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Der Blick von obenWarum es fast unerträglich ist, diese Fotos anzusehen

Dieses am 7. April 2026 von der NASA veröffentlichte Bild zeigt die Erde, wie sie sich dem Mond nähert, um hinter ihm zu verschwinden – etwa sechs Minuten vor dem „Earthset“, dem Erduntergang.

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Dieses am 7. April 2026 von der NASA veröffentlichte Bild zeigt die Erde, wie sie sich dem Mond nähert, um hinter ihm zu verschwinden – etwa sechs Minuten vor dem „Earthset“, dem Erduntergang.

Aktualisiert:

Während die Mächtigen dieser Erde Kriege führen, schwebt die „Artemis-2“-Crew lautlos hinter dem Mond entlang. Die Gleichzeitigkeit der Dinge kann manchmal schwer erträglich sein, findet unser Autor.

Es gibt Momente, in denen sich die Geschichte einen schlechten Witz erlaubt. Dieser Tage ist so ein Moment.

Auf der einen Seite: Donald Trump. Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der seinen Krieg im Iran fortsetzt. Er schwafelt vom Untergang einer „ganzen Zivilisation“ und droht offen mit Kriegsverbrechen. Die Mullahs sollen zittern. 

„Erduntergang“, das klingt bedrohlich

Auf der anderen Seite – im wahrsten Sinne des Wortes auf der anderen Seite: vier Astronautinnen und Astronauten der NASA-Mission „Artemis 2“, die den Untergang der Erde beobachten. Sie schweben hinter dem Mond entlang. Weit weg von allem. Weit weg von Trump oder von Putin. Weit weg von Drohnenangriffen, Raketen, eskalierenden Pressebriefings und dem Wahnsinn, der sich auf dem Planeten abspielt. 

Sie sehen, wie die Erde hinter dem Mondhorizont versinkt. Ein „Earthset“, wie die Astronauten das nennen. Den Erduntergang. „Erduntergang“ mag bedrohlich klingen angesichts der Lage auf selbiger. Doch es sind spektakuläre Bilder, die die Crew zu uns schickt: Dieser kleine, blaue, zerbrechlich wirkende Ball, der langsam und lautlos hinter grauem Mondgestein verschwindet.  

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Bild zeigt den NASA-Astronauten und Kommandanten der Artemis-II-Mission, Reid Wiseman, der aus einem der Hauptkabinenfenster des Orion-Raumschiffs zurück auf die Erde blickt.

Copyright: NASA/dpa

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte Bild zeigt den NASA-Astronauten und Kommandanten der Artemis-II-Mission, Reid Wiseman, der aus einem der Hauptkabinenfenster des Orion-Raumschiffs zurück auf die Erde blickt.

Auf einem anderen Foto schaut NASA-Astronaut Reid Wiseman aus dem Fenster, hinab auf eben jenen Planeten. Was er dabei denkt, ist nicht dokumentiert. Aber man darf spekulieren, was durch seinen Kopf geht, während er von dort oben auf die Erde sieht – auch er weiß natürlich, was dort unten gerade passiert.

Es gibt dieses Konzept, das Carl Sagan einst beschrieben hat. Der berühmte Astrophysiker nannte es den „Pale Blue Dot“ – den blassen blauen Punkt, den die Voyager I damals aufgenommen hat. Jenen Moment, in dem man begreift, dass die Erde aus der Distanz des Weltalls nichts weiter ist als ein winziger Staubfleck in einem unvorstellbar großen Universum.

Sagan schrieb damals: „Auf diesem kleinen Fleck ist jeder Mensch, der je lebte, gestorben.“ Und weiter: „Denk an die Ströme von Blut, die von all jenen Generälen und Kaisern vergossen wurden, damit sie in Ruhm und Triumph für einen kurzen Moment die Herrscher eines Bruchteils dieses Punktes sein konnten.“

Das war 1990. Man fragt sich, was Sagan heute schreiben würde.

Vier Menschen, die mutig den Mond umrunden

Noch immer wird viel Blut vergossen. Menschen sterben. Familien werden zerstört. Städte werden in Schutt gelegt. Und der Klimawandel, die eigentliche Katastrophe unserer Zeit, ist im Begriff, unseren empfindlichen blauen Ball aus den Fugen zu bringen. Er ist politisch weit in den Hintergrund gerückt angesichts der vielen Krisen.

Die Gleichzeitigkeit der Dinge ist manchmal fast unerträglich. Hier die Geste der Zivilisation schlechthin – vier Menschen, die mutig den Mond umrunden, das Ergebnis jahrzehntelanger internationaler Forschung, von Zusammenarbeit, mühsam erarbeitetem Wissen und dem unbedingten menschlichen Willen, die Grenzen des Möglichen zu verschieben.

Dort der politische Alltag von Männern, deren Lieblingswerkzeug die Drohung ist und die Spaltung. Und die sich mit Kriegen ein Denkmal setzen wollen. Man muss kein Astronaut sein, um diesen Kontrast als schmerzhaft zu empfinden. 

US-Präsident Donald Trump ahmt das Abfeuern einer Waffe nach, während er am 6. April 2026 im James S. Brady Press Briefing Room des Weißen Hauses in Washington, D.C., über den Konflikt im Iran spricht.

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