Mitten in der Kölner Innenstadt – wie ich Zeuge eines versuchten Diebstahls werde.
Am helllichten Tag in der Kölner CityUnfassbar – hier will ein Rollstuhlfahrer ein E-Bike knacken

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Ein Rollstuhlfahrer will ein E-Bike in der Kölner Innenstadt klauen.

Kurz nach 10 Uhr, Gertrudenstraße in Höhe des Willy-Millowitsch-Platzes in der Kölner City: Am helllichten Tag werde ich als EXPRESS.de-Redakteur ungewollt Zeuge eines versuchten Diebstahls.
Eine wirklich kuriose Szene, die ich zuerst nicht glauben kann. Denn der vermeintliche Dieb sitzt im Rollstuhl.
Kölner Innenstadt: Fahrrad-Klau-Versuch am helllichten Tag
Menschen laufen an dem Freitagmorgen vorbei, nichts deutet auf einen Diebstahl hin. Dann fällt mir der Mann auf: Er sitzt im Rollstuhl, direkt an einem abgestellten E-Bike, und hat ein Werkzeug in der Hand – es sieht aus wie ein Taschenmesser. Immer wieder rammt er es in das Fahrradschloss und versucht offenbar, es aufzubrechen.
Es handelt sich nicht um irgendein Rad, sondern um ein ziemlich hochwertiges E-Bike. Zusammen mit meinem Sohn beobachte ich den Mann. Wir machen schnell ein Beweisfoto. Dann scheint er zu merken: Das klappt nicht – und außerdem wird er beobachtet. Er lässt vom Schloss ab und macht sich aus dem Staub.
Genau in diesem Moment kommt die Besitzerin um die Ecke. Ich spreche sie an und erkläre ihr, dass da gerade jemand an ihrem Schloss war und versucht hat, es aufzubrechen. Erst vor einer Woche sei ihr bereits der Tacho, also die Armatur des E-Bikes, geklaut worden, sagt sie.
Und jetzt das: Als die Frau ihr Schloss mit dem eigenen Schlüssel öffnen will, geht der Schlüssel zwar noch einigermaßen hinein – lässt sich aber nicht mehr drehen. Der Mann hat das Schloss mit seinem Werkzeug offenbar so beschädigt, dass es komplett blockiert. Sofort läuft die Besitzerin dem Mann im Rollstuhl hinterher, findet ihn tatsächlich und stellt ihn zur Rede. Er streitet natürlich alles ab.
Schlüssel passt nicht mehr – Schlüsseldienst rückt an
Am Ende bleibt ihr nur, einen Schlüsseldienst zu rufen. Der muss das Schloss mit einem Trennschleifer durchtrennen, um das E-Bike überhaupt wieder freizubekommen. Kostenpunkt: 69 Euro für den Schlüsseldienst – und ein neues Schloss soll noch einmal rund 120 Euro kosten.
Die Besitzerin selbst hat den Diebstahlversuch nicht bei der Polizei angezeigt.
Die Polizei habe ich über den Vorfall informiert – auch das Foto habe ich den Ermittlern zur Verfügung gestellt.
Inzwischen hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der Mann im Rollstuhl sei laut Polizei bislang nicht polizeibekannt.
Und auch meine erste Vermutung – dass hinter der Sache eine feste Masche stecken könnte, bei der der Rollstuhlfahrer das Schloss knackt und ein Komplize das Rad später abholt – bestätigt sich nach Angaben der Polizei nicht: Eine solche Vorgehensweise sei demnach nicht bekannt.
Die Polizei rät: Wer so etwas beobachtet – und der Täter könnte bewaffnet sein – sollte nicht selbst eingreifen. In solchen Fällen immer sofort die 110 wählen.
Zahl der geklauten Räder in NRW massiv gesunken
In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Menge der gestohlenen Fahrräder um beinahe die Hälfte gefallen. Diese Information stammt vom Innenministerium des Landes, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Im Vergleich zu 100.290 entwendeten Rädern im Jahr 2006, zählte man im Vorjahr lediglich 53.380 Fälle. Das ist ein satter Minus von 47 Prozent.
Für Herbert Reul (CDU), den Innenminister von NRW, kommt diese Entwicklung nicht von ungefähr. „Dass weniger Fahrräder geklaut werden, ist kein Zufall. Immer mehr Menschen sichern ihre Fahrräder viel besser als früher“, erklärte er.
