„Druck ist größer geworden“ Wilfried Schmickler erklärt Aus bei Kölner Kult-Sendung

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Wilfried Schmickler bewahrt seine Preise auf dem Klo auf. 

Köln – Er kommt aus Leverkusen, lebt in der Kölner Südstadt und ist eine große Nummer im Kabarett-Geschehen: Wilfried Schmickler, unüberhörbar, unübersehbar und unstoppbar bei den WDR-„Mitternachtsspitzen“ – die er nach der Sommerpause 2020 verlassen wird.

Am Donnerstag wird er 65 Jahre alt. Ein Grund, ihn mal ganz privat zu befragen. EXPRESS verabredete sich mit ihm zum Geburtstags-Interview in seinem Büro über den Dächern der Südstadt.

EXPRESS: Mit 65 beginnt für die meisten ein neuer Lebensabschnitt, für den man neu rechnen lernen muss.  Wie ist es bei Ihnen – könnten Sie von Ihrer Rente leben?

Wilfried Schmickler: Nee. Ich habe zu spät eingezahlt, weil ich lange nichts verdient habe, und ich habe kein Eigentum, von dem ich zehren könnte. Also muss ich weiter arbeiten – mache es aber gern.

Immer noch volle Pulle – oder werden Sie kürzer treten?

Meine Frau will, dass ich kürzer trete, und sie will auch, dass ich will, dass ich kürzer trete. Aber ich glaube nicht daran. Nicht der Rente wegen, sondern weil ich gern aktiv im politisch-künstlerischem Leben bin. Solange ich auf zwei Beinen gehen kann und meine Stimme mitmacht, will ich meinen Job machen. Einfach nur als Beobachter irgendwo auf der Bank sitzen, ist nicht meins.

Glauben Sie, dass Ihr Sturz schon eine erste Spur des kommenden Alters ist?

Nein. Es war ein Trottel-Unfall, reine Dummheit. Dass ich danach so hilflos war, ist höchstens ein kleiner Vorgeschmack auf das, was im Alter kommen könnte. Er hat mir allerdings klar gemacht, dass man aufmerksamer durch die Welt gehen muss! So wie man sich überlegt, was man sagt, muss man sich auch überlegen, wie man sich bewegt. Es liegt überall zu viel rum, über das man stolpern kann.

Das ist ja gekommen, als Sie eine Rauchen gingen. Kein Anlass, die Qualmerei einzustellen?

Um damit noch aufzuhören, ist es zu spät.  

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Wilfried Schmickler (r) mit Reporter Horst Stellmacher.

Wie ist der Stand der Dinge?

Ich kann der starken Schmerzen wegen immer noch nicht richtig durchschlafen und brauche in vielen Dingen des Alltags immer noch die Hilfe meiner Frau. Und ich vermisse meinen Garten im Oberbergischen. Ich habe ihn noch nicht lange und habe auch  lange mit ihm gefremdelt, doch mittlerweile gehe ich in ihm auf.

Dass Sie ein Gartenfan sind, überrascht uns. Wie sieht ein Gartentag bei Ihnen aus?

Ich muss da immer was zu tun haben. Nur auf der Terrasse sitzen und entspannt Kaffee trinken, halte ich nicht aus. Mein letztes Programm ist so entstanden, erst habe ich einige Stunden rumgepröttelt, dann geschrieben. Die Mischung macht es. Inzwischen ist mein Dorf im Bergischen eine schöne Ergänzung zum Leben in der Stadt.

Könnten Sie sich das umgekehrt vorstellen? Also Hauptwohnsitz im Bergischen und hin und wieder mal ein Ausreißer nach Köln?

Nee. Ich brauche die Stadt. Ich kann zwischendurch mal weg,  aber ohne Stadt, ohne meine Südstadt könnte ich nicht leben. Ich fühle mich als Bestandteil meines Veedels. Ich muss Menschen auf der Straße treffen, die Geschäftsleute kennen, in meiner Nachbarschaft einen Kaffee trinken und einen Plausch halten und am Büdchen meine Zeitung kaufen können. Ich muss wissen, ob alles in Ordnung ist.

Was macht die Südstadt für Sie so besonders?

Sie ist seit 25 Jahren mein Zuhause. Hier wohnen viele Menschen, denen dran gelegen ist, alles etwas ruhiger anzugehen. Es ist zwar auch mal Leben in der Bude, aber es ist nicht so laut und hektisch wie anderswo. Hier leben immer noch viele Leute von einst, dadurch kennen sich alle, und das ist schön so. Und es gibt eine schöne Kneipenszene. Es ist familiärer als anderswo. Das ist für mich Lebensqualität.

Viele Südstädter klagen, dass die Südstadt nicht mehr das sei, was sie mal war – alles wird teurer …

Ja, das ist ein großes Problem. Früher gab es viel bezahlbaren Wohnraum – das ist vorbei. Da werden ganze Häuserzeilen von Investoren gekauft, die Wohnungen werden in Eigentum umgewandelt, die dann ein normaler Mensch nicht mehr bezahlen kann.

Und dann kommen neue Bevölkerungsschichten, die die echten Südstädter vertreiben …

Das sehe ich gelassener, da soll man nicht übertreiben. Es ist ein lebendiger Stadtteil, und ein lebendiger Stadtteil muss von unten wachsen. Man kann keine Mauer bauen oder eine  Gesichtskontrolle  einführen, oder nur bestimmte politische Ansichten oder Einkommensgrenzen zulassen. Es ist gut, wenn frisches Leben in die Bude kommt.

Südstadt ist ja auch der Geburtsort vieler kölscher Lieder. Welches hören Sie am liebsten?

Seit Jahren „Dei Dei Dei“ von Gerd Köster und Frank Hocker. Ich halte Jächt für den größten – nicht nur Kölner – Liedermacher, auf einer Ebene mit Lindenberg und Westernhagen. Leider gibt es Landstriche in Deutschland, die sein ganz reines Kölsch nicht mögen. Vom Potenzial her, vom Gesang und Text, ist er seit Ewigkeiten der Beste, er hätte riesige Hallen verdient. Da muss man nur mal ihr neues Album „Fremde Feddere“ hören, dann weiß man, was ich meine.

Gesamt-Köln FC oder Südstadt-Fortuna?

Ganz vorn ist bei mir Bayer 04 Leverkusen. Ich bin mit Bayer groß geworden, es ist mein Heimatverein. Warum sollte ich das ändern?

Damit hat man in Köln einen schweren Stand …

Das weiß ich. Hier um die Ecke ist eine FC-Kneipe, und sobald  Leverkusen verliert, zeigen alle Finger auf mich und alle freuen sich. Verstehe ich nicht. Ich halte auch nichts vom Streit zwischen Köln und Düsseldorf. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus Hitdorf stamme, da bin ich mit Alt und Kölsch groß geworden, insofern habe ich zu beiden Seiten gute Beziehungen.

Was trinken Sie lieber – Kölsch oder Alt?

Inzwischen am liebsten Pils.

Karneval?

Geht für mich nur ganz oder gar nicht. Entweder du tauchst rein und jagst durch die Straßen und Kneipen und haust auf den Putz, oder du verschwindest. Und das mache ich seit Jahren.

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Wir besuchten Wilfried Schmickler in seinem Arbeitszimmer in der Südstadt.

Sie haben seit drei Jahren die eigene Wilfried-Schmickler-Bank im Volksgarten. Wann haben Sie da zum letzten Mal Platz genommen?

Das kommt selten vor. Manchmal gehe ich vorbei und gucke, ob sie noch in Ordnung ist und räume den Müll weg. Aber ich bin dann glücklich. Sie ist ein Geschenk meiner Frau und erinnert mich an meine Kindheit – wenn ich damals gestiftete Bänke sah, dachte ich immer: „Wenn ich groß bin, will ich auch so eine.“

Sie machen seit über 40 Jahren Kabarett. Inzwischen ist eine ganz neue Generation auf den Kölner Bühnen und im TV unterwegs. Was unterscheidet die Jungen von den Alten?

Die Alten riechen nach Straße, die Jungen haben diesen Geruch nicht mehr. Sie gehen mit dem Berufswunsch Kabarettist an den Start und ziehen das durch. Wir Alten sind da meist reingeschliddert, zu Beginn spielte Geldverdienen keine Rolle.  Ich habe nebenbei lange gearbeitet und sehr lange zwei Jobs gehabt, unter anderem bin ich Lkw für eine Wäscherei gefahren.

Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass Sie im Sommer 2020 bei den „Mitternachtsspitzen“ aufhören. Fällt der Abschied schwer?

Ja klar. Aber das musste ja kommen, man kann auf so einem Platz ja nicht vergreisen. Irgendwann muss eine Verjüngung her, damit mal frischer Wind in den Laden kommt. Wir haben ja sehr starke Konkurrenz mit der „heute-Show“, „extra 3“,  „Die Anstalt“ oder „Mann-Sieber“. Der Druck ist größer geworden. Man muss immer daran arbeiten, dass man Schritt hält. Und dabei geraten alte Säcke ja schon mal aus der Puste.

Schon mal drüber nachgedacht, wo eines Tages Ihr Haupt gebettet werden soll?

Ich möchte nicht, dass mein Haupt gebettet wird. Ich wünsche mir, in die Nordsee gestreut zu werden. Und wenn das nicht klappt, dann in den Rhein, damit der mich dann in die Nordsee trägt.

Das ist verboten …

Weiß ich, das muss man heimlich machen. Das organisiere ich bis dahin schon.

Der „Rausschmeißer“ aus der Kölner Südstadt

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Wilfried Schmickler (geb. 28. 11.1954 in Hitdorf), Landrat-Lucas-Gymnasium Opladen. 1973: Zivildienst. Theater- und Kabarett-Trio  Matsche, Works und Hallies (später Matsche, Works und Pullrich).  1989: Nachfolger von Jürgen Becker im Kabarett-Trio „3 Gestirn  Köln 1“. Nach dessen Auflösung Start der Solokarriere. Seit 1992: WDR-„Mitternachtsspitzen“ (noch bis Sommer 2020) u. a. als „Rausschmeißer“, „Uli aus Deppendorf“ und mit Uwe Lyko „Überschätzte Paare der Weltgeschichte“. Radiobeiträge WDR2 und WDR5. Verheiratet mit der Fotokünstlerin Ilona Klimek (49), lebt in der Südstadt.

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