Kölner Brüder attackiertGewalt-Eklat: Nach Sensations-Sieg in der 97. Minute fliegen die Fetzen

Jubel bei Blau-Weiß Königsdorf nach dem Siegtreffer gegen den Bonner SC.

Nach dem Sensations-Sieg von Blau-Weiß Königsdorf gegen den Bonner SC kam es zu unschönen Szenen auf dem Platz.

von Thomas Werner (tw)

Es war das dramatische Ende einer emotionalen Partie: Als Tobias Jendrossek, Stürmer von Blau-Weiß Königsdorf, am Sonntag (28. Mai 2023) nach einem Konter in der 97. Minute zum 2:1 gegen den haushohen Favoriten Bonner SC einschob, brachen auf dem Sportplatz im Frechener Stadtteil alle Dämme.

Mit dem Sieg hat sich der Aufsteiger im Abstiegskampf der Mittelrheinliga (5. Liga) Luft verschafft, für den BSC sind nach der Niederlage wohl alle Träume in Sachen Aufstieg in die Regionalliga West beendet.

Gewalt-Szenen nach Abpfiff: Sieg von Blau-Weiß Königsdorf rückt in den Hintergrund

Doch es sind vor allem die Szenen nach Abpfiff, mit denen die Partie nun Schlagzeilen macht – und die sind trotz des packenden Verlaufs (Bonn hatte erst in der 93. Minute zum 1:1 ausgeglichen) negativer Natur. Denn nach Abpfiff flogen die Fetzen!

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Ein Video, das EXPRESS.de vorliegt, zeigt die Szenen: Mehrere Minuten nach Abpfiff wird dort ein Spieler des Bonner SC (gebürtiger Kölner) sowie dessen Bruder von mehreren Personen attackiert. Die beiden Männer wehren sich, teilen selbst aus, später stürmen andere Zuschauer und Einsatzkräfte der Polizei (sind wegen der großen Fan-Gemeinde bei allen BSC-Spielen vor Ort) das Spielfeld.

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Bereits zuvor war es zu Gewalt-Szenen gekommen, als die Bonner Spieler das Gelände in Richtung der Kabinen verlassen wollten. Das kursierende Video zeigt jedoch erst die Szenen, als die Situation ein zweites Mal eskaliert.

Der Grund für den Zoff: Einige Zuschauer sollen den BSC-Spieler während der Partie beleidigt haben, auch rassistische Begriffe sollen gefallen sein. Die derben Sprüche flogen hin und her, auch sein Bruder hatte sich eingeschaltet und wurde später mit attackiert.

Sehen Sie hier den Spielbericht (ohne die Szenen nach Abpfiff):

Laut EXPRESS.de-Informationen sollen die Täter keinem der Vereine angehören, sondern zur Unterstützung eines einzelnen Königsdorfer Spielers am Gelände gewesen sein. Beide Vereine geben an, die Personen nicht zu kennen. Die Polizei, die nach der Schlägerei mit Verstärkungskräften anrückt, schreibt zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung.

„Es tut mir sehr leid, was passiert ist. Wir verurteilen Gewalt in jeder Form. Aber ich kenne die betreffenden Personen nicht“, sagt BW-Trainer Albert Deuker gegenüber EXPRESS.de. Von Seiten des Vereins habe man in Sachen Sicherheits-Konzept aber seine Hausaufgaben gemacht.

Königsdorf gegen Bonn: Täter gehören offenbar keinem der Vereine an

Auch der Bonner SC, zuletzt schon durch Ausschreitungen beim Spiel gegen den FC Pesch gebeutelt (EXPRESS.de berichtete), gibt sich zurückhaltend. „Gewalt hat im Fußball nichts zu suchen. Ganz wichtig ist es für uns, dass die Aggression nicht von den Bonner Fans ausging“, sagt Geschäftsstellenleiter Dietmar Sebus.

Auf Facebook veröffentlichte der Verein ein Statement, in dem auch Kritik laut wird. Vom eigenen Spieler habe man sich eine „deeskalierende Reaktion“ gewünscht. Auf dem Video ist zu sehen, wie der BSC-Akteur (Name der Redaktion bekannt) mit einem wilden Faustschlag einen der Täter nur knapp verfehlt. Auch von Seiten der Fans seien „Grenzen überschritten“ worden, schreibt der BSC, auch wenn die Anhänger zunächst nur den Spieler und seinen Bruder hatten schützen wollen.

Wie der Fall weitergeht, ist aktuell noch offen. Hinter den Kulissen werden weiter Informationen gesammelt. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Auch ein Termin vor einem Sportgericht des Fußball-Verbandes Mittelrhein (FVM) ist denkbar.

Das Thema Gewalt im Fußball ist aktuell wieder in aller Munde, nicht nur auf lokaler Ebene. Bei einem Jugendturnier in Frankfurt war an Pfingsten ein 15-Jähriger aus Berlin von einem französischen Gegenspieler so schwer an Kopf und Hals verletzt worden, dass er mittlerweile als hirntot gilt. Gut also, dass der Fall aus Frechen nicht annähernd diese Dimensionen angenommen hat.