Ein radikaler Plan gegen das Leid im Krieg: Psychedelische Substanzen sollen US-Soldaten heilen.
Pillen gegen das TraumaUS-Militär will Soldaten mit MDMA behandeln

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Dr. Lynette Averill spricht am Mikrofon.
Ein umwälzender Ansatz des US-Verteidigungsministeriums (DoD) steht bevor: Soldaten im aktiven Dienst mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) könnten bald eine Therapie mit psychedelischen Substanzen erhalten. Zwei Studien, finanziert vom DoD, sehen vor, dass 186 Armeeangehörige ab dem kommenden Jahr an mehreren Therapieeinheiten mit MDMA teilnehmen. Schon in der nächsten Woche startet die Schulung für ein neues Team von Therapeuten des DoD und der Veteranenbehörde (VA).
Man erhofft sich, dass der Rauschzustand, bekannt von der Partydroge, den Truppen bei der Verarbeitung ihrer schrecklichen Erfahrungen hilft. Das Kalkül: Die Soldaten sollen länger einsatzfähig bleiben und nach dem Dienst nicht an seelischen Wunden zerbrechen. Laut einem Schreiben vom Januar beobachtet Sean O’Keefe, ein ranghoher Pentagon-Mitarbeiter, die Entwicklung aufmerksam. Das berichtet „the Guardian“.
Therapie für den nächsten Krieg?
Der politische Rückhalt für dieses Projekt ist enorm. Der frühere Präsident Joe Biden setzte im Dezember 2023 seine Unterschrift unter ein Gesetz, das die Forschung anordnet. Die Initiative kam vom republikanischen Abgeordneten Morgan Luttrell, einem früheren Navy Seal, der persönlich Erfahrung mit psychedelischer Therapie gemacht hat. „Unsere Männer und Frauen in Uniform verdienen jedes verfügbare Werkzeug, um zu heilen und im Kampf zu bleiben“, äußerte Luttrell zu dem Zeitpunkt. „Das ist erst der Anfang.“
Donald Trump mischte sich ebenfalls ein. Er signierte am 18. April einen Erlass, um die Forschung zu beschleunigen, insbesondere für ehemalige Soldaten. Im Oval Office erklärte er: „Die Selbstmord-Epidemie unter Veteranen ist eine nationale Tragödie.“ Seit 9/11 seien durch Suizid 21-mal mehr Veteranen gestorben als im Gefecht.
Kritik: Werden Soldaten zu „Tötungsmaschinen“?
Allerdings stößt der Gedanke, Soldaten für den nächsten Kampf fit zu machen, auf scharfe Ablehnung. Der Ethnobotaniker Dennis McKenna mahnt wegen der menschlichen Konsequenzen. Es wäre „völlig zynisch und grausam von der Regierung, sie wieder in den Kampf zu werfen“, so McKenna. Er bezeichnet es als einen „Missbrauch von Psychedelika, sie zu benutzen, um Menschen wiederaufzubauen, damit sie effizientere Tötungsmaschinen werden können.“
Eine andere Sichtweise vertritt Rick Doblin, der Gründer von MAPS, einer Organisation, die die MDMA-Therapie fördert. „Menschen zu helfen, Traumata zu verarbeiten, wer auch immer sie sind, ist wahrscheinlich besser als nicht“, meint er. „Ich fühle mich nicht moralisch zwiegespalten, wenn ich mit aktiven Soldaten arbeite.“ Doblin gibt aber zu, dass die Gefahr eines PTBS-Rückfalls wächst, sollten die Therapierten wieder in eine belastende Lage kommen.
Weltweite Studien mit offenem Ausgang
Die Untersuchungen laufen bereits auf Hochtouren. Jeweils 4,9 Millionen Dollar gingen im Februar des Vorjahres an das Walter Reed Militärkrankenhaus sowie die Emory University. Im Walter Reed bekommen 91 Armeeangehörige über einen Zeitraum von zehn Monaten drei einzelne MDMA-Gaben. Sie werden während der Untersuchung nicht in den Einsatz geschickt. Wie es danach weitergeht, ist offen.
Auf die nicht absehbaren Konsequenzen verweist die Psychologin Rachel Yehuda, die schon 250 Therapeuten für die MDMA-Behandlung ausgebildet hat. Es sei möglich, dass Soldaten tiefgreifende Erlebnisse haben, die sie ihre Rolle im Militär überdenken lassen. „Aber es könnte auch in die andere Richtung gehen und das eigene Missionsgefühl bestärken“, ergänzt sie.
Die Thematik hat eine Vorgeschichte. Bereits Ende der 1950er-Jahre gab die US-Armee ihren Soldaten in einer geheimen Anlage in Maryland LSD. Man wollte prüfen, ob die Substanz als Waffe eingesetzt werden kann. Die Forschung läuft auch auf internationaler Ebene: MAPS hat in der Ukraine 55 Therapeuten geschult. In Israel startet voraussichtlich noch in diesem Jahr eine MDMA-Untersuchung mit 168 Betroffenen des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober. (red)
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