„Loss mer Weihnachtsleeder singe“Gänsehaut und Frauen-Power: Köln bildete den größten Chor der Stadt

Zum siebten Mal fand im Kölner Rhein-Energie-Stadion „Loss mer Weihnachtsleeder singe“ statt. 48.000 Menschen stimmten sich so gemeinsam auf die Festtage ein und sorgten für einen gigantischen Chor.

von Marcel Schwamborn (msw)Daniela Decker (dd)

Mit Glockengeläut, einer Lichtshow und einem klassischen „Adeste Fideles“ vom Bläserquintett der Rheinischen Musikschule ging es los, mit dem großen Finale aller Teilnehmenden und den Klassikern „We are the World“ und „Stille Nacht“ endete nach über zwei Stunden ein wieder mal stimmungsvoller Abend, der die Herzen höher schlagen ließ.

Weihnachtsstimmung pur und die eine oder andere Gänsehaut kennzeichneten auch in diesem Jahr das große Mitsing-Event „Loss mer Weihnachtsleeder singe“ im Rhein-Energie-Stadion. 48.000 Menschen waren am Samstag (23. Dezember 2023) live dabei und bildeten so wieder Kölns größten Chor.

„Loss mer Weihnachtsleeder singe“: Michael Kokott hatte Programm erstellt

Chorleiter Michael Kokott hatte in wochenlanger Detailarbeit das Programm zusammengestellt. Eine neunköpfige Band unter der Leitung von Richard Hellenthal sowie 1400 Chorsängerinnen und -sänger sorgten in der Südkurve für die nötige Unterstützung. Zudem war erstmals das Ensemble „Best of Black Gospel“ dabei.

Alles zum Thema Kasalla

Nachmittags hatte bei den Proben noch einiges gehakt. Als schon die ersten auf ihre Plätze gingen, wurde in der Südkurve noch geübt. „Vielleicht lag es am verflixten siebten Jahr“, sagte Kokott. „Aber am Ende war es wieder ein großes Glücksgefühl.“

Einen Tag vor Heiligabend konnten alle nach einer hektischen Zeit perfekt in den besinnlichen Modus umschalten. Mitsing-König Björn Heuser stimmte die Evergreens „Alle Jahre wieder“, „O Tannenbaum“, „Ihr Kinderlein kommet“ und „Lasst uns froh und munter sein“ mit seiner Gitarre aus dem Mittelkreis an.

„Mein persönliches Highlight war zudem, dass ich ‚Stääne‘ singen durfte. Klüngelköpp-Sänger Frank Reudenbach hatte mir extra sein Okay gegeben“, sagte er zu EXPRESS.de.

Erstmals wirkten mit Linda Teodosiu, Sarah Engels und Sabi auch drei temperamentvolle Künstlerinnen mit und sorgten für viel Pop-Flair. „Ich bin ein Riesen-Weihnachtsfan“, verriet Ex-DSDS-Teilnehmerin Teodosiu, die „Merry Christmas“ und „Santa Claus is coming“ sang.

„Das war echt der Knaller“, schwärmte sie über ihre Müngersdorf-Premiere. An Heiligabend geht es für sie zur Familie nach Rumänien. „Dort haben wir einen Baum, der vier Meter hoch ist. Zudem kommen immer 15 Personen zu uns nach Hause, um dort Weihnachtslieder zu singen“.

Sarah Engels stimmte den Leonard Cohen-Klassiker „Halleluja“ an und sorgte so für ein beeindruckendes Handy-Lichtermeer. Zur Unterstützung hatte sie neben Ehemann Julian ihre Kinder Alessio und Solea im Stadion dabei. „Das ist eine Riesen-Ehre für mich, hier als kölsches Mädchen zu singen“, sagte sie.

Auch die Outfit-Frage klärte sie noch im letzten Moment. „Ich hatte erst überlegt, passend zu Weihnachten ein festliches Kleid zu tragen. Aber bei den Temperaturen waren warme Klamotten und dicke Schuhe dann doch besser“.

Auch die Kleinsten hatten einen großen Auftritt. Die neunjährige Annika von den Lucky Kids sang im Engelskostüm „An Angel“. Luca (10) ließ bei Rolf Zuckowskis „Weihnachtsbäckerei“ nichts anbrennen. Jonas (11) hoffte mit „Es schneit“ auf eine weiße Weihnacht. Katrin (29) vom Jugendchor St. Stephan präsentierte „All I want for Christmas“.

Wie immer waren auch Kölner Karnevalsgrößen am Start. Höhner-Frontmann Patrick Lück freute sich vor allem, dass er mit seinen Mitstreitern Micki Schläger und Jens Streifling „Die schönste Stroß“ singen durfte. „Das erzeugt immer einen Extra-Applaus und ein Raunen. Dieser emotionale Song ist ein wenig Heimat und holt die Menschen total ab. Das ist wie ‚Driving Home for Christmas‘, nur noch einen Tick emotionaler“, sagte er zu EXPRESS.de.

Hier an unserer EXPRESS.de-Umfrage teilnehmen:

Mit seiner Band hatte er just 22 Konzerte auf der Weihnachtstour. „Da geht man wirklich besinnlich ins Jahresende. Das Singen im Stadion ist ein sehr emotionaler Abschluss. Ab dem 5. Januar geht es dann im Alaaf-Modus wieder weiter“, sagte Lück lachend.

Höhner und Kasalla sangen ebenfalls im Rhein-Energie-Stadion mit

Kasalla präsentierten neben ihrem Hit „Sing mich noh Hus“ auch noch den John-Lennon-Klassiker „Happy Xmas“, das als Protestlied 1971 zum Vietnamkrieg entstanden war.

„Ich hoffe, dass die Menschen etwas davon mitnehmen. Ich habe zwar leider relativ wenig Hoffnung, dass Wladimir Putin zuhört. Man kann nur bei sich selbst im Spiegel anfangen. Wenn das jeder macht, kann die Welt ein kleines bisschen besser werden“, sagte Basti Campmann, der erstmals von Frau und Tochter begleitet wurde.

„Loss mer Weihnachtsleeder singe“: Vorverkauf für 2024 läuft

Der Sänger war erneut begeistert von der besonderen Atmosphäre, als das Fußball-Stadion zur großen Kathedrale wurde. Die Stadion-Eckpfeiler bildeten passend dazu einen riesigen Adventskranz. „Die Menschen wollen vor allem gemeinsam singen. Im Mittelpunkt stehen nicht die Künstler. Der Funke springt vom Publikum auf die Bühne rüber.“ Oder wie es Dirigent Kokott sagte: „Singen macht glücklich“.

Am 23. Dezember 2024 wird wieder gemeinsam in Müngersdorf gesungen. Wer dabei sein will, sollte sich beeilen. Beim letzten Mal waren nach drei Tagen alle Tickets weg.