Die AfD-Fraktion schlug vor, den OB zum Antisemitismus-Chef zu machen. Burmester konterte mit einer scharfen Abrechnung und nannte den Vorstoß ein „vergiftetes Geschenk“.
„Ich glaube Ihnen kein Wort“Kölner OB rechnet knallhart ab – und erntet Ovationen

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Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) (hier im November 2025 bei der Vereidigung im Ratssaal) hat Klartext gesprochen.
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Ein Bild mit Seltenheitswert im Kölner Stadtrat: Für eine Rede erntet ein Oberbürgermeister stehenden Applaus von beinahe allen Fraktionen.
Genau das schaffte Torsten Burmester (SPD), nachdem er der AfD eine unmissverständliche Ansage gemacht hatte. Die Fraktion hatte vorgeschlagen, den Oberbürgermeister zum Antisemitismusbeauftragten der Stadt Köln zu machen. Ihre Begründung: Damit würde der Kampf gegen Judenhass zur Chefsache erklärt.
OB Burmester: „Ich glaube Ihnen kein Wort“
Nachdem Ilka Schänke den Antrag für die AfD begründet hatte, trat Burmester ans Rednerpult. Er richtete das Wort direkt an die Rednerin. „Ihre Rede macht mich betroffen. Wissen Sie warum? Weil ich Ihnen kein Wort glaube“, sagte der OB. Es folgte ein gewaltiger Beifall der Ratsmitglieder der anderen Parteien – die meisten standen von ihren Plätzen auf.
Burmester zog daraufhin die Parallele zum Märchen von Schneewittchen, die ihre Stiefmutter mit einem köstlich aussehenden, aber giftigen Apfel umbringen will. „Ein vergiftetes Geschenk, Frau Schänke. Und genau dieser Antrag ist ein solcher roter Apfel, ein vergiftetes Geschenk“, erklärte er. Es sei ein Manöver, um die demokratischen Kräfte zu entzweien, und stelle eine Attacke auf die Demokratie der Stadt dar. Von der Sitzung am Donnerstag berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.
„Ihren vergifteten Apfel schlucken wir nicht“
Mit diesem Antrag gebe sich die AfD als Kämpferin gegen Antisemitismus aus, so Burmester weiter. Unterdessen würden aber Parteimitglieder Falschaussagen über Israel streuen, wie die Legende, dass Schutzräume dort nur für Juden zugänglich seien. „Oder nehmen wir die Initiative der AfD-Bundestagsfraktion, der Amadeu-Antonio-Stiftung die Fördergelder vollständig zu streichen – eine Institution, die Ihr Parteifreund Stephan Brandner als Luxussause diffamiert, die in Wahrheit jedoch die jährlichen Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus organisiert“, sagte Burmester.
Die Stadt Köln engagiere sich bereits stark, um dem Antisemitismus entgegenzutreten. „Ihr Antrag bestärkt mich nur darin, diese Anstrengungen weiter fortzusetzen. Ihren vergifteten Apfel schlucken wir nicht“, stellte Burmester klar. Daraufhin gab es erneut lang anhaltenden Applaus. Der Rat wies den Antrag gegen die AfD-Stimmen zurück.
Mit dieser Ansprache folgte Burmester der Linie seiner Vorgängerin Henriette Reker, die sich ebenfalls immer klar von der AfD distanziert hatte. Die Partei wird vom Bundesverfassungsschutz offiziell als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. (red)
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