevölkerung, eine höhere Leidensbereitschaft, ein größeres Waffenarsenal, hieß es. Doch dieses Bild trügt.

Die Zeit hat der Ukraine erlaubt, sich anzupassen: Sie hat ihre Versorgungsketten und den Drohneneinsatz verfeinert und eine Produktion eigener Langstreckenraketen aufgebaut. Jedes weitere Kriegsjahr, so urteilt das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW), arbeitet gegen Putins Narrative und zeigt stattdessen immer mehr sein Versagen auf, den kleineren Nachbarn schnell zu besiegen.

Kaum noch Geländegewinne

Eine weitere Tatsache, die gegen Putin spricht: Laut einer ISW-Analyse vom 1. Juni haben russische Kräfte in der Ukraine zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 rund 41 Quadratkilometer unter Kontrolle gebracht – verloren aber gleichzeitig die Kontrolle über etwa 281 Quadratkilometer. Im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor hatte Russland noch rund 516 Quadratkilometer gewonnen. 

Die ukrainische Beobachtungsgruppe DeepState bewertete den Mai als ersten Monat mit einem netto rückläufigen russischen Vormarsch seit 2023. Der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj erklärte, ukrainische Kräfte hätten im Mai fast 100 Quadratkilometer mehr zurückgewonnen als verloren und seit Beginn des Jahres 2026 insgesamt mehr als 600 Quadratkilometer gewonnen. Das Bild ist für Moskau ernüchternd: Putin kann töten und zerstören – aber es gelingt ihm nicht, die Landkarte zu seinen Gunsten zu verändern. 

Putins Heimat wird zur Zielscheibe

Ukrainische Angriffe treffen zunehmend Ziele tief im russischen Hinterland. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ukrainische Flamingo-Raketen hätten eine Anlage in Tscheboksary getroffen – mehr als 900 Kilometer von der Front entfernt. Weitere Angriffe richteten sich gegen Ziele rund 700 Kilometer von der Front entfernt.

Das russische Hinterland wird unberechenbarer und gefährlicher – und der Krieg wird nun auch im Alltag der Russen sichtbar. Putins Krieg funktionierte bislang vor allen Dingen so: Die Ukraine soll unter permanenter Bedrohung leben, während Russland selbst abgeschirmt bleibt. Das hat sich geändert. 

Landverbindung zur Krim wird zur Falle

Die von Russland aufgebaute Landverbindung zur Krim gerät immer weiter unter Druck. Ukrainische Drohneneinheiten haben die Feuerkontrolle über die Straße etabliert und greifen russische Militärfahrzeuge an.

Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, erklärte, der militärische Frachtverkehr auf der Strecke sei innerhalb von zwei Wochen um 71 Prozent zurückgegangen. Unabhängig überprüfen lässt sich die Zahl nicht. 

Russland gehen die Optionen aus

Ein weiteres Warnsignal für Putin: sein Personal. Die britische Regierung erklärte am 3. Juni laut „Newsweek“ unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse, seit Beginn der Invasion seien fast 500.000 russische Soldaten getötet worden. Die monatlichen Verluste seien weiterhin extrem hoch und die Geländegewinne stark zurückgegangen. Das ohnehin langsame Vormarschtempo habe sich noch einmal halbiert.

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass schwer verwundete russische Soldaten an die Front zurückgeschickt werden – darunter Männer mit schweren Kopfverletzungen, Sehschäden, Knochenbrüchen. Der Analyst Dmitri Kusnez schrieb für „Carnegie Politika“, Russland rekrutiere seit zwei Jahren monatlich 30.000 bis 40.000 Vertragssoldaten, doch die Rekrutierung werde stetig teurer und der Pool an Männern, die für Geld in den Krieg ziehen wollen, schrumpfe. 

Wenn Russland immer mehr Männer für immer weniger Land braucht, das eingenommen werden kann, sein Hinterland zum Ziel wird und seine Landverbindung zur Krim zur Belastung, dann wird der Krieg immer teurer. Putin kann den Krieg fortsetzen. Die Frage ist, wie lange er sich noch als starken Anführer darstellen kann, während das  Ausmaß seines Scheiterns immer offensichtlicher wird. (mg)

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