Ausgefallene oder verspätete Flüge sorgen für Ärger – viele Verbraucher ziehen deshalb vor Gericht. Ganz besonders häufig in Köln.
Urlaubsfrust statt UrlaubsfreudeKöln bei diesen Verfahren bundesweiter Spitzenreiter
In dieser Rangliste ist Köln Spitzenreiter – doch freuen dürften sich darüber die Wenigsten. Denn es geht um Urlaubsfrust statt Urlaubsfreude.
Verspätete oder stornierte Flüge stellen die Justiz zunehmend vor Herausforderungen. Bei den 19 Gerichten an Standorten mit größeren Flughäfen in Deutschland gab es im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Richterbundes mehr als 121.000 Entschädigungsfälle von Reisenden. Das waren 44 Prozent (rund 37.000 Klagen) mehr als fünf Jahre zuvor, wie es hieß.
Amtsgericht Köln bundesweit Spitzenreiter
Ganz weit vorne: das Amtsgericht Köln – und das, obwohl die Zahl der eingegangenen Entschädigungsklagen gegen Fluglinien und Reiseveranstalter zuletzt deutlich gesunken ist.
Dennoch liegt die Behörde bundesweit noch immer an der Spitze. Nach Angaben des Deutschen Richterbundes forderten 22.491 Verbraucher im vergangenen Jahr in Köln Entschädigungen für ausgefallene oder verspätete Flüge. 2024 hatte die Zahl der Fälle noch bei knapp 41.300 gelegen.
Laut Richterbund ist der Rückgang in Köln darauf zurückzuführen, dass die Lufthansa verstärkt außergerichtliche Einigungen mit den beteiligten Dienstleistern angestrebt habe, um Klagen abzuwenden. Seit Jahresbeginn zeichnet sich nach Verbandsangaben am Gericht allerdings wieder eine Trendwende und eine Zunahme der Verfahren ab.
Die Zahl der Klagen war in den Jahren 2023 und 2024 sowohl in Köln als auch bundesweit stark gestiegen. Ein Grund dürfte sein, dass nach der Corona-Pandemie wieder mehr Menschen geflogen sind. Dass das Aufkommen in der Domstadt vergleichsweise hoch ist, liegt auch daran, dass neben dem Flughafen Köln-Bonn auch die Lufthansa - Europas größter Luftverkehrskonzern - ihren juristischen Firmensitz dort hat.
Fluggäste haben nach Justizangaben die Wahl, ob sie am Sitz der Gesellschaft oder am Abflugort vor Gericht ziehen. Zunehmend nutzen Menschen Portale, um ihre Ansprüche schnell und einfach durchsetzen zu können.
Düsseldorf auf Platz vier
Die Amtsgerichte an den 19 größten Flughäfen in Deutschland registrierten 2025 insgesamt mehr als 121.100 neue Verfahren. Das ergab eine Befragung der „Deutschen Richterzeitung“. 2024 waren an den 20 größten Flughäfen, damals noch inklusive des Berliner Flughafens Tegel, fast 130.900 ermittelt worden.
Neben Köln lag im vergangenen Jahr mit Düsseldorf auf Platz vier ein weiterer NRW-Flughafen bundesweit in den Top 10. In der Landeshauptstadt gingen knapp 12.400 Klagen ein - rund 1.400 mehr als 2024. Beim Amtsgericht Dortmund war die Zahl mit gut 1.900 zuletzt etwas niedriger als im Jahr zuvor, in Steinfurt für den Flughafen Münster/Osnabrück mit 1.350 etwas höher.
„Die zuständigen Amtsgerichte kommen mit der Erledigung der Klageflut kaum noch hinterher“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn. Durch Künstliche Intelligenz gestützte Richterassistenzsysteme sollen künftig schnellere Bearbeitungen ermöglichen und die Gerichte entlasten. Die Einführung lässt laut Rebehn aber auf sich warten.
Deutliche Zunahme in Brandenburg und Frankfurt
Auch an den anderen Flughafen-Standorten machen Verfahren von Fluggästen nach den Angaben an vielen Gerichten inzwischen deutlich mehr als die Hälfte aller Zivilfälle (etwa 60 Prozent) aus. Bei dem für den Hauptstadtflughafen BER zuständigen Amtsgericht Königs Wusterhausen liegt deren Anteil sogar bei 93 Prozent. Die steigenden Zahlen stellten das Gericht „dauerhaft vor erhebliche Herausforderungen“, teilte ein Sprecher mit.
19.239 Entschädigungsklagen von Reisenden landeten laut Richterbund 2025 bei dem Gericht in Brandenburg - rund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Im bundesweiten Vergleich landete das Gericht damit auf Platz drei hinter Köln und dem Amtsgericht Frankfurt mit 19.374 Klagen (2024: rund 16.000 Fälle).
Nicht genug KI-Unterstützung
Die Justiz ist aus Sicht des Richterbundes dafür nicht ausreichend gewappnet. „KI-gestützte Richterassistenzsysteme, die eine schnellere Bearbeitung dieser gleichförmigen Massenfälle ermöglichen, befinden sich weiterhin in der Testphase“, sagte Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur.
Es fehle eine fertige Standardsoftware, die Fälle in Sekundenschnelle erfasse, mit Urteilen vergleiche, Ansprüche herausfiltere und Entscheidungsvorschläge mache. „Diese KI-Assistenz würde Verfahren vereinfachen und die Gerichte spürbar entlasten“, so Rebehn. (dpa)


