Mehrere Menschen sind in den letzten Tagen beim Baden ertrunken – allesamt Männer. Warum sind gerade junge Männer deutlich häufiger von tödlichen Badeunfällen betroffen?
Hitzewelle in NRW hat tragische FolgenZahl der Toten steigt: Warum sind vor allem Männer gefährdet?

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Badende suchen im Bergischen Land Abkühlung (Archivbild): Warum sind vor allem junge Männer unter den Badetoten?
Es sind Dramen, die sich leider jedes Jahr wiederholen: Sobald es heiß wird, springen Menschen in Flüsse, Kanäle und Seen, um sich abzukühlen. Und unterschätzen dabei die Gefahr.
Auch in diesem Jahr steigt die Zahl der Badetoten in NRW. Auffällig: Es handelt sich meist um junge Männer, die tot aus dem Wasser geholt werden müssen.
Im Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen sterben innerhalb weniger Tage gleich drei junge Menschen. Ein 16-Jähriger verunglückt beim Schwimmen tödlich. Nur einen Tag später geraten zwei Brüder in Not: Der 14-Jährige stirbt im Krankenhaus, sein 19 Jahre alter Bruder stirbt später ebenfalls. Er schwebte zunächst in Lebensgefahr.
Weitere tödliche Unfälle ereigneten sich in Herne, Höxter, Herne, Paderborn, Sassenberg und Kleve.
Vor allem Männer unter den Opfern
Die Zahlen des DLRG deuten auf ein beunruhigendes Muster hin: Die Opfer sind überwiegend jung und männlich. Aber warum?
Felix Rebitschek, wissenschaftlicher Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz an der Brandenburgischen Fakultät für Gesundheitswissenschaften, hat Antworten. In einem Interview mit dem „WDR-Morgenecho“ erklärte er: „Männer haben eine höhere Risikobereitschaft in bestimmten Domänen, vor allem in körperlichen Domänen.“
Wildbaden statt Strand
Doch sei das nicht die vollständige Antwort, es gebe viele weitere Faktoren, etwa wie unterschiedlich Männer und Frauen schwimmen. Männer seien eher an Wildbadestellen als Frauen anzutreffen und nutzten „eher unbeobachtete, nicht-überwachte Gewässer“, sagt Rebitschek. Das ist fatal. Wer ohne Rettungsschwimmer im Wasser in Not gerät, hat so deutlich schlechtere Chancen.
Hinzu komme: „Männer springen eher weniger vorbereitet ins Wasser“ und seien eher alkoholisiert. Das ergebe sich auch aus Fallberichten.
Risikokompetenz statt Risikowahrnehmung
Entscheidend sei dabei nicht nur die Risikowahrnehmung, sondern die Risikokompetenz. „Risikokompetenz bedeutet vor allem auch, tatsächlich die möglichen Konsequenzen der Handlungen abschätzen zu können“, verdeutlicht Rebitschek.
Was für Konsequenzen hätte das zum Beispiel konkret, wenn ich jetzt an der ungesicherten Badestelle reinspringe? „Was für einen Unterschied würde es machen, wenn ich mit und ohne 2,0 Promille baden gehe?“
Besonders gefährlich ist das Baden im Rhein. Nicht umsonst haben viele Städte in NRW seit vergangenem Jahr Badeverbote verhängt: So ist etwa in Köln, Düsseldorf und Duisburg das Baden im Rhein verboten. In Köln patrouilliert das Ordnungsamt am Ufer entlang, um das Verbot durchzusetzen – und auch in diesem Jahr war die Verlockung für viele groß. Dabei drohen hohe Bußgelder bis zu 1000 Euro. (mg)
