Nach tödlichem Angriff: Bahn rüstet Personal mit Bodycams aus.
Bahn zieht KonsequenzenNach tödlichem Angriff Personal wird mit Bodycams ausgestattet

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Rund ein Drittel der Kundenbetreuer bei der Deutschen Bahn haben sich eine Bodycam aushändigen lassen. (Symbolbild)
Ein schrecklicher Vorfall in Rheinland-Pfalz löst eine Welle der Empörung aus und zwingt zum Handeln. Anfang Februar griff ein Fahrgast den Zugbegleiter Serkan Çalar (36) mit Fäusten an. Der Angriff war so brutal, dass der 36-Jährige an seinen Verletzungen verstarb. Diese Tragödie hat nun ernste Konsequenzen.
Immer wieder belegen Erhebungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), wie groß die Angst unter dem Zugpersonal ist. Viele fühlen sich während der Arbeit nicht mehr sicher. Die Deutsche Bahn zieht jetzt die Reißleine: Seit einigen Wochen werden Kundenbetreuer in Zügen und an Bahnhöfen mit den kleinen Kameras ausgestattet.
Gewalt gegen Bahn-Mitarbeiter nimmt erschreckend zu
Die Zahlen der Bundesregierung sind alarmierend. Wie der Interessenverband Allianz Pro Schiene vor Kurzem bekannt gab, schnellte die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahngesellschaften zwischen 2024 und 2025 um elf Prozent in die Höhe – auf fast 2.690 Fälle.
„Wir werben dafür, dass die Beschäftigten nicht erst bis zu einem kritischen Vorfall warten, ehe sie eine Bodycam nutzen“, erklärte DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Kameras sollen zur Standardausrüstung werden, so das Ziel.
Wie die Bodycams für mehr Sicherheit sorgen sollen
Die Mitarbeiter tragen die Kameras gut sichtbar an ihrer Dienstkleidung. Eskaliert eine Situation, kann das Gerät mit einem einfachen Knopfdruck aktiviert werden. „Das Gegenüber sieht sich dann in der Bodycam, schon das hat oft eine deeskalierende Wirkung“, erläutert van Zijderveld.
Lässt die Anspannung nicht nach, startet ein zweiter Klick die Aufnahme. Aktuell wird nur Bildmaterial gespeichert. Die Bahn setzt aber darauf, dass bis zum Herbst die rechtlichen Grundlagen für Tonaufnahmen vorliegen.
Bahn plant schon die nächste Stufe
Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Wir arbeiten gerade daran, dass die Bodycams auch mit den Notrufknöpfen, die viele Beschäftigte am Arm tragen, verknüpft werden“, verrät der Bahn-Manager. Die Idee dahinter: Wird der Notruf ausgelöst, startet die Kamera automatisch.
Die Nutzung ist freiwillig, findet aber immer mehr Zuspruch. Etwa ein Drittel des Personals hat sich bereits dafür entschieden. „Bis Jahresmitte wollen wir eine Quote von 50 Prozent erreichen“, kündigt van Zijderveld an. Bis zum Sommer müssen außerdem alle Angestellten mit direktem Kundenkontakt an einer Pflichtschulung teilnehmen.
An diesem Dienstag (8. Juni 2026) präsentiert die Bahn in Frankfurt am Main erste Resultate aus Pilotversuchen für mehr Schutz bei der Tochtergesellschaft DB Regio. Dieses Unternehmen ist auch für die Regionalzüge und S-Bahnen in unserer Region zuständig. Geplant sind Einblicke in die Schulungen der Zugbegleiter, die den Umgang mit den Kameras und Selbstbehauptung trainieren.
(dpa/red)
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