Alarm im All: Was das Leck auf der ISS wirklich bedeutet.
Die ISS bröckeltNeues Leck zwingt Astronauten zur Flucht in Raumkapsel

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Die Internationale Raumstation kreist hier über der kanadischen Provinz Quebec.
In 400 Kilometern Höhe war plötzlich höchste Eile geboten. An der Internationalen Raumstation ISS gab es neue undichte Stellen an einem russischen Bauteil, weshalb sich einige Astronauten zur Sicherheit in ihre angekoppelte Dragon-Kapsel begaben. Neben einem Brand zählt ein Abfall des Kabinendrucks zu den schlimmsten Risiken auf diesem Vorposten der Menschheit.
Obwohl der aktuelle Zwischenfall laut Raumfahrt-Fachleuten keinen Anlass zur Panik gibt, macht er doch die fundamentalen Schwierigkeiten von Missionen mit Menschen im All deutlich. Das sind drei Lektionen, die man daraus ziehen kann:
Erste Erkenntnis: Die Raumstation ist in die Jahre gekommen
Seit über einem Vierteljahrhundert leben durchgehend Menschen auf der Internationalen Raumstation. Zahlreiche ihrer Komponenten wurden bereits Ende der 1990er- oder Anfang der 2000er-Jahre installiert. Es ist daher logisch, dass Abnutzungsspuren häufiger werden. „Die Notwendigkeit einer permanenten Überwachung ist im All mindestens genauso wichtig wie auf der Erde“, mahnt Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner. „Mangelnde Sorgfalt kann hier nicht einfach durch Sperrung auf Zeit verschoben werden.“
Fachleute heben hervor, dass speziell die betagteren Elemente des Orbitallabors eine zunehmend intensivere Kontrolle und Instandhaltung erfordern. Schon seit Längerem wird der betroffene Verbindungskorridor des russischen „Swesda“-Moduls als Sorgenkind betrachtet. Dort wurden wiederholt geringfügige Lecks gefunden und abgedichtet.
Zusätzlich gibt es die gewaltigen Strapazen des Weltraumbetriebs: Starke Temperaturschwankungen, die Ermüdung von Materialien, kosmische Strahlung sowie zahllose Kopplungsmanöver hinterlassen Spuren. Nach Informationen aus Russland hat das beschädigte Andocksystem erheblich mehr Kopplungen durchlaufen als andere Stationsbereiche. Der Zwischenfall verdeutlicht somit die Limits einer Anlage, die wesentlich länger in Betrieb ist als anfangs vorgesehen.
Zweite Erkenntnis: Die Kooperation der Nationen hält auch in der Krise
Nicht nur das Leck an sich ist beachtlich, sondern auch die Reaktion darauf. Die Notfallabläufe griffen wie vorgesehen. Die US-Astronauten begaben sich zur Vorsicht in die „Dragon“-Kapsel von SpaceX, während die russischen Kosmonauten die Instandsetzung einleiteten. Dadurch war stets ein geschützter Zufluchtsort und die Option auf eine rasche Erdlandung gegeben.
Der Vorfall unterstreicht, dass die Kooperation der Länder im Weltraum fortbesteht. Ungeachtet des russischen Angriffskriegs in der Ukraine kooperieren die Raumfahrtagenturen von Russland, den USA und deren Verbündeten auf der ISS weiterhin eng. Mit den Astronauten Thomas Reiter, Hans Schlegel, Alexander Gerst und Matthias Maurer waren auch schon vier Deutsche an Bord.
Informationen, die die Sicherheit betreffen, werden geteilt, Beschlüsse koordiniert gefasst und Notfallmaßnahmen zusammen ausgeführt. Somit verbleibt die Raumstation als eines der seltenen Großprojekte, bei dem die Zusammenarbeit von Moskau und Washington trotz politischer Differenzen andauert.
„Es ist bemerkenswert, dass die Zusammenarbeit auf Ingenieurniveau funktioniert - vielleicht auch ein Modell zur Bewältigung irdischer Krisen“, betont Wörner, der einst Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa war. Die ISS sei zu wichtig, um sie im Politikstreit aufzugeben. „Es ist bedauerlich, dass viele andere wissenschaftliche Projekte sofort aufgegeben wurden: Auch in Krisenzeiten müssen Verbindungen bestehen bleiben! Diese Rolle fällt im Moment nur der ISS zu.“
Dritte Erkenntnis: Neben Mars-Visionen den Weltraum-Alltag nicht vergessen
Der Fokus der Raumfahrt liegt häufig auf Missionen zum Mond und auf langfristigen Vorhaben für bemannte Reisen zum Mars. Der Vorfall auf der ISS führt uns jedoch vor Augen, dass die größten Schwierigkeiten häufig im laufenden Betrieb lauern. Überlebenswichtige Anlagen müssen pausenlos arbeiten, geringfügige Materialmängel schnell entdeckt und Instandsetzungen unter erschwerten Umständen vorgenommen werden.
Insbesondere für kommende Langzeitreisen bieten derartige Ereignisse wertvolle Einsichten. Je größer die Distanz der Astronauten zur Erde wird, desto geringer ist ihre Aussicht auf prompte Unterstützung von außen. Die Erkenntnisse aus den Leckagen auf der ISS tragen dazu bei, zukünftige Raumschiffe und Stationen widerstandsfähiger zu gestalten.
Das jetzige Ereignis ist hauptsächlich eine Mahnung, dass bemannte Raumfahrt nicht allein aus beeindruckenden Zielen besteht, sondern ebenso aus ständiger Instandhaltung, Prävention und Sicherheitsmaßnahmen. „Auf der ISS werden täglich Forschungen durchgeführt, die auf der Erde wichtig sind“, meint Experte Wörner. Der Vorfall lehre, dass Redundanz nicht nur für einzelne Teile, sondern für ganze Systeme wichtig ist. „Deshalb muss rasch an der Nachfolge der Station gearbeitet werden.“ Ein Wechsel von der ISS zur chinesischen Station „Tiangong“ (Himmelspalast), wie im Science-Fiction-Film „Gravity“ dargestellt, sei aus technischen und politischen Gründen bedauerlicherweise ausgeschlossen. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
