Ein Künstler, der sein Leben aufs Spiel setzte. Seine Story, in seiner Heimat zensiert, bewegt die Hauptstadt zutiefst.
In Russland verbotenDieses Ballett-Schicksal rührt Berlin zu Tränen

Copyright: IMAGO / opale.photo
Rudolf Nurejew im Pierrot-Kostüm.
Rudolf Nurejew – dieser Name elektrisiert Berlin auch 34 Jahre nach seinem finalen Auftritt. Der legendäre Tänzer kehrt auf die Bühne der Hauptstadt zurück. Zwar nicht persönlich, doch in Form einer ergreifenden Hommage. In Berlin erlebt das Ballett „Nurejew“, geschaffen von Choreograf Jurij Possochow und Regisseur Kirill Serebrennikow, seine Renaissance. Es schildert das Leben eines unbändigen Geistes, der für seine Kunst und seine persönliche Freiheit jedes Wagnis einging.
Im Jahr 1992, nur ein Jahr vor seinem Ableben, betrat Nurejew zum letzten Mal die Bühne der Staatsoper. Bereits stark von seiner Erkrankung gezeichnet, empfing er die Ovationen für seine „Dornröschen“-Inszenierung. Heute wird seine eigene Lebensgeschichte zu einem Tanzstück, dessen Aufführung in Russland untersagt ist. Das berichtet „t-online“.
Ein Leben voller Extreme
Die Inszenierung ist weit mehr als eine simple Biografie. Sie zeichnet ein komplexes Bild, das die unterschiedlichen Persönlichkeiten Nurejews beleuchtet. David Soares, der Tänzer in der Titelrolle, hat die immense Herausforderung, all diese Aspekte darzustellen: den aufstrebenden Jüngling, den umjubelten Künstler, den Exilanten und den sterbenden Mann. „Man kann Rudolf Nurejew nicht wiederholen“, äußert Soares. Eine reine Annäherung sei das einzig Mögliche.
Diese Annäherung gestaltet sich sehr eindringlich. Den Rahmen der Handlung bildet eine Versteigerung von Nurejews privatem Besitz. Jeder Gegenstand – ob ein Bühnenkostüm, ein Einrichtungsgegenstand oder eine Fotografie – löst eine Episode aus seinem ereignisreichen Dasein aus. Die Reise führt von der strengen Ausbildung in Sankt Petersburg über seine legendäre Flucht 1961 am Flughafen in Paris bis zu seinem globalen Erfolg. Der Rebell Nurejew (1938–1993) krempelte den Männertanz komplett um und lebte seine Homosexualität offen. Im Alter von nur 54 Jahren erlag er in Paris den Konsequenzen einer HIV-Infektion.
„Russland wäre eine Sackgasse gewesen“
Exakt diese Unverblümtheit besiegelte das Schicksal des Balletts in seinem Ursprungsland. „Als das Gesetz gegen die sogenannte Schwulenpropaganda verabschiedet wurde, wurde das Stück praktisch zu seinem ersten Opfer“, erläutert der Regisseur Serebrennikow. Für den Protagonisten David Soares ist dies eine besondere Fügung. Der aus Brasilien stammende Tänzer erlebte bereits 2017 die Uraufführung am Bolschoi-Theater in Moskau mit, zu jener Zeit allerdings in einer Nebenrolle.
Mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine fasste er einen weitreichenden Entschluss. Er erwarb ein Flugticket Richtung Italien, was ihn letztendlich nach Berlin führte. Sein Wunsch war es, nicht länger in einer Atmosphäre zu leben, die ständige Vorsicht bei Äußerungen erfordert. „Ich habe verstanden, dass Russland eine Sackgasse für mich wäre“, so Soares. Ein Ausbruch in die Freiheit, der Parallelen zu Nurejews eigener Geschichte aufweist.
Ein Finale, das zu Tränen rührt
Den gefühlvollen Gipfel der Vorstellung markiert der Schlussakt. Im Hintergrund läuft der bekannte Schattenakt aus „La Bayadere“, doch plötzlich tanzen Männer zwischen den Ballerinen – eine Verneigung vor dem Vermächtnis Nurejews. Er, bereits vom Tode durch Aids gezeichnet, begibt sich in den Orchestergraben, um sein finales Stück zu dirigieren. Eine Szene, die sich einprägt.
Eine brillante Darbietung von David Soares bewegt die Zuschauer zutiefst. Physisch geschwächt, aber erfüllt von einer enormen seelischen Kraft, verkörpert er einen Nurejew, den die ganze Welt verehrte. Beim Fallen des Vorhangs und den stehenden Ovationen sind die Augen nicht nur im Publikum feucht. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

