Kommentar Drogen-Hölle Neumarkt: Kölner müssen sich an bittere Wahrheit gewöhnen

Ein Junkie setzt sich auf der Treppe des Rautenstrauch-Joest-Museum eine Spritze.

Alltag am Neumarkt und Umgebung: Ein Junkie spritzt sich am 15. September auf der Treppe des Rautenstrauch-Joest-Museum eine Dosis Heroin.

Das Drogen-Problem auf den Kölner Neumarkt: Was sich dort tagtäglich abspielt, ist vor allem für die Anwohner nicht mehr auszuhalten. Es müssen schnellstens Verbesserungen her. Ein Kommentar.

Köln. Seit Jahrzehnten ist der Neumarkt ein Drogen-Hotspot der Stadt Köln. Doch die Zustände werden immer schlimmer. Dealer verkaufen vor aller Augen Heroin, Junkies liegen zugedröhnt vor Hauseingängen, setzen sich Spritzen, das Elend der Schwerstabhängigen ist allgegenwärtig.

Der Ruf nach mehr Polizei wird schnell laut, doch schon die Erfahrungen der 90er Jahre haben gezeigt, dass massive Polizeipräsenz das Problem nur in andere Stadtteile verlagert, aber nicht löst. Die Polizei kann das Geschäft der Kleindealer nur erschweren. Es ist eine Illusion, die Fahnder könnten den Markt eines Tages trocken legen. 

Neumarkt Köln: Mehr Polizei löst das Drogen-Problem nicht 

Köln muss sich an eine bittere Wahrheit gewöhnen: In Großstädten wird es immer eine Drogen-Szene geben. Aber es kann und muss viel unternommen werden, dass es nicht mehr zu diesen Auswüchsen kommt, die wir gerade am Neumarkt erleben.

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Gewiss, die Stadt ist inzwischen mit den Anwohnern im Dialog, eine Arbeitsgruppe wurde gegründet. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. So wurden die Zugänge zu den unterirdischen Toiletten abgedeckelt und Treppen zu den Parkhäusern geschlossen. Dort können sich Junkies nun keine Spritzen mehr setzen. Aber sie werden es dann an anderer Stelle machen. 

Neumarkt Köln: Drogenkonsum-Räume ab Herbst

Diese Menschen sind schwerstkrank, ihre Sucht verleitet schnell zu kriminellen Handlungen. Insofern ist es gut, dass spätestens im Herbst zwei Drogenkonsumräume sowie ein medizinischer Behandlungsraum, sanitäre Anlagen und ein Aufenthaltsraum im Gesundheitsamt entstehen. Das mobile Beratungsangebot am Neumarkt mit Plätzen zum Konsum illegaler Drogen unter hygienisch kontrollierten Bedingungen, das es seit 2019 gibt, ist nicht ausreichend.

Ein Anwohner vergleicht die aktuelle Lage gegenüber EXPRESS.de mit einem Haus, das voll Wasser läuft. „Versuche ich dann, das Leck zu stopfen oder das Wasser immer wieder raus zu schippen? So sieht er die Anstrengungen der Stadt in den vergangenen Jahren. Und er hat Recht. 

Ein Gesamtkonzept zur Aufwertung des Platzes muss her: Der Brunnen am Neumarkt muss ähnlich wie am Ebertplatz wieder sprudeln, auf der großen verödeten Fläche ist genug Platz für eine attraktive Gastronomie, auch durch eine veränderte Verkehrsführung würde der Platz an Attraktivität gewinnen. 

Die Drogen in der Stadt wird es indes weiter geben. Aber allen Anwohnern kann ein Stück Lebensqualität zurückgegeben werden, wenn zeitnah gehandelt wird.

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