Ganz Japan hält inne, um der Opfer der Tsunami-Katastrophe von 2011 zu gedenken. Doch die politische Führung scheint die Lehren aus dem Super-GAU von Fukushima vergessen zu haben und treibt ein umstrittenes Comeback der Kernkraft voran.
Fukushima-JahrestagJapan gedenkt 20.000 Opfern – und fährt die Reaktoren wieder hoch

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Die Erinnerung an den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi verblasst.
Im ganzen Land gedachten die Menschen mit Blumen, Gebeten und Kerzen der unzähligen Opfer. Um exakt 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) herrschte an vielen Orten Stille – eine Schweigeminute für die Tragödie vor 15 Jahren. Genau zu dieser Uhrzeit hatte am 11. März 2011 ein Beben der Stärke 9,0 den Nordosten des Landes erschüttert. Eine gewaltige Tsunamiwelle überrollte die Küste, zerstörte alles und kostete etwa 20.000 Menschen das Leben. In Fukushima ereignete sich daraufhin die schlimmste nukleare Katastrophe seit dem Unfall von Tschernobyl 1986.
Doch in der Politik scheint die Erinnerung an den Super-GAU zu verblassen. Wie die dpa berichtet, drängt Sanae Takaichi, die nationalkonservative Ministerpräsidentin Japans, darauf, die Wiederinbetriebnahme von Reaktoren, die nach der Katastrophe 2011 vom Netz gingen, zu beschleunigen. Ihr Ziel ist es, durch neue Kerntechnologien die Abhängigkeit Japans von teuren, importierten fossilen Brennstoffen zu beenden.

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Nach der Reaktorkatastrophe wurde ein Sperrgebiet ausgewiesen.
Kehrtwende: 15 Reaktoren schon wieder am Netz
Dabei hatte der Super-GAU damals für einen radikalen Stimmungswandel in der Bevölkerung gesorgt. Die Meinung kippte dramatisch gegen die Kernkraft. Sämtliche 54 Reaktoren des Landes mussten für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz gehen. Die Regierung beschloss 2012 sogar den stufenweisen Ausstieg aus der Atomkraft. Diese Entscheidung wurde aber nur zwei Jahre danach wieder aufgehoben, und obwohl die Wiederinbetriebnahme der Anlagen nur langsam anlief, plant Japan seine Zukunft heute wieder fest mit Atomenergie.
Der wohl größte „Wie bitte?!“-Moment dieser Entwicklung: Ausgerechnet der Konzern Tepco, der für das havarierte AKW in Fukushima verantwortlich war, erhielt kürzlich die Erlaubnis, einen Reaktor im weltweit größten Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa am Japan-Meer wieder anzufahren. Inzwischen sind somit 15 von den 33 noch einsatzfähigen Reaktoren in Japan wieder in Betrieb. Gleichzeitig steht Tepco bei der geplanten Stilllegung des Unglücksreaktors Fukushima Daiichi bis 2051 weiterhin vor riesigen Problemen.
Bergung von Brennstoffresten verzögert sich
Die Aufräumarbeiten am Unglücksort kommen kaum voran. Die vollständige Bergung des geschmolzenen Brennmaterials wurde bereits verschoben – von Anfang der 2030er-Jahre auf 2037 oder sogar noch später. Aus dem Reaktorblock 2 konnten bislang nur Proben entnommen werden, die nicht einmal ein Gramm wiegen. Dabei wird geschätzt, dass in den Reaktoren 1 bis 3, in denen es vor 15 Jahren zu den Kernschmelzen kam, noch immer 880 Tonnen an Brennstoffresten lagern.
Große Angst, aber kaum Vorbereitung
Dabei ist die Angst vor der nächsten Katastrophe riesig. Eine aktuelle Umfrage des Roten Kreuzes, über die die «Japan Times» berichtete, zeigt: Über 80 Prozent der Japanerinnen und Japaner rechnen damit, dass ihr Land bald erneut von einem Beben mit ähnlichen Folgen wie 2011 getroffen werden könnte. Das Erschreckende daran: Knapp 70 Prozent von ihnen haben laut eigenen Angaben bislang keine angemessenen Vorkehrungen für einen solchen Fall getroffen. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

