Familien auf der Straße, Kinder ohne Dach über dem Kopf – mitten in Köln. Streetworker Franco Clemens schlägt Alarm und fordert den sozialen Notstand. Das Netz reagiert mit Wut und klaren Forderungen an die Politik.
„Aber Hauptsache Olympia“Schockierende Lage – Köln reagiert mit Wut

Rund 45 Zelte, verteilt über die ganze Stadt, bewohnt von Menschen, die buchstäblich im Freien überleben müssen – darunter auch Kinder und Frauen.
Streetworker Franco Clemens hat die Lage dokumentiert und fordert nun die kommunale Ausrufung eines sozialen Notstands für Köln.
„Hauptsache Olympia“ – Die Kritik an der Stadtpolitik dominiert
Der EXPRESS.de-Bericht hat im Netz eine Welle der Empörung ausgelöst – die Reaktionen sind eindeutig. In diesem Zusammenhang stellt Franco noch einmal klar: Entgegen gängiger Klischees seien Schwerstdrogenabhängige unter den Zeltbewohnern eine Minderheit.
Ein Kommentar bringt die Stimmung vieler Kölnerinnen und Kölner auf den Punkt:
„Aber Hauptsache, die Olympischen Spiele finden statt! Wir haben definitiv andere Sorgen in Köln! Einfach nur schrecklich.“
Der Vorwurf, dass die Stadt falsche Prioritäten setzt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Kommentarspalte. Mehrere Nutzer stellen die geplanten Olympischen Spiele dem Schicksal der Obdachlosen gegenüber:
„Schön, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Olympischen Sportbundes – Kölns OB Burmester – die Olympischen Spiele nach Köln holt. Gibt ja keine anderen Probleme.“
„Es gibt so viele leere Gebäude in Köln, da könnte man sicher etwas machen… aber in Köln gibt's nur Prio für Karneval, FC und Olympia.“
Auch der Seitenhieb auf die teure Opernsanierung in Köln bleibt nicht aus:
„Wir müssen dringend etwas machen. Das tut mir jedes Mal so leid, wenn ich in Niehl die Zelte am Rhein sehe und die armen Menschen, die da in der Kälte sitzen. Und dann hauen wir das Geld raus für so eine Oper.“
„Das kann jedem passieren“ – Betroffenheit und Mitgefühl
Viele Nutzer schildern, was sie selbst täglich in der Stadt erleben – und zeigen sich tief erschüttert:
„Es ist so pervers, dass wir uns alle daran gewöhnt haben. Neumarkt, Appellhof- und Wienerplatz – komplette Verelendung. Daneben bauen wir neue Bürogebäude, anstatt Leute ins Housing zu bringen. Diese armen, teils schwer kranken Menschen haben sich ab diesem Punkt nicht mehr freiwillig für dieses Leben entschieden, und wir schauen alle weg oder hindurch.“
„Wir wohnen südlich vom Neumarkt. Die verwahrlosten Menschen, die Drogen konsumierenden im Fahrstuhl, in den Hauseingängen – und dann die völlig Weggetretenen oder manchmal Blutverschmierten … der Kot, das Blut, der Schmutz … ich laufe dort nur noch mit Scheuklappen.“
Wohnungsmarkt und Mieten: „1350 Euro kalt für 50 Quadratmeter“
Ein zentrales Thema in den Kommentaren ist der Kölner Wohnungsmarkt – und die Frage, wie Obdachlosigkeit überhaupt entsteht:
„Wir brauchen nicht nur Mittel gegen Obdachlosigkeit. Wir brauchen auch etwas gegen die absurden Mieten. 1350 € kalt für 50 Quadratmeter. Das hat ja wohl jeden Bezug zur Realität verloren. Wer kann sich das bitte leisten als Alleinverdiener mit normalem Einkommen?“
„Die Kölner Immobilienbranche muss rangenommen werden. Maßlos profitieren ohne sozialen Ausgleich kann nicht so weitergehen.“
„Wird in Zukunft noch mehr werden. Kosten steigen unendlich, Familien werden nicht gefördert. Wohnraum, der bezahlbar ist, ist Mangelware.“
Lösungsvorschläge: Von Tiny Houses bis Housing First
Einige Nutzer bleiben nicht bei der Kritik stehen, sondern bringen konkrete Lösungsvorschläge ein:
„Es sollte städtische Gelände geben, wo man kleinste Tiny-Häuser für Obdachlose aufstellt. Mit einem Bett und WLAN. Auf dem Gelände dann eine sanitäre Anlage, Security und einen Anlaufpunkt von Drogenhilfe und Streetworkern.“
„Endlich nimmt sich mal einer der Obdachlosen-Situation an. Aber bitte keine erneute Stadtbild-Debatte. Stattdessen: mehr sozial geförderten Wohnraum, mehr Schlaf-, Wasch- und Aufenthaltsräume für Obdachlose, öffentliche Unterstützung von Tafeln und anderen Hilfsorganisationen ausbauen.“

Copyright: privat
Franco Clemens zeigt Zeltlager in Köln und ruft den sozialen Notstand für Köln aus.
Ein Nutzer wurde sogar selbst aktiv:
„Ich habe dem Oberbürgermeister vor zehn Tagen einen Brief geschrieben und mich über genau diese Situation beschwert und vor allen Dingen über die Perspektivlosigkeit der Stadt. Ich habe noch keine Antwort erhalten.“
Fazit: Ob links, ob bürgerlich – die Kommentare eint ein Gefühl: Die Situation ist längst außer Kontrolle geraten, und die Politik schaut weg. Francos Forderung nach einem sozialen Notstand für Köln trifft einen Nerv. Ob Stadtrat und Oberbürgermeister zuhören, bleibt abzuwarten.
