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Putin macht das Netz dichtPlötzlich ist Russlands Hauptstadt wie gelähmt

Wladimir Putin bei einer Besprechung

Copyright: IMAGO / ZUMA Press

Wladimir Putin bei einer Besprechung.

Moskau im digitalen Blackout! Putins Internet-Blockade stürzt die Metropole ins totale Chaos.

Ein Schock für die sonst so erfolgsverwöhnten Moskauer. Nachdem sie lange über das digitale Entwicklungsland Europa gelästert hatten, ist ihre eigene hochmoderne Welt seit dem 6. März zusammengebrochen. Die Regierung riegelt das mobile Internet rigoros ab. Als Begründung dienen „Sicherheitsmaßnahmen“ im Kontext des Ukraine-Kriegs. Die Folge ist pures Durcheinander: Taxis sind nicht mehr auf dem Radar zu finden, Navis geben den Geist auf, Kassenanlagen streiken und das Bezahlen von Parktickets ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil fast alles nur noch über Apps und QR-Codes lief.

Die heftigen Beschränkungen bringen den gesamten Alltag zum Erliegen. Betroffen sind nicht nur die gewöhnlichen Menschen, sondern auch Unternehmen, Dienstleister und sogar die Verwaltung. Eine Metropole, die über Jahre auf digitale Effizienz getrimmt war, wird jäh in die analoge Vergangenheit katapultiert. „Es ist, als wären wir etwa 20 Jahre in der Zeit zurückgereist“, beschwert sich eine 28-jährige Moskauerin bei der russischen Ausgabe von „Euronews“. „Wir sind so hilflos geworden.“ Das berichtet „t-online“.

„Ein Albtraum“: Pure Verzweiflung in der Hauptstadt

Die Frustration ist bei vielen Menschen förmlich greifbar. Ein Taxifahrer schildert: „So war es schon ein oder zwei Jahre lang, aber in den letzten zwei Wochen ist es unerträglich geworden.“ Der 27-Jährige erwägt nun, seinen Job an den Nagel zu hängen, weil die GPS-Navigation völlig unberechenbar ist. Für die ambulante Pflegekraft Tatjana wurde ihre Arbeit ohne WhatsApp und Telegram zu einem „Albtraum“. „Früher war es sehr praktisch: Die Leute konnten mir Fotos schicken und um Rat fragen.“ Ohne eine mobile Datenverbindung fühlt sie sich wie „ohne Hände“.

Für die Wirtschaft bedeuten diese alltäglichen Hürden eine Katastrophe mit enormen finanziellen Einbußen. Die russische Zeitung „Kommersant“ meldet, dass der Schaden für Moskauer Firmen allein in den ersten fünf Tagen der Sperre bei drei bis fünf Milliarden Rubel lag – das entspricht 31 bis 51 Millionen Euro. Besonders schlimm erwischt es Lieferdienste, Taxi-Unternehmen und den Einzelhandel.

Zurück in die Vergangenheit: SMS und Festnetz feiern Comeback

Sarkis Darbinjan, ein auf Internetrecht spezialisierter Jurist, bezeichnet die Lage als „Katastrophe“ für die Geschäftswelt. Gegenüber dem Medium „The Insider“ erklärt er: „Vor unseren Augen verliert eine der am stärksten digitalisierten Städte Europas schnell ihre früheren Vorteile.“ Er geht davon aus, dass die Sperren zu einer dauerhaften Einrichtung werden – eine „neue Realität“, an die sich die Bevölkerung gewöhnen muss. Ein von Wladimir Putin am 20. Februar 2026 verabschiedetes Gesetz verleiht ihm die Befugnis, das Netz jederzeit abzuschalten.

Doch die Krise hat auch unerwartete Gewinner. Die gute, alte SMS erlebt eine Wiedergeburt. Abhängig vom Mobilfunkanbieter wuchs das Volumen in den ersten Tagen um acht bis 15,5 Prozent. Und ein weiteres, schon totgeglaubtes Gerät feiert eine unglaubliche Rückkehr: das Festnetztelefon.

Das ist der „Wie bitte?!“-Moment in diesem ganzen Durcheinander. Laut der russischen Ausgabe des „Forbes“-Magazins hat sich die Zahl der Anträge für Festnetzanschlüsse in zentralen Moskauer Stadtteilen seit dem 9. März verdoppelt. Wer jetzt einen neuen Anschluss beantragt, muss mit drei bis vier Wochen Wartezeit rechnen. Ein Trend, der sich auch in anderen Gebieten zeigt, wo die Nachfrage um 30 bis 70 Prozent nach oben geschnellt ist.

Die Atmosphäre in der Metropole ist inzwischen derart angespannt, dass Spekulationen kursieren, wonach Feinde Russlands im direkten Umfeld von Präsident Wladimir Putin ihn zu diesen Maßnahmen drängen, um den Volkszorn zu schüren. Der Feldzug gegen das Internet wird schon mit der Anti-Alkohol-Kampagne aus den 80er-Jahren verglichen. Die Politologin Ekaterina Schulman erkennt Parallelen bei der „Dummheit der Umsetzung“ und dem Ärger der Bevölkerung, was die Menschen von der Staatsmacht entfremden könnte. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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