Eine Romanze, die das Grauen überdauerte, aber am normalen Leben scheiterte.
Liebe in der TodesfabrikSie überlebten Auschwitz, doch ihre Ehe zerbrach am Frieden

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Eingangstor zu alten Gebäuden mit Bäumen.
Eine Story, die einen wirklich mitnimmt: die Romanze zwischen Eddy de Wind und Friedel, seiner Gattin. Sie nahm an einem der schrecklichsten Plätze der Weltgeschichte ihren Anfang, nur um am Schluss zu zerbrechen. Im Jahr 1943 heirateten die beiden im Transitlager Westerbork. Er war Mediziner und ein Jahrzehnt älter, sie eine blutjunge Pflegerin mit nur 18 Jahren. Ihre Eheschließung glich einem stillen Protest, einem Gelübde, die Kriegszeit zusammen durchzustehen.
Aber schon kurz darauf, am 13. September 1943, zwängte man sie in einen Waggon mit Ziel Auschwitz. An diesem Ort trennten die Nationalsozialisten das frisch vermählte Paar gewaltsam. Man machte Eddy zum Gefangenen mit der Nummer 150822. Friedel hingegen landete im gefürchteten Block 10, einem Ort furchtbarer medizinischer Versuche an weiblichen Häftlingen. Ein unfassbarer Überlebenskampf startete für die beiden, bestimmt durch Hunger, eisige Temperaturen und die permanente Willkür der SS-Wachmannschaft. Das berichtet „t-online“.
Das tägliche Leben war ein Albtraum. Eddy war gezwungen, Tote zu transportieren und massive Waggons zu bewegen, bis er dachte, sein Rückgrat würde zerbrechen. Die sarkastische Bemerkung eines Blockältesten lautete: „Neunzig Prozent krepieren im ersten Jahr, aber wer das übersteht, schafft den Rest auch“. Sein einziger Lichtblick waren die knappen, kostbaren Augenblicke. Dann konnte er seine Friedel am Fenster des Lazaretts erblicken, nachdem er dorthin versetzt worden war.
Während dieser Begegnungen vertraute Friedel ihm die entsetzliche Realität von Block 10 an. Sie berichtete von jungen Häftlinginnen, deren Eierstöcke durch Bestrahlung zerstört wurden. Anderen spritzte man eine betonähnliche Substanz, um sie unfruchtbar zu machen. Die permanente Sorge um Friedel wich Eddy nicht mehr von der Seite.
Mit dem Vorrücken der Roten Armee zwang die SS alle Gefangenen, die noch laufen konnten, auf einen Marsch in den Tod. Während Friedel mitmarschieren musste, gelang es Eddy, sich bei den Kranken zu verbergen und im Lager zu verweilen. Ganz auf sich gestellt und ohne die Erwartung, seine Gattin jemals wiederzufinden, durchstreifte er das befreite Areal und stieß nur auf „unglückselige Lebende und glückliche Leichen“.
In dieser Zeit entschied er sich, am Leben zu bleiben, damit er der Welt von diesen Abscheulichkeiten erzählen konnte. Er fing noch vor Ort in Auschwitz an, seine Erfahrungen zu dokumentieren. Eine monatelange Irrfahrt durch Europa endete für ihn am 24. Juli 1945, als er schließlich in seiner Heimat, den Niederlanden, ankam.
Und dann passierte das Unglaubliche: Vom Roten Kreuz erfuhr er, dass eine Patientin mit seinem Familiennamen in einer nahen Klinik behandelt wurde. Es handelte sich um Friedel. Trotz all der Qualen hatten sie sich wiedergefunden. Das Paar bemühte sich um einen Neuanfang, aber die Wunden von Auschwitz saßen zu tief. Die Versuche hatten Friedel unfruchtbar gemacht, und beide litten unter schweren Traumata.
Beruflich wurde Eddy ein renommierter Psychoanalytiker mit dem Schwerpunkt auf Kriegstraumata. Aber die seelischen Verletzungen durch das Erlebte wogen schwerer als ihre Zuneigung. Ein Dutzend Jahre, nachdem sie der Hölle von Auschwitz entkommen waren, gingen Eddy und Friedel getrennte Wege. Ihre Beziehung überstand das Konzentrationslager, zerbrach aber in der Freiheit.
Mit seiner zweiten Gattin fand Eddy erneut sein Glück und wurde Vater von drei Kindern. Er etablierte sich als begehrter Experte, unter anderem im Bereich der Sexualforschung. Am 27. September 1987 verstarb er im Alter von 71 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Seine Notizen aus Auschwitz sind bis heute ein außergewöhnliches Zeugnis. (red)
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