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Nach Schüssen auf Düsseldorfer TaxiFahrgäste mit spektakulärer Familiengeschichte

Ein Taxi mit Schusslöchern in der Frontscheibe steht auf der Straße in Düsseldorf.

Ein Taxi mit Schusslöchern in der Frontscheibe steht auf der Straße in Düsseldorf.

Aktualisiert

Nach den Schüssen in Düsseldorf wird immer klarer: Es geht offenbar um den ganz großen Drogenhandel und zusätzlich womöglich auch noch um politisch motivierte Machtkämpfe in der Türkei. EXPRESS.de dröselt die Hintergründe auf.

Wildwest auf der Kaiserstraße, zwei Angreifer durchlöchern ein Taxi geradezu mit Kugeln – die unfassbare Tat am helllichten Tag vom Dienstag gab im ersten Moment Rätsel auf.

Was von den Ermittlungsbehörden bestätigt wurde, ist, dass vier Personen in dem beschossenen Taxi gesessen haben – der Fahrer und drei Fahrgäste.

Verwandte von „Europas Pablo Escobar“

Mindestens zwei von denen haben eine mehr als spektakuläre Familiengeschichte, wie die türkische Zeitung „Sabah“ jetzt enthüllt: Auf dem Beifahrersitz saß Abdullah B., im Fond sein Cousin Çağdaş B. Von den zehn Schüssen, die in den Wagen einschlugen, trafen nach dem „Sabah“-Bericht vier Abdullah B., der nach Medienberichten Influencer sein soll. Vor allem aber ist er der Neffe von Hüseyin B. (69), und Çağdaş ist dessen Sohn.

Und dieser Hüseyin B. war „eine ganz große Nummer“ im internationalen Drogengeschäft, soll Ende der 1990er Jahre damit ein Vermögen von mehr als zehn Milliarden Pfund angehäuft haben. B. wurde seinerzeit als „Europas Pablo Escobar“ bezeichnet – nach dem berüchtigten kolumbianischen Drogenbaron und Terroristen.

B.s Familie soll die Londoner Unterwelt mit Brutalität und Terror regiert haben. Bei einer späteren Durchsuchung von Hüseyin B.'s Haus in London wurde eine „Folterzelle“ entdeckt – darin eine Zange, eine Bohrmaschine, eine Kettensäge, ein Elektroschocker und zwei große Metallhaken an der Decke, die mit dem Stromnetz des Hauses verbunden waren.

1998: Aktion „Schwarze Tulpe“ der niederländischen Geheimdienste

Immer an der Seite des „europäischen Escobar“ war dabei sein Bruder, der – wie sein eigener Sohn – Abdullah heißt. Hüseyin B. ist offenbar kurdischer Nationalist und war Unterstützer und mit seinen Milliarden auch Financier der PKK, später auch der rechtsextremen „Grauen Wölfe“.

1998 starteten die niederländischen Geheimdienste eine Aktion mit dem Namen „Schwarze Tulpe“: Spezialkräfte stürmten frühmorgens die Villa von Hüseyin B., nahmen ihn und seinen Neffen Gıyasettin fest. 2001 wurde der Drogenboss von einem niederländischen Gericht wegen Mordes, Drogenhandels, Folter und weiteren Straftaten zu 22 Jahren Haft verurteilt – die Strafe wurde später in lebenslänglich umgewandelt.

Demo für die Freilassung von Hüseyin B. vor den Schüssen auf der Kaiserstraße auf seinen Neffen.

Demo für die Freilassung von Hüseyin B. vor den Schüssen auf der Kaiserstraße auf seinen Neffen.

Auch B.'s Cousin Nizamettin wurde verurteilt, und zwar in Deutschland – wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Gründung einer terroristischen Vereinigung und Ausfuhr von illegalen Drogen zu 15 Jahre Haft. Und Hüseyin B.'s Bruder Abdullah wurde in Großbritannien inhaftiert, 2011 freigelassen – er kehrte in die Türkei zurück.

Demo „Freiheit für Hüseyin B.“ vor den Schüssen in Düsseldorf

Um all das ging es tatsächlich auch am Dienstag kurz vor den Schüssen auf der Kaiserstraße: Zuvor hatte es vor dem niederländischen Generalkonsulat am Benningsen-Platz (direkt neben dem Kennedydamm in Golzheim) eine Demonstration „Freiheit für Hüseyin B.“ gegeben, an der sein Sohn und sein Neffe nach Informationen von „Sabah“ teilgenommen hatten.

Nach den Schüssen auf der Kaiserstraße in Düsseldorf: Der Vater des lebensgefährlich Verletzten schwört auf TikTok Rache.

Nach den Schüssen auf der Kaiserstraße in Düsseldorf: Der Vater des lebensgefährlich Verletzten schwört auf TikTok Rache.

Bei der Abreise von der Kundgebung nahmen sie die Route über die nahegelegene Fischerstraße, die dann zur Kaiserstraße wird, in Richtung Innenstadt. Als das Taxi auf der vierspurigen Straße verkehrsbedingt langsamer wurde, sprangen die Angreifer aus einem anderen Auto und eröffneten sofort das Feuer. Dann flohen sie mit demselben Wagen, mit dem sie gekommen waren. Abdullah B., der als einziger Insasse getroffen wurde, liegt immer noch schwer verletzt im Krankenhaus – offenbar besteht immer noch Lebensgefahr.

„Ich werde persönlich antworten“

Sein Vater aus der Türkei kündigte auf Social Media Rache an den Tätern an. Und auch sein Onkel reagierte aus der Haft mit einem Post, der allerdings später gelöscht wurde: „Wer auch immer einen so abscheulichen, verräterischen und verräterischen Angriff ausführt, dem werde ich persönlich antworten.“

Die Sorge, dass in Düsseldorf ein Drogenkrieg ausbrechen könnte, teilt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft nicht, „weil das Opfer nicht in Düsseldorf wohnt, sondern nur für die Demo angereist ist“, sagt Staatsanwalt Murat Ayilmaz im Gespräch mit dem EXPRESS. Die Aussagen der Familie in den sozialen Medien seien seiner Behörde bekannt.