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„Ich muss das loswerden“Roncalli-Chef lässt vor Start der Jubiläums-Shows Dampf ab

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Das Circus-Theater Roncalli wird 50 und feiert sein Jubiläum dort, wo vieles begann: in Köln. Bald hebt sich der Vorhang auf dem Neumarkt zum Jubiläumsprogramm. Chef Bernhard Paul hat noch einiges vor.

An die Anfänge kann sich Bernhard Paul noch erinnern, als sei es gestern gewesen. „Es war der heißeste Sommer, den ich jemals erlebt habe. Wir konnten aufgrund der Hitzewelle nicht in den Wohnwagen schlafen, sondern haben auf Feldbetten gelegen.“

Auf der Hofgartenwiese in Bonn feierte der Circus Roncalli am 18. Mai 1976 mit dem Programm „Die größte Poesie des Universums“ seine Welturaufführung. Seit 1980 ist Köln die Heimat des rollenden Unterhaltungsbetriebs. Rund 45 Millionen Menschen haben die Vorstellungen seit der Gründung erlebt.

Ausstellung zum Roncalli-Jubiläum in der Kreissparkasse am Neumarkt

Im kommenden Jahr feiert der österreichische Zirkusdirektor, Regisseur und Clown schon seinen 80. Geburtstag. Zuvor steht in diesem Jahr das 50. Jubiläum des Kultzirkus an. Ab dem 2. April 2026 beginnen die Aufbauarbeiten auf dem Neumarkt, am 10. April ist Gala-Premiere. Bis zum 25. Mai wird das Jubiläum im Herzen Kölns gefeiert.

Direkt daneben kann schon jetzt in der Kassenhalle der Kreissparkasse während der Öffnungszeiten eine Ausstellung mit Originalrequisiten, Kostümen, Modellen, Bildern und Plakaten besichtigt werden. Zur Eröffnung wurde Bernhard Paul am Dienstag (24. März 2026) von seiner ganzen Familie begleitet.

Eigentlich sollte der Schöpfer der Erfolgsgeschichte Roncalli über das Jubiläum sprechen, doch vorher musste er noch einmal Dampf ablassen. „Wir haben seit 1980 ein tolles Verhältnis zur Kölner Bevölkerung. Dies gilt nicht unbedingt für die Politik. Dabei sollte Köln froh sein, dass wir das Geld, das wir auf der ganzen Welt verdienen, hier in die Stadt bringen.“

Die Familie Paul schneidet die Jubiläumstorte an.

Copyright: Alexander Schwaiger

Adrian, Eliana, Vivian, Lili und Bernhard Paul (v.l.) beim Anschneiden der Roncalli-Jubiläumstorte.

Paul hatte lange den Traum, in Köln ein Museum zu bauen. Zudem hat er sich mehrmals beworben, einen Weihnachtsmarkt auszurichten. „Der von uns in Hamburg ausgerichtete Markt zählt zu den zwölf besten in Europa. Aber für Köln sind wir nicht gut genug. Überhaupt: Als meine Frau vor 40 Jahren aus Verona nach Köln kam, fand sie alles in der Stadt so sauber. Das kann man heute nicht mehr sagen.“

Der Zirkusdirektor redete sich hauptsächlich hinsichtlich Ex-Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die ihn immer wieder hingehalten habe, mächtig in Rage. „Es muss mal raus, ich muss das loswerden“, polterte er.

Ausstellung „Liebe zur Nostalgie – Mut zur Innovation: 50 Jahre Roncalli“ in der Kreissparkasse Köln.

Copyright: Alexander Schwaiger

Rita Markus-Schmitz, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln, ließ sich von Bernhard Paul viele Details erklären.

Auch seine Verbitterung über den berühmten italienischen Weißclown Fumagalli, der früher Publikumsliebling bei Roncalli war, wurde deutlich. „Er hat meine Nummern kopiert und ist der Grund, warum ich nicht mehr als Clown Zippo auftrete. Er verarscht die Menschen und gibt Abschiedsshows, obwohl er schon wieder den nächsten Vertrag in der Tasche hat.“

Zum Jubiläum verspricht Paul keine Best-of-Revue. Das Programm wird derzeit schon in Recklinghausen getestet. „Das wird eine Oper fürs Auge, eine Collage von Emotionen, Gefühlen und optischen Eindrücken“, schwärmt er. „Musik, Kostüme, Requisiten – wir haben uns überall gesteigert. Ich ertappe mich dabei, wie ich wieder jeden Tag gerne zuschaue. Ich bin hin und weg.“

Ausstellung „Liebe zur Nostalgie – Mut zur Innovation: 50 Jahre Roncalli“ in der Kreissparkasse Köln.

Copyright: Alexander Schwaiger

Mit Modellen ist die Roncalli-Geschichte nachgebaut worden.

Auch Pauls Tochter Lili wird in einer Hommage an die artistischen Anfänge ihres Vaters in der Manege zu sehen sein. Die Let’s-Dance-Gewinnerin ist selbst schon ganz gespannt, wie ihre Darbietung ankommen wird. Zum Jubiläum wird am 20. April auch noch eine Roncalli-Briefmarke veröffentlicht.

Der Zirkusgründer hat sich noch einen Traum erfüllt. „Wir haben eine große Glocke gießen lassen. Diese wird am Eingang aufgestellt und immer zu Beginn der Vorstellungen geläutet.“ Mitte Mai soll die Glocke endgültig fertig sein. Dann steht am 18. Mai auch der tatsächliche Geburtstag an. An dem Montag findet aber eigentlich keine Vorstellung statt.

Ausstellung „Liebe zur Nostalgie – Mut zur Innovation: 50 Jahre Roncalli“ in der Kreissparkasse Köln.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die Ausstellung „Liebe zur Nostalgie – Mut zur Innovation: 50 Jahre Roncalli“ zeigt auf zahlreichen Bildern, wie sich der Zirkus über die Jahre entwickelt hat.

Aber spontan entschied Paul beim Gespräch, eine spezielle Gala für Freunde und treue Fans auf die Beine zu stellen. „Ein Fest mit alten Weggefährten wie dem Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger und den Ur-Höhnern, das möchte ich Köln schenken.“

Auch wenn bisher noch gar keine Pläne dazu existieren, hat sich der Regisseur spontan in die Idee verliebt, den Jahrestag ganz speziell zu zelebrieren. „Wir machen das jetzt einfach, es gibt kein Zurück mehr.“ Mut zur Innovation hat ihn immer schon ausgezeichnet.

Unter anderem gehörten Schnitzel zum Angebot in der „Speisekammer“ (Symbolfoto).

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