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Interview

Star-Architekt zu Hitze„Müssen lernen, mit dem Klima zu bauen“

Ein Gebäude der Universität Freiburg mit Zapfen-Struktur statt großer Glasfassaden

Copyright: ICD/IntCDC University of Stuttgart

Die Natur als Vorbild: Ein neues Schattensystem soll ein Uni-Gebäude in Freiburg vor Hitze schützen. Das Besondere: Das System verformt sich automatisch passend zum Wetter - ganz ohne Strom und Mechanik.

Aktualisiert:

Eine Hitzewelle jagt die nächste – aber was lernen wir daraus? Ein Architekt sagt, was wir besser machen können.

Ach, was haben wir bei der ersten Hitzewelle noch frohlockt. Pfingsten, endlich mal heiß! Doch als die Temperaturen Mitte Juni noch mal über 30 Grad stiegen, sehnten wir uns nur noch nach Regen. Und jetzt? Schon wieder eine Hitzewelle. In Brandenburg brennt's ständig, der Asphalt platzt auf Autobahnen, der Rasen ist staubtrocken und braun-gelb, vertrocknete Hortensien lassen als „Klimaverlierer“ die Köpfe hängen, Ventilatoren werden in Gold aufgewogen. Und das Schlimmste: Zwar wird Hitzetod auf dem Totenschein nicht explizit ausgewiesen, aber aufgrund der „Übersterblichkeit“-Zahlen muss dieses Jahr mit 10.000 Opfern gerechnet werden.

Ein Ende – nicht in Sicht. Die nächste Hitzewelle rollt schon an. Meteorologen prognostizieren für den noch jungen August 2026 ein Auf und Ab mit Extrem-Temperaturen und Gewittern. Was lehrt uns das? Bis dato wenig. Wetterfrösche streiten sich medienwirksam, ob man Fenster und Türen tagsüber besser geschlossen halten oder auf Durchzug stellen sollte, Kommunen stellen Hitzeschutzpläne auf. Aber Papier ist geduldig. Doch Hitzeschutz tut auch in Deutschland Not. Schauen wir mal, was wir von „heißen Ländern“ lernen können. Und was Forscher auch hierzulande schon Tolles ausgetüftelt haben.

Stararchitekt Francis Kéré setzt auf regional verfügbares Baumaterial

Der burkinisch-deutsche Architekt Francis Kéré (61) schafft es wie kaum ein anderer, mit einfachsten Mitteln höchste Energieeffizienz zu erreichen, wurde mit dem weltweit wichtigsten Architekturpreis − dem Pritzker-Preis – ausgezeichnet. Seine Spezialität sind natürliche Belüftungssysteme, die ganz ohne Technik auskommen. Im Interview mit EXPRESS erklärt er, wie Städte und Privatpersonen sich auch hierzulande auf den Klimawandel einstellen sollten.

Welche baulichen Schutzmaßnahmen sollten Städte künftig bei Neubauprojekten beachten?

Francis Kéré: Wir müssen wieder lernen, mit dem Klima zu bauen und nicht dagegen. Zum Beispiel ist die Wahl der Materialien wichtig. Wir sollten Baustoffe einsetzen, die das Raumklima auf natürliche Weise regulieren. Ich denke dabei an Lehm und Holz. Sie sind oft regional verfügbar. Holz speichert außerdem CO₂, kann von uns angepflanzt werden. Genauso wichtig ist es, unseren Städten wieder mehr Raum zum Atmen zu geben. Wir müssen Flächen entsiegeln, Bäume pflanzen, Orte schaffen, die Regenwasser sammeln können. Die Natur muss von Anfang an Teil der Planung sein.

Ein Mann mit Glatze schaut freundlich in die Kamera

Copyright: picture alliance/dpa

Francis Kéré baut energieeffizient. Der Architekt sagt auch, wie man mit einfachen Mitteln große Kühlungseffekte erzielen kann. ,

Wie lassen sich öffentliche Gebäude am leichtesten klimafreundlich nachrüsten?

Francis Kéré: Oft können schon kleine Veränderungen viel bewirken: mehr Schatten durch Bäume oder Vordächer, eine bessere natürliche Belüftung, begrünte Dächer und Fassaden oder ein guter Sonnenschutz vor den Fenstern. Gerade im Gesundheitswesen, wo sich besonders gefährdete Menschen aufhalten, in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, müssen wir jetzt aber auch schnell mit Klimaanlagen nachrüsten.

Welche Maßnahmen empfehlen Sie Privatleuten?

Francis Kéré: Manchmal helfen einfache Maßnahmen mehr als komplizierte Technik. Wer die Möglichkeit hat, sollte Flächen vor dem Haus, Innenhöfe oder Balkone mit Pflanzen begrünen. Das trägt zur Kühlung bei. Wo es sicher möglich ist, können auch Pflanzkästen außen vor Fenstern angebracht werden. Sie beschatten die Glasflächen, verringern direkte Sonneneinstrahlung, helfen so gegen eine Überhitzung der Innenräume. Bei sehr trockener Luft kann Verdunstungskälte genutzt werden: Feuchte Handtücher oder Laken, die vor geöffnete Fenster gehängt werden, können die Raumtemperatur spürbar senken.

Ein riesiger Blitz zuckt vom Himmel auf eine Stadt hernieder
Gewitter-Alarm
Je wärmer die Erde, desto mehr Blitze suchen uns heim