Hoffnung für Nonnenwerth? Streit um Gymnasium auf Rhein-Insel eskaliert

Laufaufnahme des Gymnasiums Nonnenwerth auf einer Rheininsel.

Das Objekt der Begierde: Rund zwei Kilometer lang, etwa 180 Meter breit ist Nonnenwerth, die malerische Rheininsel mit dem ehemaligen Kloster zwischen Rolandswerth und Bad Honnef.

Die Lage um die drohende Schließung des Franziskus-Gymnasiums Nonnenwerth eskaliert. Gibt es überhaupt noch Hoffnung, dass die Schule gerettet werden kann?

Die Lage eskaliert: Schüler und Schülerinnen sowie Sicherheitsdienst gehen aufeinander los, es gibt Demos und Drohungen gegen den Eigentümer wegen der drohenden Schließung des Franziskus-Gymnasiums Nonnenwerth, „Spiegel“ und „Tagesthemen“ machen den Streit um die kleine Insel mitten im Rhein diese Woche zum Thema.

Auf dieser Schule hätte sich auch Harry Potter wohl gefühlt. Für Schüler, Schüllerinnen und Lehrkräfte ist Nonnenwerth ein kleines Paradies, aus dem sie jetzt vertrieben werden sollen. Für den Investor eine großartige Luxusimmobilie – aus der er mehr erwirtschaften wollte – bis Brandschutzauflagen in Höhe von mehr als zehn Millionen ihm einen Strich durch die Rechnung machten.

Nonnenwerth: Nach diesem Schuljahr ist Schluss

Jetzt macht Peter Soliman Nägel mit Köpfen: Nach diesem Schuljahr ist Schluss, er gibt die Trägerschaft ab, will jedoch die Insel nicht hergeben. „Findet sich ein neuer Träger der Schule, agiert Herr Soliman als deren Vermieter“, sagt sein Sprecher. Es gäbe weitere Gespräche in unterschiedlichste Richtungen. Fakt ist derzeit allerdings: Lehrpersonal hat die Kündigungen erhalten, Sicherheitsdienste patrouillieren auf der Insel, die Polizei wird herbeizitiert, weil Schüler und Schülerinnen angeblich Blumentöpfe umgeworfen haben.

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Das hat nichts mehr mit dem Friede-Freude-Eierkuchen-Bild zu tun, das der Investor nach dem Kauf vor der Elternschaft von sich zeichnete: der gut betuchter Geschäftsmann, dem die Bildung der Kinder am Herzen liege: „Eigentum verpflichtet – das nehme ich zutiefst ernst“, sagte er. Und in Neuss ging sein Konzept in der Tat sehr gut auf, wo er die kurz vor dem Aus stehende International School on the Rhine (IRS) gekauft und zu einer erfolgreichen Privatschule gemacht hat. In Rheinland-Pfalz ticken die Uhren anders.

Nonnenwerth: Historisches Gebäude darf nur zu Bildungszwecken genutzt werden

In Neuss (NRW) kann Soliman Schulgebühren in Höhe von rund 1300 Euro plus Verpflegung nehmen, in Malu Dreyers SPD-Land geht das nicht. Da muss der Träger sich pro Schüler oder Schülerin mit einer „Spende“ von 200 Euro begnügen. Und: Laut Ratsbeschluss der Stadt Remagen darf das 170 Jahre alte Gebäude nur zu Bildungszwecken genutzt werden.

Sprich: Ohne Schulbetrieb geht gar nichts, zusätzlich könnte es indes diverse Optionen geben. Der Investor, der auch den Campingplatz gegenüber der Insel gekauft hat, hätte nach eigenen Worten z. B. gern Seminare und Hochzeiten auf der Insel stattfinden lassen. Wirklich nicht mehr?

Steht Nonnenwerth bald leer?

Die Nerven von Eltern und Kindern lagen blank, als im Frühjahr ein Exposé einer Immobilienfirma auftauchte – mit Luxuswohnungen auf Nonnenwerth. Der Eigentümer will davon nichts gewusst haben. Nun liegt alles auf Eis. Er könne sich auch vorstellen, das Gebäude 100 Jahre leer stehen lassen, drohte Soliman vor wenigen Wochen im „General Anzeiger“.

Peter Soliman blickt ernst in die Kamera.

Peter Soliman will die Gymnasium-Trägerschaft abgeben, die Insel Nonnenwerth aber behalten.

Jetzt gibt er sich versöhnlicher: Sollte es zu keiner Trägerschaft kommen, wolle er nach Abschluss des Schuljahres auf die Stadt Remagen und den Kreis Ahrweiler zugehen, um gemeinsame Perspektiven für Insel und Gebäude zu schaffen. Kommt Zeit, kommt Rat – und vielleicht ein neuer Ratsbeschluss, der ihm mehr Spielraum lässt. Für die Schülerinnen und Schüler dürfte das wohl zu spät sein…

Nonnenwerth: Das sagen Kinder und Eltern

Schweren Herzens habe sie zum Halbjahr die Schule gewechselt, sagt Elftklässlerin Jil Sonnenberg. Auf Nonnenwerth als Mint Excellence Schule hatte sie Physik als Leistungskurs. Traumhafte Zustände: LKs kommen ab acht Jugendlichen zustande.

Nicht nur der Unterricht gefiel ihr. Bis zum Auszug der Franziskanerinnen habe sie engen Kontakt zu den Nonnen gehabt. „Die Insel, die Sportmöglichkeiten mit Beach-Volleyball- und Fußballfeldern, die Bahn zum Sprinten, das wunderschöne Gebäude mit historischer Bibliothek – das war großartig.“

Kinder stehen dicht an dicht und halten Schilder hoch.

500 Schülerinnen und Schüler hoffen, dass sie auf dem staatlich anerkannte Gymnasium und der Insel bleiben können.

Der Streit habe ihr zugesetzt, so die ehrgeizige Schülerin, das habe sich auf die Noten niedergeschlagen. Cäcilia Plötner (17) pflichtet ihr bei: „Was mich traurig stimmt, ist, dass der Träger nie persönlich mit uns geredet hat, wir Statements über die Zukunft nur über Briefe oder die Presse erfahren haben.“ Vater Peter Luft hat fünf Kinder auf der Schule, hätte den Jüngsten auch gern dort angemeldet. „Die Kinder werden von großartigen Lehrern erzogen. Es ist wie eine Familie, da hilft jeder jedem, z. B. in der kostenlosen Nachhilfebörse.“

Nonnenwerth: Das sagen zwei Lehrer

Für sein geliebtes Franziskus-Gymnasium zieht Sören Ahlhaus (36) sogar blank. Um zu zeigen, wie sehr ihm Nonnenwerth am Herzen liegt, hat der Deutsch- und Geschichtslehrer sich das Tau-Zeichen auf die Brust tätowieren lassen. „Es steht für die Werte der Franziskaner, für Verantwortung, Solidarität, Offenheit und Ehrlichkeit“, sagt er. „Das sind Werte, die wir unseren Schülern vermitteln. Das war, das bleibt – das symbolisiert mein Tattoo.“

Sören Ahlhaus (l.) steht mit nacktem Oberkörper neben seinem Tätowierer Erkan. Beide zeigen einen Daumen hoch.

Sören Ahlhaus ist Deutsch- und Geschichtslehrer am Franziskus Gymnasium Nonnenwerth. Er hat sich das Tau-Zeichen der Franziskaner von Erkan (r.) auf die Brust tätowieren lassen.

Was ihn belaste: Er kann seinen Leistungskurs Deutsch nicht durchs Abitur führen, da ihm zum 31. März gekündigt worden sei. „Ich kenne viele seit der fünften Klasse, war mit ihnen auf Klassenfahrten, Vorlesewettbewerben.“ Er habe wie andere Lehrerinnen und Lehrer das Angebot erhalten, bis zum 31. Juli zu verlängern, doch damit seien sämtliche Ansprüche abgegolten – davon habe ihm sein Anwalt abgeraten. „Ich empfinde das als Erpressung.“

Der Träger kontert: „Das Angebot der Bleibeprämie sieht auch vor, dass Arbeitsverträge ggf. von einem neuen Schulträger übernommen werden können.“ Musiklehrer Jürgen Roth (44) wäre begeistert, wenn er bleiben könnte. Er nimmt die einstündige Fahrt vom Köln zur Insel gerne in Kauf, „wegen der tollen Lernatmosphäre. Alle haben total Lust auf Musik, kommen in der Unterstufe in die Singen–, Streicher- oder Bläserklasse, parallel gibt es auf Wunsch privaten Unterricht, eng verzahnt mit der Musik-AG. Wo findet man so etwas noch?“

Die Unterstützer von Nonnenwerth

Demos, Kunstaktionen wie „Das rausfliegende Klassenzimmer“ – der Verein „Rettet Nonnenwerth“ findet immer mehr prominente Unterstützer. Von ehemaligen Schülerinnen und Schülern wie Blötschkopp Marc Metzger bis hin zu Bands wie Brings oder die Bläck Fööss. Gitarrist Bömmel Lückerath: „Wir überlegen, unseren Song ‚Das Mädchen von Nonnenwerth‘ auf die aktuelle Situation umzutexten.“

Auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen mahnt: „Wir erwarten, dass der Eigentümer nicht nur mit Worten, sondern mit Taten alles dafür tut, dass diese Schule erhalten bleibt. Auch der Orden kann jetzt nicht sagen, wir haben mit unserer eigenen Geschichte und Tradition nichts mehr zu tun. Und ich finde, dass auch das Bistum wiederum eine Verantwortung dafür hat.“

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