Drogen-Hotspot Kölner Platz immer schlimmer, Anwohner verzweifelt: Keine Lösung in Sicht

Ein Mann konsumiert Heroin in einer Telefonzelle.

Ein Drogenabhängiger konsumiert Heroin in einer Telefonzelle am Neumarkt, aufgenommen im Juli 2016. Seit Jahren gibt es ein Drogen-Problem auf dem Kölner Platz.

Das Drogen-Problem auf den Neumarkt in Köln hat Überhand genommen. Anwohner und Geschäftsleute sind verzweifelt und hoffen auf eine Verbesserung der Situation. 

Köln. Steigende Kriminalität, offener Drogenkonsum und ein Problem-Platz mitten in Köln. Für viele Menschen ist die Situation auf dem Neumarkt nicht mehr auszuhalten. Geschäftsleute und der Bürgerverein „Zukunft Neumarkt“ schlagen Alarm. Die Stadt hat schon mehrfach auf die Problematik reagiert. Anwohner sind sich aber einig, dass das zu wenig ist.

Köln: Anwohner fordern Lösung für Drogen-Problem auf dem Neumarkt

Wer den Neumarkt passiert, kommt an schwer Drogenabhängigen nicht vorbei. Die Szene hat sich auf dem zentralen Kölner Platz schon seit Jahren breitgemacht. Täglich wird mit Heroin und anderen harten Drogen gedealt. Die Konsumenten belagern Hauseingänge, Geschäfte leiden unter Beschaffungskriminalität durch Süchtige.

Dabei hat die Stadt mit vielen Maßnahmen versucht, den Platz von Junkies zu befreien. Trotz der Ratsbeschlüsse von 2016 und zuletzt 2021 für die Einrichtung eines Drogenkonsumraums am Neumarkt hat sich die Situation aber nicht verbessert, sondern eher verschlechtert, wie Walter Schuch (68), Vorstand des Bürgervereins mit über 100 Mitgliedern, im Gespräch mit EXPRESS.de erklärt.

Köln: Bürgerverein fordert gebündelte Maßnahmen für den Neumarkt

Der Betreiber des Sanitätshauses Storz, in dem er vor 50 Jahren seine Lehre zum Orthopädiemechaniker gemacht hatte und das sich direkt neben der Substitutionsstelle befindet, hat die negative Entwicklung auf dem Platz über die Jahre beobachtet. Doch er fängt mit den positiven Entwicklungen, die es auch gebe, an.

„In den vergangenen Jahren ist ja auch einiges gut gelaufen, wie etwa die bessere Kommunikation zwischen der Stadt und den Anwohnern vor Ort. Wir fühlen uns gehört, was nicht immer so gewesen ist. Die AWB ist mehr hier. Die KVB hat extra einen Kümmerer, der sehr gewissenhaft arbeitet, hier abgestellt. Auch die Koordination zwischen Polizei und Ordnungsamt hat sich deutlich verbessert“, erklärt er. Die „geschlossene Kette von Akteuren“, wie Schuch es nennt, ist auch dem 2020 gegründeten Fachkreis „Plätze mit besonderem Handlungsbedarf“ des Kriminalpräventiven Rats der Stadt zu verdanken.

Köln: Immer mehr Drogensüchtige auf dem Neumarkt

Die von der Stadt eingeleiteten Maßnahmen mit Bezug auf die Drogenproblematik haben bisher aber nicht den gewünschten Effekt erzielt, „wie jeder sehen kann“, sagt Schuch. Er erklärt: „Besonders mit der gestiegenen Anzahl von Drogenabhängigen, auch durch den Zuzug etwa aus Osteuropa, ist die Situation noch schlimmer geworden. Als Anwohner und Geschäftstreibende haben wir täglich mit den Auswirkungen zu kämpfen.“

Zwei Männer sitzen auf dem Boden und konsumieren Heroin.

Drogenabhängige, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2017, setzen sich am Josef-Haubrichs-Hof einen Schuss Heroin. 

Der Neumarkt vergleicht Schuch mit einem Haus, das voll Wasser läuft. „Versuche ich dann, das Leck zu stopfen oder das Wasser immer wieder raus zu schippen? So sehen wir die Anstrengungen der Stadt in den vergangenen Jahren“, sagt er.

Köln: Anwohner sehen Ebertplatz als Vorbild für den Neumarkt

Schuch sieht den Kölner Ebertplatz als gutes Vorbild. „Da wurde der Platz mit der Inbetriebnahme des Brunnens, Engagement der Bürger und der Eröffnung eines Gastronomiebetriebs belebt und die Situation deutlich entschärft. Wir wünschen uns, dass der Neumarkt ein Platz für alle wird, auf dem alle in Ruhe die Füße lang machen und die Stadt genießen können“, erklärt Schuch.

Die Stadt hat kürzlich die Verlegung des Drogenkonsumraums in das Gesundheitsamt zum Ende des Jahres angekündigt. Gesundheits- und Sozialdezernent Dr. Harald Rau sagte in einer Mitteilung dazu: „Ich freue mich, dass wir jetzt noch breiter aufgestellt sind und mit dem Drogenkonsumraum des Gesundheitsamtes unsere Kompetenzen und Kapazitäten gebündelter einsetzen können, um Konsument*innen illegaler Drogen ein Angebot machen zu können, das gleichzeitig zur Entlastung des öffentlichen Raums beiträgt.“

Anwohner wie Walter Schuch befürchten, dass auch diese Maßnahme das Drogenproblem auf dem Neumarkt nicht lösen wird. Er fordert ein „zielführendes Gesamtkonzept, das die Situation langfristig für alle verbessert“. Hoffnung macht ihm, dass die Stadt angekündigt hat, dass der Brunnen auf dem Neumarkt nächstes Jahr wieder sprudeln soll. „Vielleicht ist das dann der Anstoß für die Lösung.“

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