Nach dem Inferno in der Schweiz werden Brandopfer auch nach Deutschland verlegt. Auch eine Klinik in Nordrhein-Westfalen nimmt Opfer auf.
Feuer-Hölle von Crans-MontanaBrandopfer in NRW-Klinik verlegt
Aktualisiert
Das Inferno von Crans-Montana bringt die Schweiz an ihre Grenzen. Die Nachbarländer stehen den Eidgenossen zur Seite – auch Deutschland hilft. Vor allem im medizinischen Bereich ist Unterstützung angesagt.
Denn die Behandlung der zum Großteil schwer verletzten Menschen aus dem Flammendrama in Crans Montana in der Schweiz wird zu einer europäischen Mammutaufgabe. Deutschland ist mit seinen zahlreichen auf Brandfälle spezialisierten Kliniken besonders gefragt.
Bergmannsheil Bochum nimmt Brandopfer auf
Deutsche Spezialkliniken erhielten eine Anfrage zur Behandlung von 40 Opfern, wie die Direktorin der Klinik für Schwerbrandverletzte im Unfallkrankenhaus Berlin, Leila Harhaus-Wähner, dem Sender Welt TV sagte.
Vier Patienten wurden innerhalb kurzer Zeit nach der Katastrophe in der Silvesternacht aufgenommen und die Versorgung weiterer sieben in die Wege geleitet, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Freitagabend (2. Januar) mitteilte.
Das Bergmannsheil Bochum, eine ausgewiesene Fachklinik für Brandopfer, ist mit dabei. Das Schwerbrandverletztenzentrum wurde bereits 1968 als erste Einrichtung dieser Art in Deutschland gegründet, heißt es auf der Website des Krankenhauses.
Wie das Universitätsklinikum mitteilte, wurden zwei Versorgungsplätze in seinem Zentrum für Schwerbrandverletzte zugesagt. Noch ist allerdings unklar, wann die Brandopfer eintreffen. Sie sollen per Flugzeug oder Hubschrauber ins Ruhrgebiet transportiert werden. Angefragt wurde die Klinik nach WDR-Informationen von der zuständigen Koordinierungsstelle in Köln.
Auch das Klinikum in Köln-Merheim verfügt mit seinen zehn Einzelzimmern auf einer speziellen Intensivstation über eine der größten Abteilungen zur Behandlung von Brandverletzungen in Deutschland.
Die Behandlung der Schwerstverletzten kann sich je nach Schweregrad über Monate hinziehen. Die deutschen Kliniken böten darüber hinaus weitere Transport- und Behandlungsmöglichkeiten an.
Schweizer melden keine deutschen Verletzten
Ausgelöst wurde die verheerende Brandkatastrophe nach aktuellem Ermittlungsstand durch leichtsinniges Hantieren mit Sprühfontänen auf Flaschen. Laut Zeugenaussagen und der Auswertung von Videos deute „alles darauf hin, dass das Feuer ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu nah an die Decke gekommen sind“, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Béatrice Pilloud.
Unter den Verletzten waren vor allem Schweizer, Franzosen und Italiener - Deutsche nach ersten Angaben nicht. Über die Identität der 40 Toten machten die Behörden noch keine Angaben.
Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Das französische Paar, das die Bar „Le Constellation“ betreibt, wurde als Zeugen verhört. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals „20 Minuten“ in einem Gespräch.
Sie kooperierten mit den Behörden. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären“, zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.“ Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt.
Anklage wegen fahrlässiger Tötung nicht ausgeschlossen
Die Staatsanwaltschaft prüft unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, Brandschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege, wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte.
Geprüft werde auch, ob Anwesende, die noch leben, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk in Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte.
In Betracht kämen etwa fahrlässige Brandstiftung oder fahrlässige Tötung, sagte Pilloud. Bislang gebe es aber keine strafrechtlich relevanten Anhaltspunkte, betonte sie. (dpa)

