Abo

„Krasseres Fremdschämen geht nicht“Reaktion von Kölner Kardinal Woelki sorgt für Kritik

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Im Erzbistum Köln sind Segnungen homosexueller Paare weiter nicht möglich. (Archivbild)

Copyright: AFP

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Im Erzbistum Köln sind Segnungen homosexueller Paare weiter nicht möglich. (Archivbild)

Ein historischer Schritt in München, ein harter Riegel in Köln. Während Kardinal Marx queeren Paaren die Hand reicht, sorgt Kardinal Woelki für Wut und Unverständnis.

Eine Entscheidung mit Sprengkraft kommt aus München: Erzbischof Reinhard Marx macht den Weg frei für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Damit ist er der erste Kardinal hierzulande, der diesen Schritt geht. Ein Sprecher des Erzbistums München und Freising bestätigte am Dienstag auf Anfrage die Neuigkeit, die zuerst die Würzburger „Tagespost“ gemeldet hatte.

Die Segnung von Paaren gleichen Geschlechts wird in etlichen deutschen Diözesen schon länger praktiziert. Eine vor ungefähr einem Jahr publizierte Handreichung der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken gibt dafür den Rahmen. Sie regelt, wie auch Paare gesegnet werden können, denen eine Heirat nach katholischem Kirchenrecht verwehrt ist. Hierzu gehören nicht nur homosexuelle Paare, sondern auch Geschiedene, die erneut geheiratet haben.

Weltweite Debatte und strenge Regeln aus Rom

International sorgt das Thema für heftige Diskussionen. Papst Franziskus, der vor einem Jahr verstarb, gab 2023 zwar grünes Licht für eine Segnung. Allerdings sind die Auflagen aus dem Vatikan streng. Die Zeremonien müssen sehr kurz gehalten werden und ein Gottesdienst ist als Rahmen tabu.

Die deutsche Auslegung geht weiter, was vor allem von konservativer Seite auf heftige Kritik stößt. Aus diesem Grund verweigert der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die Umsetzung des Leitfadens. Für gleichgeschlechtliche Paare im Kölner Erzbistum wird es daher auch in Zukunft keine Segensfeiern geben.

Kardinal Reinhard Marx. (Archivbild)

Copyright: Michael Kappeler/dpa

Kardinal Reinhard Marx. (Archivbild)

Woelki untermauerte jetzt seine Haltung. Das Presseamt des als konservativ geltenden Kardinals aus Köln – der im neuen Film über Horst Schlämmer auffällig bürgernah auftritt – macht klar: „Wir werden die angesprochene Handreichung im Erzbistum Köln nicht zur Anwendung bringen.“

Die oberste Glaubensbehörde in Rom, das Dikasterium für die Glaubenslehre, habe ausdrücklich betont, dass eine Segensspendung spontan und von kurzer Dauer sein solle und somit keine liturgische Gestalt annehmen dürfe. „Hier geht die Handreichung nach unserer Einschätzung über die weltkirchlichen Regelungen hinaus.“

„Epochaler Fortschritt“: Freude in München, Kritik aus Köln

„Das ist für die katholische Kirche nichts weniger als ein Sprung über den eigenen Schatten und ein, wenn auch kleiner, so doch epochaler Fortschritt“, kommentierte derweil Wolfgang Rothe, ein progressiver und offen schwuler Priester aus München, die Entscheidung. Paare gleichen Geschlechts, die ihre Liebe segnen lassen möchten, seien damit keine Bittsteller mehr. Geistliche, die dem nachkommen, hätten keine negativen Folgen zu erwarten.

Schon 2021 segnete Rothe im Rahmen von „#liebegewinnt“ demonstrativ und für alle sichtbar lesbische und schwule Paare. Es handelte sich um einen deutschlandweiten Protest liberaler Kleriker gegen das seinerzeit von der vatikanischen Glaubenskongregation erlassene, noch kategorischere Verbot einer Segnung für homosexuelle Paare.

Freude in Köln – doch nicht im Dom

In Köln gab es ebenfalls über Konfessionsgrenzen hinweg positive Reaktionen. So kommentierte der evangelische Pfarrer Tim Lahr aus Köln die Meldung aus München in einer Story auf Instagram. „Das freut mich für unsere katholischen Geschwister! Wird auch Zeit!“, so Lahr, der sich mit seinem Instagram-Kanal und speziellen Gottesdiensten für Queere für mehr Offenheit seiner Kirche gegenüber der LGBTQ-Gemeinschaft einsetzt.

Lahr kommentierte auch indirekt Woelkis Haltung: „Ob das bald auch hier möglich sein wird?“, stellte der Pfarrer in den Raum und lieferte die aus seiner Sicht passende Antwort direkt mit: „Meine Meinung dazu: Gott gibt Segen, wir Menschen sollten ihn nicht verhindern!“

Mark Benecke mit scharfen Worten gegen Woelki

Deutlich schärfer äußerte sich Mark Benecke, bekannter Biologe und ehemaliger Kandidat für das Kölner Oberbürgermeisteramt (Die Partei). Auf Instagram schrieb er, dass Köln zwar den „größten LGBTQA+-Umzug Europas“ habe, der Kardinal aber bei seiner völlig lebensfremden Meinung bleibe, „dass queere Menschen nichts wert sind“. Benecke betonte, er habe in seinem gesamten Leben in Köln keine einzige Person getroffen, die sich gegen die Segnung von queeren Paaren ausspricht.

Ein „krasseres Fremdschämen“ könne Woelki kaum auslösen, fügte Benecke hinzu. Der Kardinal sei „eine der rückständigsten Personen in ganz Köln, vielleicht sogar im ganzen Rheinland“.

Hoffnung auf Ende des „Flickenteppichs“

Während am Mittwoch Kritik an der Haltung des Kölner Kardinals laut wurde, begrüßte die ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“ die von Kardinal Marx angekündigte Umsetzung. Diese Handreichung ermöglicht die kirchliche Segnung von homosexuellen Paaren.

Die Arbeitsgruppe erklärte, die Entscheidung sei ein Fortschritt im Vergleich zur bisherigen Lage, in der zahlreichen Menschen der Segen der Kirche verweigert wurde. Dies gelte, obwohl das Papier mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft“ nicht alle Erwartungen der katholischen Reformbewegung des Synodalen Wegs erfülle.

Zugleich drückte die Gruppe ihre Hoffnung aus, dass andere Diözesen dem Beispiel aus München und Freising nacheifern. Steffen Schille, der im Vorstand von „Homosexuelle und Kirche“ sitzt, betonte: „Bei Segnungen für queere und geschieden-wiederverheiratete Paare darf es in Deutschland nicht zu einem Flickenteppich kommen“.

Die Handreichung mit dem Namen „Segen gibt der Liebe Kraft“ wurde im April 2025 verabschiedet. Verantwortlich dafür waren die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Laienvertretung. Sie greift eine Idee des früheren Papstes Franziskus auf. Widerspruch gegen die Umsetzung kam jedoch von der Glaubensbehörde des Vatikans. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Franco Clemens zeigt Zeltlager in Köln und ruft den sozialen Notstand für Köln aus.

Auch Kinder dabei

Schockierende Lage in Köln – Franco schlägt Notstand-Alarm