Busse und Bahnen stehen still, doch nicht alle KVB-Mitarbeitenden streiken freiwillig. Fahrer Adam B. steckt in der Klemme.
Nächster Streik-Tag in KölnKVB-Mitarbeiter gefrustet: „Ich habe einen Riesenfehler gemacht“

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Keine Bahnen am Neumarkt – auch am Donnerstag wird gestreikt.
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Der nächste Streik-Tag in Köln. Diesmal trifft es wieder Busse und Bahnen – nichts geht!
Betroffen ist auch Adam B. (Name geändert). Er ist Fahrer bei der KVB, möchte aber anonym bleiben. B. ist noch nicht lange bei den Kölner Verkehrs Betrieben und gefrustet. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht“, gesteht er gegenüber EXPRESS.de.
Wer nicht in der Gewerkschaft ist, hat ein Problem
Das Problem: B. ist nicht in der Gewerkschaft und bekommt an jedem Streiktag kein Geld. Er muss unbezahlt freinehmen. Die Alternative wäre, Urlaub zu beantragen. Dann würde er Urlaubsgeld bekommen.
Was einige Mitarbeitende, die nicht in der Gewerkschaft sind, auch machen würden – sich krankmelden. Das ist natürlich nicht erlaubt, gilt als Arbeitsverweigerung und kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.
B. hat aus dem Dilemma bereits seine persönlichen Konsequenzen gezogen. Er werde auf jeden Fall in die Gewerkschaft eintreten, damit er beim nächsten Streik nicht wieder in der Klemme stecke.
Generell gilt: „Streik ist ein Grundrecht und das rechtmäßige Mittel zur Durchsetzung der Tarifforderung gemäß Artikel 9 Absatz 3 Grundgesetz. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer darf an einem Streik teilnehmen, unabhängig davon, ob gewerkschaftlich organisiert“, erklärt Verdi die Rechtslage.
Das heißt, KVB-Mitarbeitende dürfen auch streiken, wenn sie kein Gewerkschaftsmitglied sind. Auch das ist im Grundgesetz verankert. Aber nur Gewerkschaftsmitglieder haben einen Rechtsanspruch auf Leistungen des Tarifvertrages und im Falle eines Streiks auf Unterstützungsleistungen wie das Streikgeld.
Übrigens profitiert auch ein Nicht-Mitglied von den Ergebnissen gewerkschaftlicher Arbeit. Sollte Verdi also eine Lohnerhöhung durchsetzen, wird auch Adam mehr Geld auf seinem Konto haben.
Erstmal keine weiteren Streiks in der kommenden Woche
Die gute Nachricht für alle Kölner und Kölnerinnen, die auf die KVB angewiesen sind: Die Warnstreikwelle ebbt in der neuen Woche ab. Ab Dienstag (24. März) müssen Fahrgäste voraussichtlich vorerst nicht mehr mit Arbeitskampfmaßnahmen rechnen.
Verdi NRW plane während der dann beginnenden dritten Verhandlungsrunde keine Streikmaßnahmen, sagte Verdi-Branchenkoordinator Lukas Frew der Deutschen Presse-Agentur.
Im Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 Nahverkehrsbetrieben in NRW. In zwei Verhandlungsrunden ist bislang keine Einigung erzielt worden. Die dritte Tarifrunde beginnt am 24. März. Durch Warnstreiks ist in den vergangenen Wochen und Tagen mehrfach der Nahverkehr vielerorts lahmgelegt worden.
Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen. (mit dpa)



