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Prozess in KölnFiese Abzocke bei Senioren – aber 100-Jähriger wehrt sich

Die beiden angeklagten Frauen mit Verteidiger Goran Bronisch und Verteidigerin Christina Offermanns beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

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Die beiden angeklagten Frauen mit Verteidiger Goran Bronisch und Verteidigerin Christina Offermanns beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

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Eine Bande zockte Senioren ab, doch ein 100-Jähriger durchschaute die fiese Masche.

Eine skrupellose Bande von Trickbetrügern hat arglose Senioren in Köln und im Umland mit der Masche des „falschen Bankmitarbeiters“ reingelegt und um mehrere Tausend Euro gebracht. Vor dem Landgericht muss sich seit Donnerstag ein Trio verantworten, das für die Logistik und die Abholung zuständig gewesen sein soll – im Auftrag eines in der Türkei lebenden Hintermanns. Die Staatsanwaltschaft listet 20 meist erfolgreiche Fälle auf. Einer, der sich nicht täuschen ließ, war ein 100-jähriger Kölner. Er schöpfte Verdacht, zog eine Nachbarin hinzu und rief dann die Polizei.

Kölner Bande nimmt reihenweise Senioren aus

Laut Staatsanwalt Stefan Klatt waren die Mitglieder der Bande „perfekt aufeinander abgestimmt“. Zunächst rufe ein sogenannter „Keiler“ bei potenziellen Opfern an und gebe sich als Bankmitarbeiter aus. Es gebe ein Problem, die EC-Karte müsse ausgetauscht werden. „Logistiker“ würden die Lage vor Ort überwachen und die „Abholer“ instruieren. Der nächste Weg führte dann zum Geldautomaten, an dem im Erfolgsfall die erbeutete EC-Karte mit der ebenfalls eingeheimsten PIN eingesetzt wurde. In den nun verhandelten Fällen sollen insgesamt rund 21.000 Euro erbeutet worden sein.

Der erste Fall ereignete sich im September vergangenen Jahres. Eine 91-jährige Seniorin aus Bergisch Gladbach erhielt einen Anruf, angeblich von ihrer Hausbank. „Es gab eine unberechtigte Abbuchung in Höhe von 1000 Euro“, behauptete der Mann am Telefonhörer. Daher komme gleich „eine Kollegin“ vorbei, um die EC-Karte abzuholen. Für die Sperrung der Karte würde zudem die PIN benötigt. Die arglose Rentnerin ging darauf ein. Sie öffnete kurz darauf der angeblichen Bankmitarbeiterin die Tür. Anschließend hob sie mit der EC-Karte insgesamt 2000 Euro am nächstgelegenen Geldautomaten ab.

Vorgeschobene Kartenfehler oder angebliche Probleme mit den Kontoauszügen waren weitere Geschichten, die die Täter den Geschädigten auftischten. In einem Fall hatte eine 72-Jährige während des Telefonats mit dem Trickbetrüger erzählt, sie habe kürzlich 700 Euro mit ihrer EC-Karte abgehoben, diese funktioniere also. Dabei handele es sich um Falschgeld, das ausgetauscht werden müsse, entgegnete der Täter laut den Ermittlungen. Die Seniorin habe beim Besuch der „Bankmitarbeiterin“ nicht nur EC-Karte und PIN herausgegeben, sondern auch ihr Bargeld.

Kölner (100) lässt Betrügerin abblitzen

Nicht erfolgreich war die Bande, als sie einen 100-Jährigen aus Dellbrück ins Visier nahmen. Zwar hatte der Anrufer bereits die PIN der EC-Karte des Seniors erfragt. Als die Abholerin vor der Tür stand, wurde der Kölner jedoch misstrauisch. Die Dame „mit den aufgespritzten Lippen“, wie er sagte, kam ihm unseriös vor. Er alarmierte zunächst eine Nachbarin. Die „Abholerin“ flüchtete daraufhin. Eine weitere geplante Geldübergabe in Porz scheiterte laut Anklageschrift, nachdem sich die Komplizin bei der ihr übermittelten Wohnanschrift einer 88-jährigen Seniorin im Stadtteil vertan hatte.

Nachdem die Polizei der Bande auf die Schliche gekommen war und Handys überwacht hatte, konnten mehrere Mitglieder festgenommen werden – teils auf frischer Tat, als sie bei den Senioren auftauchten. Die Beweislage erschien entsprechend gut. Zum Prozessauftakt legten zwei in die Bande eingebundene Frauen dann auch mehr oder weniger umfassende Geständnisse ab. Ein Ziel sei es, den betagten Geschädigten einen Auftritt als Zeugen vor Gericht und die damit verbundene mühsame Anreise zu ersparen, so Verteidigerin Christina Offermanns, die eine „Abholerin“ vertritt.

Offermanns erklärte, ihre Mandantin habe im September 2024 einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Ihre Mutter sei unter mysteriösen Umständen gestorben. Sie habe sich von ihrer Mutter auch nicht verabschieden können, da diese anonym bestattet worden sei. Die heute 33-jährige Angeklagte sei in die Drogenszene abgerutscht und habe Geld für Kokain gebraucht. Ein Bekannter habe ihr dann den „Job“ bei der Betrügerbande vermittelt. Nun tue ihr alles leid. „Sie will in Zukunft einfach nur ein sorgenfreies Leben und irgendwann wieder mit ihren Kindern zusammenleben“, sagte die Anwältin.

Köln: Angeklagte spricht über mutmaßlichen Bandenboss

Die mitangeklagte „Logistikerin“, die teilweise ihr Handy für die Anrufe bei den Senioren zur Verfügung gestellt hatte, gestand ebenfalls ihre Beteiligung. Sie sei allerdings von ihrem damaligen Lebensgefährten manipuliert worden, er sei der Drahtzieher. „Ich wollte mein Geld immer mit legaler Arbeit verdienen“, sagte sie. Doch ihr Freund sei kriminell gewesen und habe sich nicht geändert. Nach einer Haftentlassung unter Auflagen der Mann in die Türkei geflüchtet. Sie habe ihn dort besucht – und gemerkt, dass er sich weiterhin mit Straftaten seinen Lebensunterhalt finanziere.

Der mutmaßliche Bandenboss habe sie in der „toxischen On-Off-Beziehung“ so sehr fremdgesteuert, dass sie sogar ihren jüngeren Bruder mit in die kriminellen Geschäfte hineingezogen habe. Und das zu einem Zeitpunkt, als bereits erste Bandenmitglieder festgenommen worden waren. Das schmerze sie sehr, sagte die 25-jährige Angeklagte. Der Bruder sitzt im aktuellen Verfahren mit auf der Anklagebank. Er soll Gelder entgegengenommen und an seine Schwester überwiesen haben. Woher genau das Geld stammte, will er aber nicht gewusst haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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