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Stadionsprecher bei WerderArnd Zeigler: „Habe ganz viele nette Worte über den FC“

Arnd Zeigler in seinem wunderbaren Fußball-Studio

Copyright: WDR/Jörg Müller

Sonntags um 22.15 Uhr im WDR Fernsehen erzählt Arnd Zeigler die besten Fußballgeschichten der Woche. Und gerade ist er mit seinem Programm „Immer Glück ist Können“ auf Tour. Shows gibt es unter anderem am 6. Mai in Bonn. 

Aktualisiert:

Der Sportjournalist und Moderator  Arnd Zeigler hat mit uns über Fußballstars ohne Ecken, einen Bösewicht als Fifa-Chef, die WM 2026 und den 1. FC Köln gesprochen.

Jede Woche führt er den geneigten Fan des Rasenballsports durch „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, ist zudem Stadionsprecher bei Werder Bremen. Arnd Zeigler schuf das „Kacktor“ – der Begriff hat es bis nach England geschafft, selbst der „Guardian“ griff ihn auf.

Fußball ist für Zeigler nicht nur schönste Nebensache der Welt, sondern Beruf. Aktuell ist er auf Tour – und gastiert mit seinem Programm „Immer Glück ist Können“ beispielsweise am 6. Mai im Bonner Brückenforum. Vorher hat er sich aber noch Zeit genommen für einen großen Talk mit dem EXPRESS. Dabei sprach er auch über den 1. FC Köln, der am Sonntag seinen Herzensverein von der Weser empfängt.

Arnd Zeigler: Fußball begleitet uns das ganze Leben

Herr Zeigler, ein Geständnis vorweg: Sie haben es hier mit einer überzeugten Nicht-Fußball-Guckerin zu tun...

Arnd Zeigler: Nicht schlimm. Nach meinen Auftritten sprechen mich oftmals Leute an – ich stehe danach meist noch an meinem Stand, trinke noch ein Bier, mache Fotos, unterschreibe Bücher. Die sagen: „Ich bin nur mitgeschleppt worden, mich interessiert Fußball gar nicht, aber das war trotzdem ein schöner Abend.“ Das ist für mich das schönste Lob. Es ist ganz schwierig, nicht-fußballaffinen Menschen zu erklären, was an diesem Spiel so toll ist. Das ist das Hauptthema meiner Auftritte. Eigentlich bringt der Fußball an sich viele Ärgernisse mit.

Welche Ärgernisse meinen Sie?

Arnd Zeigler: Man ärgert sich, dass der Verein so oft verliert, bezahlt viel Geld, reist der Mannschaft hinterher, nimmt dafür Urlaubstage. Manchmal sitzt man im Stadion und es regnet durchgehend, es ist zwei Grad plus, man ist mit dem Auto sechs Stunden unterwegs. Trotzdem macht man das mit.

Warum?

Arnd Zeigler: Meine Theorie ist: Der Fußball ist eines der wenigen Hobbys, die einen das ganze Leben begleiten können. Du kannst als Fünfjähriger Fußballfan sein – und als 90-Jähriger immer noch. Und: Ich könnte mich in meinem ganzen Leben an Fußballereignissen orientieren und wüsste anhand wichtiger Spiele ganz genau, wo ich war und was in meinem Leben parallel passiert ist.

Sie sind in Bremen geboren, wuchsen aber in Kirchweyhe auf – also eher ländlich. Welche Bedeutung hat der Dorf-Fußball?

Arnd Zeigler: Ich war im örtlichen Fußballverein, konnte aber auch oft nach Bremen zu Werder fahren, da hat mein Papa mich immer zu Spielen im Weserstadion gefahren und abgeholt. Es gibt einen schönen Kontrast zwischen hochklassigem Hochglanzfußball und Fußball auf dem Dorf, wo man mit acht Zuschauern auf der Tribüne steht und eine Wurst isst, wo der Verein Bezirksliga spielt und die Spieler alle einen leichten Bauchansatz haben. Es ist trotzdem Fußball. Es ist auch eine der wichtigsten Entwicklungen in meiner Fernsehsendung, die es seit inzwischen 19 Jahren gibt, dass wir uns auch um den kleinen Fußball kümmern. Da ist noch nicht alles durchkommerzialisiert.

Stichwort Kommerz. Das war ja auch bei den Profis nicht immer so wie heute. War es früher besser?

Arnd Zeigler: Vieles war einfacher, faszinierender und überschaubarer. In meinen ersten vier Jahren als Fußballfan – etwa ab meinem zehnten Lebensjahr – gab es vier verschiedene Deutsche Meister. Wer heute 15 ist, kennt keinen anderen Deutschen Meister als die Bayern – außer das eine Mal, als Leverkusen Meister wurde. Es ist alles vorhersehbarer geworden.

Fehlt es auch an Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten? Ich denke da zum Beispiel an einen Olli Kahn

Arnd Zeigler: Die Fußballer sind heute alle viel behüteter. Die Spieler damals hatten ein viel normaleres Leben und auch keine Beraterfirmen, Rhetoriklehrer und Leute, die Interviews dreimal gegenlesen, bevor sie veröffentlicht werden. Man bekam vieles ungefilterter mit.

Sie sagen aber auch: Es steckt viel Gutes im Fußball. Was ist es?

Arnd Zeigler: Meinen Sohn, der inzwischen erwachsen ist, habe ich durch seine gesamte Jugendfußballzeit begleitet. Er spielte in Jugendmannschaften mit Portugiesen, Polen, Russen, Libanesen, Deutschen und so weiter, und niemand wäre auf die Idee gekommen, dass es komisch ist, dass der andere eine andere Nationalität und andere Lebensgewohnheiten hat. Das ist das Tolle bei Mannschaftssportarten. Außerdem ist trotz aller Vorhersehbarkeit jedes Fußballspiel noch eine Wundertüte, wo theoretisch immer etwas Tolles passieren kann.

... und die härtesten Männer und Frauen zum Weinen bringt ...

Arnd Zeigler: Fußball entwickelt eine emotionale Wucht, die nicht immer erklärbar ist. Fußball lebt von Leidenschaft. Man ist ein besserer Spieler, wenn man für den Verein brennt. Man ist ein besserer Trainer, wenn jeder sieht, wie man an der Seitenlinie brennt.

Dieses Jahr steht die Fußball-Weltmeisterschaft an, unter anderem in den USA. Ist das eine gute Idee?

Arnd Zeigler: Das ist mit Sicherheit keine so gute Idee, und die Idee wird zunehmend immer schlechter. Vor zwei Jahren hat man das womöglich noch anders gesehen. Bis vor ungefähr acht Jahren habe ich mich auf jede WM gefreut – dann kam das Turnier in Russland, dann Katar, jetzt USA und Mexiko und Kanada, dann als Nächstes Saudi-Arabien. Es wird immer schwieriger, sich unbefangen darauf zu freuen. Man hat das Gefühl, Gianni Infantino, dem Fifa-Präsidenten, ist es komplett egal, was die Leute haben wollen, solange er es maximal vermarkten kann. Das ist eine verheerende Entwicklung. Ich werde die WM trotzdem angucken, aber distanzierter.

Gianni Infantino und Donald Trump grinsen sich eins beim Selfiemachen

Copyright: Evan Vucci/AP/dpa

Eine der laut Arnd Zeigler bizarrsten Szenen im Weltfußball: Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) macht ein Selfie mit US-Präsident Donald Trump, der den Fifa-Friedenspreis erhalten hat.

Der Fifa-Friedenspreis für Trump hat’s nicht besser gemacht, oder?

Arnd Zeigler: Nein, das war wahrscheinlich eine der bizarrsten Szenen der letzten Jahre. Dass er sich die Medaille auch noch selbst gegriffen und umgehängt hat … Hätte der Fußball nicht schon längst seine Unschuld verloren, hätte er sie in diesem final Moment verloren. Vor Gianni Infantino hatten wir Sepp Blatter, und den haben alle schon für einen Schurken gehalten. Aber gegen Blatter ist Infantino ein Bösewicht auf finsterstem James-Bond-Superschurken-Niveau. Wir haben ihn in meiner Sendung auch schon mit Fantomas und James Bonds Widersacher Blofeld gleichgesetzt. Er steht für nichts Gutes im Fußball.

Wird die deutsche Mannschaft die WM durch ein Ausscheiden in der Vorrunde boykottieren?

Arnd Zeigler: Boykottiert wird, glaube ich, nichts. Ich denke nicht, dass Deutschland ein Favorit ist oder sehr weit kommen wird. Aber man kann bei Deutschland immer davon ausgehen, dass sie bei solchen Turnieren gut drauf sind und eine bessere Leistung liefern werden als in Katar.

Mit welchem Fußballprofi würden Sie gerne mal ein Bierchen auf der Terrasse trinken?

Arnd Zeigler: Mit Éric Cantona – der inzwischen wieder in Frankreich lebt, lange in England gespielt hat und ein unfassbar eleganter Fußballer war, eine extreme Persönlichkeit, der jetzt auch Schauspieler ist. Ich arbeite daran, ihn irgendwann mal treffen zu können – bislang noch nicht von Erfolg gekrönt.

Apropos kein Erfolg. Der 1. FC Köln hat oft Pech. Haben Sie ein paar nette Worte für unseren Verein?

Arnd Zeigler: Ich habe sogar ganz viele nette Worte für den 1. FC Köln! Mein großer Sohn wurde in Köln im Weyertal geboren. Durch den WDR habe ich eine enge Verbindung zum FC. Wann immer Werder in Köln spielt, versuche ich, dabei zu sein. Oft auch auf Einladung vom FC. In den letzten Jahren habe ich mich oft mit Wolfgang Niedecken getroffen, den ich sehr mag. Ich habe ihn persönlich kennengelernt bei einem Spiel von Werder gegen den FC, da hat der FC 7:1 gewonnen. Man lernt viel über Menschen, wenn man sie in solch einem Moment trifft. Er war sicher voller Begeisterung und Freude, aber er hat gemerkt, dass es mir nicht gut ging, und hat mich getröstet. Das sind auch die zwischenmenschlichen Seiten, die den Fußball so schön machen.

Arnd Zeigler: Radiomoderator, Journalist, Stadionsprecher

Arnd Zeigler, geboren am 7. Juli 1965 in Bremen, ist Journalist, Sportmoderator und Stadionsprecher im Bremer Weserstadion. Ab 1989 für den Radiosender Bremen Vier tätig, zwischen 1992 und 2001 auch als Radiomoderator für den WDR in Köln. Ab 1992: Radiokolumne „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ (ZwWdF) mit lustigen Sprüchen und Versprechern aus dem Fußball (Bremen Vier). Seit 2007 im WDR Fernsehen: „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“.

Von 2007 bis 2024 (mit einer zweijährigen Unterbrechung) bei Bremen Vier, später Bremen Zwei, außerdem die Musiksendung „Zeiglers wunderbare Welt des Pop“. Im September 2024 wurde diese Sendung eingestellt, in der Folge verabschiedete sich Zeigler aus dem Radio, auch mit ZwWdF. 2011: Auszeichnung zum Sportjournalisten des Jahres. Zeigler hat einen Sohn und eine Tochter aus verschiedenen Beziehungen. Aktuell ist er auf Tour mit seinem Live-Programm „Immer Glück ist Können“.

Die Spieler des SV Elversberg bilden vor dem Anstoß einen Kreis.

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Topspiel in Elversberg – Abstiegskampf in Bochum