Sänger Rea Garvey hat uns verraten, warum er sich in seine Frau verliebte, ohne sie jemals gesehen zu haben und ob er auch heute noch mal über die Stränge schlägt.
Rea Garvey„Wer denkt, dass er Frauen versteht, kapiert gar nichts“

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Rea Garvey ist bekannt für seine schrillen Outfits. Die sind entweder maßgeschneidert von Designern – oder Vintage-Stücke.

Er ist wohl Irlands größter Exportschlager (53): Rea Garvey. Er singt, mischt in erfolgreichen TV-Shows mit. Und wenn er in der Jury sitzt, ist immer Spaß angesagt.
Jetzt hat der Sänger sich für die ZDF-Serie „Song Trip“ nach Sápmi in den hohen Norden begeben, um mit dem indigenen Volk der Sámi seinen Hit „Halo“ zu interpretieren (24. Juli, 23.30 Uhr, jetzt schon im Stream). Keine Frage: Das einfache Leben liegt dem Mann, der schon als kleiner Junge lernte, dass Geld nicht alles ist.
Rea Garvey fing in Deutschland als Roadie an
Sie sind vor 25 Jahren nach Deutschland gezogen, haben als Roadie und T-Shirt-Verkäufer gearbeitet, weil sie sich so in das Land verliebt hatten. Ist das auch heute noch so?
Rea Garvey: Absolut. Angekommen bin ich am Bodensee, also wirklich auf dem platten Land, heute lebe ich in Berlin. Ich fühle mich zu Hause hier. Aber ich sehe mich trotzdem als Gast und verhalte mich so. Ich habe mir Mühe gegeben, um die Sprache zu lernen. Erstens, weil ich gerne rede und zweitens, weil das mehr Türen aufmacht, gerade in den Anfängen am Bodensee, wo noch wenig Menschen Englisch gesprochen haben. Ich habe mir über die Jahre einen großen Freundeskreis in Deutschland aufgebaut und meine Familie ist hier, also es ist schon Heimat für mich.
Ihre Ehefrau Josephine inspirierte Sie zum Song „Supergirl“. Stimmt es, dass Sie sich am Telefon in Ihre Stimme verliebt haben?
Rea Garvey: Ja, ich war nach dem Telefonat superneugierig, wer so eine sexy Stimme haben könnte, das war so Pre-Social-Media-Zeit. Da musste man sich dann halt treffen. Und jetzt sind wir über 25 Jahre zusammen. Ich liebe sie. Ich bin von ihr immer begeistert. Ich respektiere sie. Ich finde sie wunderhübsch. Sexy. Witzig. Sie füllt alles aus, was meine Vorstellung von einem Supergirl ausmacht.
Sie ist auch Ihre Managerin. Kann Ihre Frau besser mit Geld umgehen als Sie?
Rea Garvey: Das glaube ich auf jeden Fall. Ich komme aus einer Familie mit acht Kindern. Wir hatten nie Geld. Deswegen hat es kaum eine Rolle in unserem Leben gespielt. Mein Vater hat immer gesagt, du kannst es nicht essen, du kannst es nicht trinken. Also hat es nicht so viel Wert. Und trotzdem ist es halt schon das, was man nutzt, um Dinge zu erreichen und wie man lebt ... Ich wusste von Tag eins, dass Josephine eine viel bessere Managerin ist als ich.

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Rea und Josephine Garvey mit Tochter Amor bei der Bambi-Verleihung 2025.
Apropos Familie. Sie sind mit sieben Schwestern aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt? Sind Sie ein Frauenversteher?
Rea Garvey: Ich glaube, derjenige, der denkt, dass er Frauen versteht, versteht gar nichts, ehrlich gesagt. Weil jede Frau anders ist . Ich habe sieben tolle Schwestern, die mich wirklich geprägt haben, auf jeden Fall. Der erste Schritt war, dass wir gleich waren. Equality ist für mich normal. Leider ist das in der Welt ist nicht so. Ich arbeite mit sehr vielen Frauen, denn ich will immer mit den Besten arbeiten – und das entscheidet sich nicht nach dem Geschlecht.
Wenn wir uns einen Iren vorstellen, denken wir an Pubs, Guinness, Whisky. Schlagen Sie gern über die Stränge?
Rea Garvey: Das fragen Sie als Kölnerin? (lacht). Ich finde, man muss das Leben feiern und ich glaube, das können wir Iren besser als die meisten. Ich mag total gerne jede Art von Geselligkeit, ob am Grill mit ein paar Bierchen zu sitzen, mit meiner Familie in Irland, mit Freunden im Urlaub ... Aber: Ich bin trotzdem jemand, der ehrgeizig ist, der was erreichen will mit seiner Musik. Aber wenn ich das erreicht habe, dann will ich das auch feiern. Sonst verstehe ich nicht das Ziel.
Für „Song-Trip“ hat es Sie nach Lappland verschlagen. Was fasziniert Sie an den Ureinwohnern Skandinaviens?
Rea Garvey: Bewundert und geliebt habe ich die Koexistenz der Menschen mit der Natur, wie sie ihre Kultur leben und nicht nur präsentieren. Ihre Tracht tragen sie täglich, ihre Beziehung zum Rentier ist so intensiv. Sie essen, was sie selber geerntet haben. Und als Sänger gefangen hat mich das Jeuchen, das ist eine schwer beeindruckende Gesangart. Ich habe es mit einem Coach geübt, aber es wäre natürlich überheblich zu denken, dass man das Jeuchen in ein paar Tagen lernen könnte.

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Rea Garvey und Hildá Ländsman performen in Lappland ihre „Song Trip“- Version von „Halo“ auf einem Berg.
Im Winter geht's wieder auf Tournee. Leiden Sie eigentlich immer noch unter Tinnitus?
Rea Garvey: Der Tinnitus ist immer dabei. Aber ich kann gut damit leben nach so vielen Jahren. Es wird wieder eine Christmas Calling Tour. Christmas ist immer ein Mittelpunkt in meinem Leben. Ich feiere das total, ich liebe Weihnachten, das ist absolut meine Zeit. Ich habe eine tolle Kindheit gehabt. Weihnachten war immer das Schönste, obwohl wir nicht viel Geld hatten. Trotzdem war es eine Zeit, wo alles geglänzt hat.
Bleiben wir noch mal bei den Kindern. Auch Ihre Tochter ist Sängerin. Freut Sie das?
Rea Garvey: Natürlich. Aber sie ist erst 20, sie kann alles machen, was sie will und muss sich nicht festlegen, bis das Gefühl da ist, dass es das Richtige ist. Man muss seine Passion finden und dem Weg folgen, auch wenn er steinig und schwer ist. Nur dann hältst du durch. Und sie ist in dieser Findungsphase. Vielleicht will sie ja auch erst mal studieren. Ein Studium kann ich jedem empfehlen, um sich selbst kennenzulernen. Ich habe als Student so viele Fehler gemacht und war froh, dass ich die alle hinter mir hatte, als ich richtig losgelegt habe.
Kann so ein Knuddelbär wie Sie eigentlich auch ein richtiger Miesepeter sein?
Rea Garvey: Oh mein Gott, ja. Ich habe auch bad days, gar keine Frage. Manchmal bist du einfach schlecht gelaunt, willst nicht unter Menschen sein. Und das muss man rechtzeitig erkennen und sich zurückziehen. Sonst entsteht ein schlechter Tag und du bist vielleicht ungerecht oder verletzend. Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Erst denken, dann sprechen!‘ Ich habe ein Lied darüber geschrieben, das heißt ‚Sorry Days‘. Nicht jeder verzeiht dir einen unbedachten Spruch, aber auch damit muss man leben können.

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Mit der Band „Reamonn“ und dem Hit „Supergirl“ feierte Rea Garvey (Mitte) 2000 seinen Durchbruch in Deutschland. Das Foto zeigt die Band 2008 in Hamburg.
Sie sind für Ihr soziales Engagement bekannt – z. B. in der Ukraine. Das geht weit über Geldspenden hinaus, oder?
Rea Garvey: Ja, ich bin erst im März wieder in der Ukraine gewesen. Wir haben zwei Waisenhäuser, die wir versorgen, im Süden und Südosten und in Kiew haben wir ein Haus für traumatisierte Kinder gebaut dank der Unterstützung durch viele Organisationen. Wenn es um Kinder geht, muss man über seine Grenzen springen. Meine Stärke ist es, Wege zu bauen, Menschen zu vernetzen und Dinge umzusetzen. Dass das klappt, ist der wichtigste Erfolg in meinem Leben. Ich bin wahnsinnig stolz auf unsere Stiftung. Mein Vater ist da mein großes Vorbild. Der hat das sein Leben lang gemacht.
„The Voice of Germany“ oder „The Masked Singer“? Welches Projekt macht Ihnen als Juror mehr Spaß?
Rea Garvey: Ich mag beide, super Shows, aber komplett anders. „The Voice“ macht mir gerade unheimlich viel Spaß. Ich habe ewig lang nicht die „Masked Singer“ gemacht, aber vielleicht mache ich das noch mal irgendwann in der Zukunft. I don’t know.
Sozial engagiert seit mehr als 20 Jahren
Rea Garvey (Raymond Michael Garvey, geboren am 3. Mai 1973 in Tralee) ist ein irischer Sänger, Songwriter und Gitarrist. Er wuchs zusammen mit sieben Schwestern in einer streng katholischen Polizistenfamilie auf. Nach seiner Schulzeit zog er Ende der 90er Jahre nach Deutschland und gründete die Band Reamonn, die mit dem Hit „Supergirl“ über Nacht berühmt wurde. 2010 löste die Band sich auf und Garvey startete eine erfolgreiche Solokarriere.
Einem breiten Publikum ist Garvey auch durch seine Auftritte im deutschen TV bekannt. Er ist fester Bestandteil von Musikformaten wie „The Voice of Germany“, war auch Juror bei „The Masked Singer“. Der Ire ist seit über zwei Jahrzehnten sozial aktiv: 2001 gründete er die Stiftung „Saving an Angel“. Garvey ist mit seiner Managerin Josephine verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Berlin.
