Trotz Milliarden-Sanierung: Züge jetzt sogar langsamer
Trotz Milliarden-SanierungFahrt von Hamburg nach Berlin dauert jetzt sogar länger

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Zwischen Hamburg und Schwerin ist der Verkehr schon freigegeben. (Archivbild.)
Endlich wieder durchatmen! Zehneinhalb Monate Baustelle, Bus-Chaos und Umwege sind vorbei. Ab sofort rollen die Züge wieder direkt zwischen Hamburg und Berlin. Doch die Freude über die Milliarden-Sanierung hat einen gewaltigen Dämpfer – und für Pendler in NRW kommt es bald knüppeldick.
Für unzählige Reisende und Pendler ist es die Nachricht des Tages: Am Sonntag wird die essenzielle Bahnverbindung zwischen Hamburg und Berlin nach einer gefühlten Ewigkeit wieder komplett freigegeben. Um 5.34 Uhr soll der erste ICE vom Hamburger Hauptbahnhof abfahren und die Hauptstadt planmäßig in weniger als zwei Stunden erreichen. Der Ersatzverkehr mit Bussen ist damit endlich Geschichte.
Die Verbindung zwischen den zwei größten Metropolen Deutschlands zählt zu den wichtigsten im ganzen Land. Vor der Modernisierung waren hier täglich etwa 30.000 Personen im Fernverkehr unterwegs. Von nun an verkehren die Züge wieder im vertrauten Halbstundentakt.
Milliarden-Sanierung mit überraschendem Ergebnis
Doch die Freude hat einen bitteren Beigeschmack. Wer jetzt auf eine schnellere Verbindung gehofft hat, schaut in die Röhre. Wie bitte?! Nach der Sanierung für 2,2 Milliarden Euro verlängert sich die geplante Fahrzeit der ICEs um zwei Minuten auf 107 Minuten. Die Begründung der Bahn klingt fast schon zynisch: Es seien nun mehr Züge unterwegs, was – ähnlich wie auf der Autobahn – das Tempo ausbremst.
Die Strecke war laut Bahn vor der Sanierung massiv überlastet und erhielt die schlechte Zustandsnote 3,7. Nach der Erneuerung von Gleisen, Weichen und 28 Bahnhöfen soll sie nun die Note 2,3 erreichen.
Kritik an fehlender Technik und Chaos im Ersatzverkehr
Ein weiterer Wermutstropfen: Die moderne digitale Zugleittechnik ETCS, die eigentlich EU-Standard werden soll, wurde entgegen der ursprünglichen Planung nicht installiert. Die Bahn hat zwar Vorbereitungen getroffen, die vollständige Ausrüstung soll aber erst in den frühen 2030er-Jahren erfolgen. Kritiker bemängeln diese Entscheidung scharf.
Die vergangenen zehneinhalb Monate waren für Fahrgäste eine echte Geduldsprobe. Züge wurden umgeleitet, was die Fahrt um 45 Minuten verlängerte. Im Regionalverkehr fielen Züge sogar komplett aus. Der Ersatzverkehr mit über 200 Bussen sorgte für zusätzlichen Frust, weil es Streit mit dem Anbieter Ecovista um zu alte Busse und Ausfälle gab. Auch der Güterverkehr beklagte schlecht funktionierende Umleitungen und enorme Umwege.
Auch NRW betroffen: Diese Strecke ist als Nächstes dran
Die Modernisierung der Strecke Hamburg-Berlin ist nur der Anfang. Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er-Jahre mehr als 40 wichtige Streckenabschnitte generalüberholen. Und das betrifft auch die Menschen hier in der Region ganz direkt.
Noch in diesem Jahr soll die Sanierung der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln abgeschlossen werden. Auch hier müssen sich Pendlerinnen und Pendler auf massive Einschränkungen einstellen. Weitere Projekte sind die Verbindungen Nürnberg-Regensburg, Obertraubling-Passau und Troisdorf-Wiesbaden.
Die Generalsanierung ist Teil des Infrastrukturvorhabens „Korridorsanierung Hochleistungsnetz“. Die Arbeiten begannen 2024 mit der „Riedbahn“ zwischen Frankfurt und Mannheim. Ziel ist es, die Strecken so zu erneuern, dass dort für rund fünf Jahre keine größeren Bauarbeiten mehr nötig sind. (dpa/red)
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