Die Düsseldorfer Band Broilers spielte am das größte Konzert ihrer Geschichte. Am Einlass gab es zuvor Unmut.
48.000 Fans im StadionBand spielt größtes Konzert ihrer Geschichte

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Vor 48.000 Fans spielten die Broilers ihr bislang größtes Konzert.

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Kurz nachdem Cheerleader den „Ultrabowl“ (in Anspielung auf das Football-Turnier Superbowl in den USA) für die Broilers eröffnen und die Band auf die Bühne tritt, verwandelt sich das Düsseldorfer Stadion am Samstagabend (11. Juli) in ein Meer aus Moshpits und Bengalofeuern.
Bei immer noch 30 Grad mischt sich der Geruch von Schießpulver schnell mit dem vom Schweiß springender und tanzender Menschen.
Mischung aus Punk, Rock und Pop kommt bei vielen an
Der Unmut mancher vom Einlass ist da bereits vergessen: Das Sicherheitspersonal hatte, anders als im Vorfeld angekündigt (da hieß es noch: Nur fest verschlossene Tetrapaks sind erlaubt), mindestens am Eingang Nord-Ost nur Wasser-Tetrapaks ohne Deckel zugelassen. Wie Fans auf Instagram berichten, klappte es an anderen Eingängen offenbar ohne Probleme, verschlossene Behälter mitzunehmen.
Eine Sprecherin vom Veranstalter DLive sagte, dass das Vorgehen Standard sei, weil Deckel solcher Tetrapaks auch als Wurfgeschosse genutzt werden könnten.
Die Düsseldorfer Band gibt bei ihrem bislang größten Konzert jemals in den ersten sechs Songs ein rastloses Tempo vor, knallt Hymne nach Hymne raus. Erst dann erlaubt sich Sänger Sammy Amara eine kurze Verschnaufpause mit Erzählungen aus mehr als 30 Jahren Bandgeschichte. Gestartet als Schülerband mit Größenwahn, ein Ausflug in die „Oi!“-Szene – kurz gesagt linke Skinheads – und heute eine Mischung aus Punk, Rock und Pop, die bei einer breiten Masse punktet.
„Schaut uns an, wohin wir gekommen sind“, sagt Sammy Amara etwas ungläubig im Angesicht der ausverkauften Merkur-Spiel-Arena. Der folgende Song „In ein paar Jahren“ passt dazu so gut wie kein anderer: „Vor ein paar Jahren sollte alles brennen/ Und vor uns lag, wo wir heut stehen / In ein paar Jahrn, frag mich was Leichteres / Ich muss die Welt in Flammen sehen“.
Broilers: Song gegen Alice Weidel
Als Band mit Punk-Wurzeln darf die Positionierung gegen Rechts nicht fehlen: „Wir können nichts dazu, wo wir geboren sind, wen wir lieben oder welche Haut- oder Haarfarbe wir haben. Wir können nur Verantwortung dafür übernehmen, was wir sagen“, sagt Sammy Amara. „Und ich möchte ein möglichst guter Mensch sein.“
Es folgt einer der politischsten – und besten – Broilers-Songs über eine gewisse rechte Politikerin namens Alice, die mit einer gewissen Sarah verheiratet ist – Ähnlichkeiten zu realen Personen sind vollkommen beabsichtigt.

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Sänger Sammy Amara beim Broilers-Konzert in der Merkur-Spiel-Arena in Düsseldorf
„Hol deine Frau ab, Sarah / Sie redet wieder Nazi-Dreck / Nimm sie fest in den Arm / Nimm ihr die Streichhölzer weg“ – man würde sich wünschen, Weidels Ehefrau Sarah Bossard würde es beherzigen.
„Brrrpppa“ – macht Amara in dem Song, „ja, brrrpppa heißt: Nazis raus“, sagt er, während hinter ihm ein großes rotes Herz mit dem Slogan prangt: „Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat“. Damit pikst er das Wespennest Publikum erfolgreich an, „Nazis raus“ zu skandieren. Ist eben immer noch eine Punkshow, so!
Konfliktscheuer zeigt sich Sammy Amara bei „In 80 Tagen um die Welt“. Eigentlich gibt’s in dem Song über Bierchen aus allen Teilen der Erde die fiesen Zeilen: „Fast Zuhaus' am Vater Rhein / Flogen wir noch in Kölle ein / Das Bier, der Domstadt ist bekannt / Gehasst, verpönt im ganzen Land“ – aber die singt er nicht. „Zwei von uns waren gestern noch bei Wolfgang Niedecken“, gibt er zu. „Ich habe kein Problem mit Köln – und schon gar nicht mit Wolfgang Niedecken“, sagt Amara – wenn das, aus dem Mund eines Düsseldorfers - mal kein Zeichen für Toleranz ist!
Ein Highlight des Abends ist dann „Ist da jemand?“ – der wolkenfreie Himmel schon fast dunkel, schallen Amaras Worte aus den Kehlen des Publikums zurück. „Ist da jemand, jemand da draußen? Der so fühlt wie ich?“ – heute Nacht sind es etwa 48 000.
„Ich war gestern schon traurig, wenn das hier vorbei ist“, sagt der Sänger. Und: „Das kickt jetzt schon rein, dass ihr diesen Traum wahrgemacht habt.“ Zweieinhalb Stunden, bis nach 23 Uhr, powert und schwitzt die Band als würde sie sich nicht trauen, den Moment zu beenden, bis sie die Fans und sich selbst mit Tränen in den Augen und einem Feuerwerk überm Stadiondach beseelt entlässt.

