Prozess in Köln Sexuelle Gewalt an Kindern: Mann (45) mit heftigem Geständnis zu 124 Fällen

Ein Angeklagter hält sich vor Gericht einen Ordner vor das Gesicht. Neben ihm steht sein Verteidiger und ein Polizist.

Der Angeklagte, hier beim Prozessauftakt am Dienstag (6. Dezember) in Köln, hat alle Taten gestanden.

In Köln ist am Dienstag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder gestartet. Gleich zu Beginn gab es ein umfassendes Geständnis.

Es ist einer der spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahre und steht schon jetzt mit den Missbrauchs-Fällen in Lüdge und Bergisch Gladbach auf einer Stufe: Am Dienstag (6. Dezember 2022) ist am Kölner Landgericht der Prozess im Missbrauchsfall Wermelskirchen gestartet.

Der Angeklagte, ein heute 45-jähriger Mann, soll zwischen 2005 und 2019 immer wieder Kindern sexuelle Gewalt angetan haben. Die Anklage geht von 124 Taten insgesamt aus.

Köln: Prozess-Start um Missbrauchsfall in Wermelskirchen

In 99 Fällen handle es sich dabei um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Andere drehten sich um Beihilfe zu Missbrauch oder auch um kinderpornografische Schriften. Allein an 13 Kindern im Alter von elf Monaten bis 13 Jahren soll der Angeklagte selbst Taten begangen haben.

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Seine Vorgehensweise soll dabei immer gleich gewesen sein: Er gab sich im Internet als Babysitter aus, kam so in Kontakt mit Familien, war später alleine mit den Kindern. Auch soll er andere Männer zu Taten animiert haben.

Wie bereits vor dem Prozess angekündigt, hat der Angeklagte alle Taten zugegeben. „Die soeben verlesene Anklage wird von dem Angeklagten vollständig eingeräumt. Alle dort erhobenen Vorwürfe treffen zu“, sagte sein Verteidiger, der ein vorbereitetes Schreiben vorlas.

Darüber hinaus stehe sein Mandant auch für Fragen zur Verfügung. Ziel sei es, die „für alle Verfahrensbeteiligten nicht einfache Beweisaufnahme“ möglichst abzukürzen. Zudem kündigte der Anwalt ein Schmerzensgeld an, das den Opfern „kurzfristig“ gezahlt werden solle.

Spektakuläre Festnahme des Angeklagten im Dezember 2021

Im Dezember 2021 war der Angeklagte festgenommen worden, in einer spektakulären Aktion: Um unverschlüsselten Zugriff auf Dateien zu bekommen, sollen Einsatzkräfte den Mann laut Polizei-Angaben am eingeschalteten Rechner überwältigt haben – während einer Videokonferenz mit Arbeitskolleginnen und -kollegen. Diese glaubten offenbar zunächst, es handle sich um einen Überfall.

Seitdem laufen die Ermittlungen – und bringen die Teams der Polizei an ihre mentalen Grenzen. „Ein solches Ausmaß an menschenverachtender Brutalität und gefühlloser Gleichgültigkeit gegenüber kleinen Kindern, ihren Schmerzen und ihren Schreien ist mir noch nicht begegnet“, erklärte Kölns Polizeipräsident Falk Schnabel.

Immerhin: Die Festnahme des Mannes deckte ein groß angelegtes Netzwerk auf. Mittlerweile wird gegen 130 weitere Männer ermittelt, die im Zuge der Verhaftung des 45-Jährigen ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft rückten. (tw, mit dpa)

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