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Sein Gesicht überallExperten schlagen Alarm und ziehen Vergleiche zu Diktatoren

US-Gedenkpass

Copyright: Uncredited/State Department/AP/dpa

Das Abbild des US-Präsidenten wird bald auf der Innenseite einer Sonderausgabe amerikanischer Reisepässe zu sehen sein.

Trump überall: Historiker warnen vor gefährlichem Personenkult.

Mitten in Washington D.C. kommt man an ihm nicht vorbei: Donald Trumps Konterfei ist allgegenwärtig. Von riesigen Transparenten blickt der US-Präsident mit strengem Ausdruck auf die Passanten herab – am Justizministerium zum Beispiel, kombiniert mit dem Slogan «Make America Safe Again» («Macht Amerika wieder sicher»).

Doch nicht nur sein Gesicht, auch sein Name drängt sich auf. Nach heftig diskutierten Änderungen ziert er nun diverse Fassaden. So wurde das Friedensinstitut zum Donald J. Trump Friedensinstitut. Auch das berühmte Kennedy Center, die wichtigste Kulturstätte der Hauptstadt, trägt jetzt zusätzlich Trumps Namen. Beobachter schlagen Alarm und warnen vor einem bedenklichen «Personenkult» in den Vereinigten Staaten.

Aus Kennedy Center wird Trump Kennedy Center

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Umstrittene Umbenennung: Am renommierten Kennedy Center wurde Trumps Name angebracht. (Archivbild)

Die Bemühungen von Trump und seinen Anhängern, den Präsidenten überall sichtbar zu machen, gehen weit über die Hauptstadt und ihre Gebäude hinaus. Die Verewigung seines Namens oder Bildes findet sich auf Regierungsprogrammen, dem Jahres-Ticket für Nationalparks und sogar auf einem Straßenschild in Florida. Der neueste Coup: Eine spezielle, limitierte Auflage von US-Reisepässen wird demnächst mit einem Porträt von Trump erscheinen. Offizieller Anlass laut Außenministerium: das 250. Jubiläum der USA.

Seine Marke zu bewerben, das konnte Trump schon immer – lange vor seiner Zeit im Weißen Haus. Ob auf Wolkenkratzern, Jets oder sogar Fleischprodukten, sein Name war Programm. Dass er diese Strategie als amtierender US-Präsident weiterverfolgt, erklären viele mit seinem ausgeprägten Ego. Aber welche Schlüsse lässt das über den Zustand der US-Demokratie zu?

Historiker alarmiert: So etwas gab es noch nie

Zwar sind in den Vereinigten Staaten zahlreiche Plätze und Bauten nach früheren Präsidenten benannt, etwa der Hauptstadtflughafen, der an Ronald Reagan erinnert, oder diverse Denkmäler an der National Mall in Washington. «Ja, wir haben Denkmäler für ehemalige Präsidenten», bestätigt der Historiker Thomas Whalen von der Boston University gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Doch normalerweise geschieht eine solche Ehrung erst nach dem Tod der Präsidenten, wenn genügend Abstand für eine historische Bewertung ihres Schaffens vorhanden ist.

Bei Trump läuft es anders. Er und sein Lager sorgen für eine wachsende Sichtbarkeit seines Namens und Gesichts, und das mitten in seiner Amtszeit. Ein solches Vorgehen sei bei keinem anderen US-Präsidenten jemals beobachtet worden, betont Whalen. Sein Fazit: «Das ist das Beängstigende daran.»

Die Überlegung, wann ein Präsident auf diese Weise gewürdigt wird, wirft eine entscheidende Frage auf: Wer stößt die Ehrung an? «Präsidenten benennen Dinge nicht nach sich selbst, das Volk benennt Dinge nach Präsidenten – und darin liegt ein großer Unterschied», sagte Jennifer Mercieca, eine Expertin für politische Kommunikation an der Texas A&M University, kürzlich der «New York Times». «Das eine ist ein Ausdruck von Macht», erklärte sie. «Das andere ist eine Anerkennung durch die Öffentlichkeit für gut geleistete Arbeit.»

«Symptom des Niedergangs der Demokratie»

Fachleute ziehen beunruhigende Vergleiche und erkennen in Trumps Handeln Muster, die an autokratische Herrscher erinnern. «Die Führungsperson muss überall sein, ihr Gesicht muss überall sein, ihr Name muss überall sein und ihre Ästhetik, ihr Geschmack müssen sich in den Gebäuden und in den Menschen um sie herum widerspiegeln», sagte die Historikerin Ruth Ben-Ghiat von der New York University dem Sender NPR.

Der Historiker Whalen nennt es einen «Personenkult». Trumps Vorgehen wirke wie eine direkte Kopie aus dem Handbuch des Sowjet-Diktators Josef Stalin oder des Gründers der Volksrepublik China, Mao Zedong. Diese Anstrengungen, Trumps Namen und Antlitz immer tiefer zu verankern, betrachtet er als «Symptom des Niedergangs der Demokratie» in den USA. «Es ist nicht die treibende Kraft, aber es ist ein Symptom dafür, wie sehr sich die Lage hier verschlechtert hat.»

In den USA seien die Institutionen und demokratischen Prinzipien mittlerweile derart untergraben, dass eine Person mit autoritären Zielen leichtes Spiel habe. Die Gründerväter Amerikas hätten genau davor Angst gehabt und aus diesem Grund auf gegenseitige Kontrolle und die Teilung der Gewalten gebaut. Whalen konstatiert jedoch einen Kollaps dieser Kontrollmechanismen und schlussfolgert: «Donald Trump ist in vielerlei Hinsicht genau der Albtraum, den George Washington, John Adams, James Madison und Thomas Jefferson fürchteten.»

Besonders kritisch sieht er die Tatsache, dass der Kongress momentan kaum noch eine wirksame Aufsicht über die Regierung ausübt. Als Ursache dafür benennt Whalen Trumps Macht über die Republikaner, die ihm mittlerweile bedingungslos folge. Sein Urteil ist klar: «Das ist wirklich Donald Trumps Partei».

Demokraten leisten Widerstand

Doch es regt sich auch Gegenwehr gegen Trumps Allgegenwart in den Vereinigten Staaten. So klagt die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty gegen die Namensänderung des Kennedy Centers. Ihr Parteifreund Raul Ruiz brachte im Repräsentantenhaus eine Gesetzesinitiative ein. Diese soll amtierenden Präsidenten untersagen, öffentliche Bauten nach sich selbst zu benennen.

Justizministerium in Washington

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Ein meterlanges Trump-Banner hängt an der Fassade des US-Justizministeriums. (Archivbild)

Ob diese Gegenmaßnahmen Erfolg haben werden, ist allerdings noch offen. Um das Gesetz zu verabschieden, bräuchten die Demokraten zum Beispiel Unterstützung aus den Reihen der Republikaner. Und obwohl die Zwischenwahlen im November die Verhältnisse ändern könnten, verfügt «Trumps Partei» derzeit noch über hauchdünne Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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