Nick Cave & The Bad Seeds legen auf dem Bonner KunstRasen einen fulminanten Auftritt hin. Der Australier zelebriert seine Songs voller Intensität und begeistert die Menge beim ausverkauften Open Air.
Rock-Sternstunde am RheinFans tragen Nick Cave in Bonn auf Händen

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Nick Cave genoss es, sich bei seinem Auftritt am Dienstagabend (25. August 2026) in Bonn von der Menge tragen zu lassen.

Nein, Berührungsängste hat Nick Cave wahrlich nicht. Ein fester Fußtritt in die Luft, dann stürmt der 68-Jährige direkt beim ersten Song „Get Ready For Love“ die Treppe von der Bühne herab und sucht den Kontakt zu den 10.000 Besuchern.
Auch beim zweiten Lied „From Her to Eternity“ wühlt er sich durch die zahllosen Hände, die ihm entgegengestreckt werden, spendet und sucht Trost. Der Australier ist der Großmeister der düsteren Schwere, ein Romantiker der Rockmusik.
Nick Cave & The Bad Seeds: 10.000 Fans auf ausverkauftem KunstRasen
Zwei seiner Söhne verstarben im vergangenen Jahrzehnt, im Alter von 15 und 31 Jahren. Den Schmerz und die Trauer verarbeitet der Künstler mit dem pechschwarzen Haar und den Maßanzügen gerne in seinen Songs voller Intensität und wuchtigem Rock.
Auf dem Bonner KunstRasen zeigt Cave am Dienstagabend (25. August 2026), dass er den Lebensmut wiedergefunden hat. Vom ersten Ton an zieht er das Publikum auf der ausverkauften Open-Air-Fläche in seinen Bann. Großen Anteil hat daran auch seine Band, The Bad Seeds, die seit 1983 in unterschiedlichen Besetzungen zusammen agiert.
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Warren Ellis beispielsweise wirbelt mit seiner Geige so besessen durch die Gegend, dass ihm der Geigenbogen wegfliegt. Immer wieder tritt er den Mikrofonständer um und unterstützt die Titel mit seiner hohen Falsett-Stimme, um einen Gegenpol zu Caves tiefem Bariton zu setzen.
„Cave lebt seine Songs nicht nur, er durchleidet sie“, urteilte jüngst jemand über den außergewöhnlichen Star, der von Hoffnung, Endzeitstimmung und Erlösung gleichermaßen singt. Zwischen diese monströse, epische Wucht der Titel streut sich auch etwas Leichtigkeit ein.

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Voller Einsatz, unbändige Energie. Nick Cave gab bei seinem zweieinhalbstündigen Auftritt alles.
„Das nächste Lied habe ich in Berlin geschrieben“, moderiert er „Train Long-Suffering“ an. Er wisse aber nicht, ob es eine gute Idee sei, das in Bonn zu erwähnen. „Ich habe es in Deutschland geschrieben“, schiebt er grinsend nach. Als Bassist Colin Greenwood vor dem Song „Carnage“ noch seinen Bass stimmen will, bremst ihn der Frontmann: „So was machen wir nicht. Das gibt es nur bei Radiohead“, sagt er mit Verweis auf die zweite Band, für die der 57-Jährige spielt.
Der großen Masse ist Cave 1995 bekannt geworden, als er mit Kylie Minogue das Duett „Where the Wild Roses Grow“ sang. Den vermeintlich größten Hit seiner Karriere spielt er aber nur selten live. Auch in Bonn fehlt der Song. Trotzdem füllt der Rock-Priester Hallen und Festivals, ohne in den Charts aufzutauchen.

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Zwischendurch setzte sich Nick Cave immer wieder ans Piano, um ruhigere Töne zu spielen.
„O Children“ ist einer der eher bekannteren Songs. „Red Right Hand“ feiern nicht nur die Fans der Serie „Peaky Blinders“, deren Titellied das Lied ist. Caves Musik wirkt immer komplexer und abstrakter, reißt in der Live-Darbietung mit zehnköpfiger Begleitung samt beeindruckendem Chor aber unfassbar mit. Da mischen sich Gospel-Elemente mit Blues, Rock und etwas Punk. Vor „Tupelo“ sorgt der durchdringende Bass dafür, dass die Blätter in der Rheinaue von den Bäumen rieseln.
Als Backgroundsängerin Janet Reynolds zu „Henry Lee“ dazukommt, seufzen alle vor Entzückung. „The Mercy Seat“ reißt wuchtig mit. Bei „Papa Won’t Leave You, Henry“ trägt das Bonner Publikum den Star endgültig auf Händen. Der gibt viel Lob zurück, vor allem, als die Menge bei „The Weeping Song“ perfekt im Rhythmus klatscht. Das habe in vier Monaten auf der Tour nicht funktioniert. „Nun, im vorletzten Konzert, ist es brillant, weil Bonn natürliches Rhythmusgefühl hat.“

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Nick Cave suchte den Halt bei den Fans und die griffen gerne nach dem großartigen Künstler.
In „Jubilee Street“ treibt die Band ihren Frontmann in regelrechte Ekstase. Eine genüssliche 14-minütige Version von „Hollywood“ rundet das Hauptprogramm ab. „Und ich warte jetzt nur auf den Frieden. Damit der Friede kommt“, sind die letzten Worte, die der 68-Jährige in die Dunkelheit singt.
Beim Blick auf die Uhr zeigt sich, dass statt der sonst üblichen fünf Zugaben nur noch Platz für drei Titel ist. „City of Refuge“, „Cinnamon Horses“ und das leise, ohne Band vorgetragene „Into My Arms“ runden eine zweieinhalbstündige Sternstunde ab. Dieser Abend war der schaurig-schöne KunstRasen-Konzert-Höhepunkt des Sommers.

